Start Klassenkampf Profit nicht hoch genug: MAN baut 9.500 Stellen ab

Profit nicht hoch genug: MAN baut 9.500 Stellen ab

Beim Fahrzeughersteller MAN, der dem deutschen VW-Konzern gehört, sollen tausende Menschen gekündigt werden – dies dient der Profitsteigerung und der kapitalistischen „Krisenbewältigung“.

München. Beim LKW‑, Bus‑, Militär- und Nutzfahrzeughersteller MAN steht im Zuge von Restrukurierungsmaßnahmen ein massiver Personalabbau bevor, der die bisherigen Ankündigungen nun deutlich übertrifft. Dies teilte die übergeordnete Traton-Holding, die wiederum im Eigentum des Volkswagen-Konzern steht, am Freitag in einer Aussendung mit. Insgesamt werden in Deutschland, Österreich und anderen Ländern bis zu 9.500 Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren – das sind etwa 25% aller MAN-Angestellten. Manche Betriebsstandorte, darunter jener im oberösterreichischen Steyr mit 2.300 Arbeitsplätzen, könnten gänzlich geschlossen werden. Und das Unternehmen sagt auch ganz offen, warum dies geschieht: Der Profit soll erhöht werden, nämlich um 1,8 Milliarden Euro bis 2023 – so zumindest der mitten in der Wirtschaftskrise ambitionierte Plan. Das Ziel der Gewinnsteigerung ist natürlich dringend notwendig, denn der Profit war bei Traton SE zuletzt (2019) ja nur noch irritierend niedrig: Die Einnahmen lagen bei rund 27 Milliarden Euro, das offizielle EBIT-Ergebnis bei lediglich 1,9 Milliarden. Die Dividenden betragen heuer erbärmliche 500 Millionen Euro, die Vorstandszahlungen schlappe elf Millionen. Und so kann man im Kapitalismus freilich nicht arbeiten – es muss immer der Maximalprofit her.

Die deutsche Konzernführung hat nun „Gespräche“ und „Verhandlungen“ über den Stellenabbau und weitere Umstrukturierungsmaßnahmen angekündigt – vermutlich will man sich vom deutschen und österreichischen Staat auch noch finanzielle Unterstützung für das Optimierungs- und Entlassungsprogramm holen. Dafür dürfen dann natürlich wieder Steuergelder verwendet werden (wie schon bisher bei der Corona-Kurzarbeit), aber die Kolleginnen und Kollegen an den österreichischen MAN-Standorten in Steyr und Wien werden wenig davon haben: Viele werden ihren Job verlieren, die restlichen mit Lohn- und Gehaltseinbußen rechnen müssen. Man kann sich übrigens bei der Sozialdemokratie bedanken: Es war die SPÖ-geführte Vranitzky-Regierung, die die staatliche Steyr-Daimler-Puch AG zunächst filetiert und die praktischen Einzelteile dann privatisiert, d.h. an ausländische Konzerne, darunter eben MAN (1990), verscherbelt hat. Nun kann der internationale kapitalistische Konkurrenzkampf um Profite und Marktanteile, verschärft durch die Wirtschaftskrise, ungehindert durchgeführt werden – mit seinen seltsam wirkenden, aber effektiven Methoden, wie Karl Marx wusste: „Dieser Krieg hat das Eigentümliche, dass die Schlachten weniger in ihm gewonnen werden durch Anwerben als durch Abdanken der Arbeiterarmee. Die Feldherren, die Kapitalisten, wetteifern untereinander, wer am meisten Industrie-Soldaten entlassen kann.“ VW gewinnt, die Arbeiterklasse verliert. Es wird klassenkämpferischer Widerstand notwendig sein.

Quelle: n‑tv

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