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Klingenbach ehrt Hanna Sturm

Dass die SPÖ es schafft, sie zu ehren, und mit keinem Wort ihre kommunistische Gesinnung zu erwähnen, würde Hanna wohl sehr amüsieren. „So sind sie, die Hosenscheisser“, würde sie vielleicht sagen.

Klingenbach. Die Geburtsgemeinde der Klassenkämpferin, Revolutionärin, Kommunistin und Widerstandskämpferin Hanna Sturm ehrte sie Ende Mai mit einem Gedenkstein. Sturm hätte voriges Jahr den 130. Geburtstag gehabt, zu dem die Enthüllung des Gedenksteins geplant gewesen sei, so die Vertreter der kroatisch- und deutschsprachigen SPÖ-geführten Gemeinde.

Hervorgestrichen wurde, dass Sturm 1938 von den Nazi-Faschisten verhaftet wurde, und mehrere Konzentrationslager überlebte. Nach 1945 sagte die Widerstandskämpferin in mehreren Kriegsverbrecherprozessen als Zeugin aus.

Verschwiegen wird freilich von der SPÖ in Klingenbach, dass Sturm 1927 aus der SPÖ ausgeschlossen und Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) wurde. 

Bewegtes Leben einer Revolutionärin

Hanna war bereits als 14-jährige politisch aktiv geworden, in Streiks und Arbeitskämpfe involiviert und war aktive Unterstützerin der ungarischen Räterevolution. Als die nur 133 Tage währende Räterepublik 1919 zusammenbrach, half Hanna politisch Verfolgten über die österreichisch-ungarische Grenze. Einer von Hannas Flüchtlingen war Béla Kun, der Gründer der Räterepublik. Hanna wurde 1927 – aufgrund von innerparteilichen Auseinandersetzungen – aus der Sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen und trat der Kommunistischen Partei bei. Für diese fuhr sie im selben Jahr als österreichische Delegationsleiterin zum Frauentreffen nach Moskau.

Ihr bewegtes Leben führte sie nach Bremen, wo sie wegen Organisierung einer Betriebsratswahl 1930 aus Deutschland ausgewiesen wurde. Sie emigrierte in die Sowjetunion, kehrte nach einer Verhaftung 1932 jedoch wieder nach Österreich zurück. 

Die Nazi-Faschisten sperrten Hanna Sturm nach der Machtergreifung 1938 wie viele andere bekannte Kommunistinnen und Kommunisten ins KZ, erst in Lichtenburg an der Elbe und ab 1939 in Ravensbrück

Zeit ihres Lebens Kommunistin

Nach dem Krieg war Hanna Sturm Zeugin in mehreren Kriegsverbrecherprozessen. 1946 versuchten zwei Männer Hanna Sturm am Weg vom Sportplatz nach Hause zu ermorden. Durch Zufall wurde dieses Attentat verhindert. Sie blieb Zeit ihres Lebens Kommunistin, auch wenn ihr Verhältnis zur KPÖ ein kompliziertes war, und sie mehrmals ausgeschlossen und wieder aufgenommen wurde. Sturm liess sich in Neufeld an der Leitha nieder, wo sie ein Haus baute und jahrzehntelang lebte. Bereits 1958 schrieb sie ihre Autobiographie, fand aber Jahrzehnte lang keinen Verleger. Erst 1982 wurde Hannas Autobiographie „Die Lebensgeschichte einer Arbeiterin. Vom Burgenland nach Ravensbrück“, veröffentlicht. 

Sie starb 1984 bei ihrer Tochter in der kroatischen Hauptstadt Zagreb und wurde in Neufeld an der Leitha bestattet.

Dass die SPÖ es schafft, sie zu ehren, und mit keinem Wort ihre kommunistische Gesinnung zu erwähnen, würde Hanna wohl sehr amüsieren. „So sind sie, die Hosenscheisser“, würde sie vielleicht sagen.

Quellen: burgenland.orf.at/wikipedia/ravensbrueckerinnen​.at

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