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Inflation steigt weiter: Türkei erhöht den Mindestlohn

Die Inflation in der Türkei scheint kein Ende zu nehmen. Die offiziellen Daten des Statistikamtes sind wohl gefälscht. Nun erhöht die Regierung unter Präsident Erdogan den Mindestlohn.

Ankara. Die Entwertung der türkischen Lira schreitet weiter voran. Die amtliche Inflationsrate für 2021, veröffentlicht von TurkSTAT, dem statistischen Zentralamt der Türkei, beträgt 21 Prozent, was bereits einer massiven Geldentwertung entsprechen würde. Die tatsächliche Inflationsrate ist jedoch wohl um einiges größer. Der frühere Chef von TurkSTAT, Birol Aydemir, erklärte in einem Radio-Interview, dass die offiziellen Zahlen unglaubwürdig seien.

Die türkische ENA-Gruppe, ein Zusammenschluss unabhängiger Wissenschaftler zur Inflationsforschung, errechnete eine Preissteigerung von 58,65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Lebensmittelpreise steigen derzeit monatlich um zehn Prozent. Produkte der Gesundheitsindustrie, ebenso wie Kleidung und Schuhe, sind laut den Analysten der ENA-Gruppe alleine von Oktober bis November um ganze 17 Prozent im Preis gestiegen. Besonders hoch ist die Inflation auch im Kultur- und Erholungsbereich: Die Preise sind hier von Oktober bis November in nur einem Monat um über 21 Prozent gestiegen. Insgesamt errechnete die ENA-Gruppe eine monatliche (!) Preissteigerung von fast zehn Prozent, vom 31.10. bis zum 30.11.2021. Auch die kommunistische Partei der Türkei (TKP) betonte in ihrer jüngsten Stellungnahme, dass die tatsächliche Inflationsrate im Jahr 2021 mindestens 50 Prozent beträgt, sowie über 9 Prozent alleine im November. Ökonomen rechnen außerdem nicht damit, dass sich die Lage im nächsten Jahr zum Positiven wenden wird, vielmehr wird die Inflationsrate weiter steigen.

Angesichts dieser drastischen Situation, sah sich die türkische AKP-Regierung nun gezwungen, den Mindestlohn im Land ab 2022 um zirka 42 Prozent zu erhöhen, von derzeit rund 3000 Lira (170 Euro) auf 4250 Lira (240 Euro). Zusätzlich soll ab 2022 keine Einkommenssteuer mehr auf Mindestlöhne erhoben werden, um die Konzerne zu entlasten. „Parallel zum größten Mindestlohnanstieg unserer Geschichte bewahren wir die Arbeitgeber vor zusätzlichen hohen Lasten“, so Präsident Erdogan.

Die TKP organisierte in den vergangenen Monaten zahlreiche Protestaktionen gegen die voranschreitenden Teuerungen. In ihrer jüngsten Stellungnahme betont die Partei, dass die Erhöhung des Mindestlohns keine Lösung für das Problem der zunehmenden Verarmung der türkischen Arbeiterklasse sein kann. Der gesamte Reichtum und die Ressourcen der Türkei befinden sich, so die TKP, weiterhin in den Händen einiger weniger heimischer und ausländischer Kapitalisten.

Quellen: TKP / ENAGrup / tagesschau

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