HomeKlassenkampfHygiene Austria und Post: Leiharbeiter als moderne Lohnsklaven

Hygiene Austria und Post: Leiharbeiter als moderne Lohnsklaven

Wien. Dass der Klassenkampf von oben geführt wird in Österreich, unterliegt kaum einem Zweifel. Neue Studienergebnisse der Universität Wien zu den Arbeitsbedingungen im Postverteilerzentrum Inzersdorf und dem skandalträchtigen Maskenhersteller Hygiene Austria bestätigen dies in sämtlichen Punkten. Die Befragten fühlten sich wie „Tiere“ oder „Sklaven“ behandelt, viele von ihnen junge Geflüchtete aus Syrien oder dem Irak. Ein nachdenklich machender Satz eines jungen Arbeiters: „Als ich die Halle betreten habe, war ich wieder im Irak.“

Die betroffenen Leiharbeiter erzählten davon, wie sie bei der Hygiene Austria teilweise bis zur Frühschicht bleiben mussten, weil nicht genug Arbeiter in der Frühschicht präsent gewesen seien. Das koppelt sich mit völlig willkürlichen Schichteinteilungen über WhatsApp – Leiharbeiter sollen auf Abruf bereitstehen. Sowohl dort als auch beim Postverteilerzentrum Inzersdorf, also in Arbeitsbereichen, wo tagtäglich an der Belastungsgrenze gearbeitet werden muss und sich mehrfach Covid-Cluster gebildet haben, werden kaum kurze Pausen wegen Erschöpfung gebilligt. Bei der Hygiene Austria soll ein Kollege gar einen Teil des Fingers verloren haben, weil die Schutzmaßnahmen laut den Befragten praktisch aufgehoben und die Maschinen beschleunigt wurden.

Viele migrantische Beschäftigte arbeiten in Betrieben mit geringer arbeitsrechtlicher Absicherung, einem hohen Grad an Arbeitsverdichtung und geringer gewerkschaftlicher Organisierung. Viele sind von den arbeiter- und asylfeindlichen Regelungen der Behörden quasi geknebelt, worüber die Unternehmen bestens Bescheid wissen und sie indirekt oder direkt erpressen können. So bestätigte die Wissenschaftlerin Johanna Neuhauser in ihren Interviews, dass der Druck der Unternehmen dazu führt, dass viele trotz Krankheitssymptomen arbeiten gehen, was eben zu Covid-Clustern führen kann.

Die Arbeiterkammer ist mit etlichen Klagen beschäftigt. Nicht auf die Idee zu kommen, die Beschäftigten zu organisieren, nicht zuletzt wegen der Vorwürfe, dass bei der Hygiene Austria und der Post offenbar die Leiharbeiter sich ihrer leiblichen Sicherheit nicht gewiss sein können, ist symptomatisch. Es ist symptomatisch für eine Arbeiterbewegung, die ähnlich wie NGOs auf Beratung, „Advocacy“, Skandalisierung über Öffentlichkeiten und Rechtsberatung setzt. Dass die Gewerkschaften insbesondere bei Migrantinnen und Migranten sowie Asylsuchenden ein massives Defizit aufweisen, rundet das Bild nur ab. Diese Offensive gegen die Arbeiterklasse – denn diese Ausbeutung trägt dazu bei, dass die Profite sprudeln – geht trotz einer Pandemie, die außer Kontrolle zu geraten scheint, weiter. Der einzige „Wellenbrecher“ gegen diese Pandemie der Herrschenden ist der organisierte Klassenkampf.

Quelle: Der Standard

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