Start Feuilleton Geschichte Vor 75 Jahren starb Kommandant Aris Velouchiotis

Vor 75 Jahren starb Kommandant Aris Velouchiotis

Thanasis Klaras war ein Kader der Kommunistischen Partei Griechenlands und erster Kommandant der Partisanentruppen der ELAS. Sein Kampfname lautete: Aris Velouchiotis

Thanasis Klaras wurde am 27. August 1905 in Lamia, unweit der sagenumwobenen Thermopylen, geboren. Mit 17 Jahren wurde er Mitglied der OKNE, der Jugendorganisation der Kommunistischen Partei Griechenlands, drei Jahre später Parteimitglied. Als die Metaxas-Diktatur anbrach, wurde er in Ägina inhaftiert. Von dort floh er aber und unterstützte weiterhin die Kommunistische Partei in der Illegalität.

Partisanenkampf

An der albanischen Front 1940 – 1941 kämpfte Klaras als Feldwebel der Artillerie in der griechischen Armee gegen die anrückenden italienischen Faschisten. 1941 aber wurde Griechenland durch den Angriff der Wehrmacht zur Kapitulation gezwungen und Klaras erwog die Voraussetzungen für einen Guerillakrieg. 1942 wurde er sodann von der Kommunistischen Partei in die Berge Zentralgriechenlands geschickt, wo er mit der Aufstellung und Rekrutierung einer schlagkräftigen Partisanenarmee begann. Seine erste Aktion erfolgte im Dorf Domnista, wo er auch zum ersten Mal unter dem Namen Aris Velouchiotis auftrat. Durch ihn und mit ihm wurde die ELAS (Die Nationale Volksbefreiungsarmee) stärker, bekannter und im Volk noch mehr beliebt. Auf die Partisaninnen- und Partisanenarmee Velouchiotis geht beispielsweise die Sprengung der Gorgopotamos-Brücke am 25. November 1942 zurück, die taktisch wichtig für den Nachschub deutscher Truppen nach Nordafrika war, als Symbol für den Widerstand jedoch noch mehr Bedeutung gewann, da damit bewiesen wurde, dass Widerstand gegen die faschistische Besatzung möglich war.

Das Abkommen von Varkiza

Als der Kampf gegen die Nazi-Besatzung zu Ende war, wurde am 12. Februar 1945 zwischen der bürgerlichen Regierung unter Plastiras und der EAM (Nationale Befreiungsfront) das Abkommen von Varkiza unterzeichnet, die u.a. die Entwaffnung der Partisaninnen und Partisanen vorsah. Aris Velouchiotis wollte und konnte sich mit den widrigen Umständen eines geheuchelten Friedens unter wiederum kapitalistischen Zuständen nicht abfinden. Er und seine Genossinnen und Genossen hatten nicht für den Wechsel und die Wiedereinsetzung der alten besitzenden Klassen gekämpft, sondern für ein freies, sozialistisches Griechenland. So lautet der Schwur der ersten Partisanengruppe, den er selbst verfasst hat:

„Ich bin ein Sohn des griechischen Volkes und schwöre in den Reihen der ELAS zu kämpfen, bis auch der letzte Tropfen meines Blutes die Erde benetzt, um den Feind von unserem Land zu vertreiben. Für die Freiheit unseres Volkes werde ich immerfort wachsam sein. Ich werde treu und unermüdlich unser Hab und Gut und die Bauern beschützen. Sollte ich eines Tages meiner Kampfespflicht gegenüber meiner Nation und meinem Volk nicht gerecht werden, so nehme ich mein Todesurteil im Vorhinein an. Ich schwöre, das Gewehr in meinen Händen zu ehren und es niemals abzugeben, bis meine Heimat von der Sklaverei befreit sein wird und den Händen des Volkes übergeben worden ist.“ 

Und diesem Eid blieb der Kämpfer Thanasis Klaras, besser bekannt als Aris Velouchiotis, bis zu seinem tragischen Tod treu. Sein Weg führte ihn wieder zurück in die bekannten Berge Zentralgriechenlands, um die bürgerliche Regierung und die britischen Invasoren zu bekämpfen. Doch in diesem seinen letzten Kampf blieb er erfolglos. Von einer Übermacht der feindlichen Armee in Mesounda umzingelt, nahm er sich am 16. Juni 1945 selbst das Leben und übergab sein Gewehr nicht.

Seiner Leiche und den Leichen seiner Genossen wurden die Köpfe abgetrennt und im Zentrum von Trikala zur Schau gestellt, um allen klarzumachen, dass die bürgerliche Gewalt nicht in Frage gestellt werden darf.

Ausschluss und Rehabilitierung

Velouchiotis´ Entscheidung, sich dem Abkommen von Varkiza entgegenzustellen, brachte ihn in Konflikt mit dem demokratischen Zentralismus der Kommunistischen Partei Griechenlands. Diese hatte sich im Hinblick auf eine demokratische Lösung des griechischen Problems dazu entschlossen, dem Abkommen zuzustimmen. Auf der 11. Sitzung des Zentralkomitees im April 1945 wurde Velouchiotis aus der Partei ausgeschlossen. In Anbetracht der darauffolgenden historischen Ereignisse, allen voran der griechische Bürgerkrieg von 1946 – 1949, kam die Partei zum Schluss, dass Velochiotis mit seiner Einschätzung der Lage durchaus Recht behalten hatte. Besonders ist das Fehlen seines organisatorischen und militärstrategischen Denken im Bürgerkrieg spürbar geworden. Obwohl er schon viel früher faktisch rehabilitiert wurde, kam es 2011 zu seiner offiziellen politischen und 2018 zu seiner vollständigen Rehabilitation als Parteimitglied der KKE, trotz seiner Ungehorsamkeit, die es nicht zu rechtfertigen gilt, aber durch die damals mangelnde Kollektivität der Arbeitsweise der Führungsorgane der Partei in den richtigen Rahmen gestellt werden muss. Mit diesem von der Partei selbst angestrengten Rehabilitationsprozess entstand die Möglichkeit, gemachte Fehler historisch einzuordnen und Velouchiotis´ ereignisreiches Leben in einem vollständigeren Spektrum nachzuzeichnen. Aus den Schemen der Vergangenheit entstand nun mit äußerster Klarheit das Schicksal und das Leben eines Mannes, das aufs Engste mit dem der Kommunistischen Partei verwoben war.

Schlussworte

Der derzeitige Generalsekretär der Kommunistischen Partei Griechenlands, Dimitris Koutsoumbas, fand 2015 zum siebzigjährigen Gedenken des verstorbenen Kommandanten treffende Worte. Er charakterisierte ihn folgendermaßen:

„Aris war ein Mann des Volkes, mit einer besonderen Fähigkeit zur Massenarbeit, mit guten Vorsätzen ausgezeichnet, vielseitig einsetzbar, aber auch hartnäckig in seinen Ansichten. Er war ein guter Organisator und Propagandist. Er war sehr dynamisch und besaß großes Vertrauen in die gerechte Sache des Volkes. Aris war ein Produkt seiner Zeit. Seine Charakterzüge widerspiegelten den harten Kampf zwischen zwei Welten. Aris Velouchiotis, erster Kommandant der ELAS, ist niemals gestorben. Er lebt in uns fort. Diejenigen, die versucht haben und immer noch versuchen, seinen Beitrag und sein tragisches Ende zu verzerren, dürfen niemals vergessen: Aris war ein Kommunist, er blieb der Partei, der Ideologie und den Idealen der KKE treu bis zu seinem letzten Atemzug.“

Quellen: KKE / Rizospastis / Rizospastis / IdCommunism / KKE / IdCommunism

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