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Eurowings braucht Wien nicht mehr

Nach zwei Jahren der Unsicherheit präsentiert Eurowings Europe nun die düsteren Zukunftspläne für ihre Angestellten in Wien: Teilschließung oder gänzliche Schließung des Standorts, mit Chance auf Wiedereinstellung im Ausland.

Wien. Eurowings Europe hat bis jetzt fünf Flugzeuge in Wien unterhalten, die für Austrian Airlines fliegen sollten. Noch vor der Pandemie wurde jedoch der Wet-Lease-Vertrag durch Austrian Airlines aufgekündigt, es folgten zwei Jahre der Ungewissheit für die Wiener Belegschaft. Nun legte die Führungsetage mehr oder weniger klar ihre Zukunftspläne vor: Mindestens drei der fünf Flugzeuge werden nicht mehr gebraucht – eventuell wird auch so, mir nichts, dir nichts, der gesamte Standort geschlossen. Einem Schreiben des dortigen Betriebsrates zufolge will die Geschäftsführung den Standort Wien „signifikant verkleinern oder auch ganz schließen.“ Mehr als die Hälfte der Belegschaft soll zusammen mit den Flugzeugen verabschiedet werden. Der Bericht des Betriebsrats liegt dem Portal aerotelegraph​.com vor.


Mit hoher Wahrscheinlichkeit jedoch wird dem gesamten Personal gekündigt werden, denn für den Erhalt der beiden Restflugzeuge fordert die Geschäftsleitung tatsächlich Anpassungen im Kollektivvertrag. Es ist ein bereits zuvor stark lädierter Kollektivvertrag, von dem hier die Rede ist und dem die Gewerkschaften Vida und GPA-djp freimütig zugestimmt haben. In der Tat wurde damals über den Köpfen der Beschäftigten ein Krisenbeitrag ausgehandelt, der vom Monatsgehalt abgezogen und einbehalten werden sollte und wovon nur das 13. und 14. Gehalt erspart blieb.

Der zuständige Betriebsrat sieht die Angelegenheit mit einer gewissen Empörung, er sei „mehr als enttäuscht“, außerdem würden „unsere Mitbewerber durchaus Marktchancen sehen“ und Ryanair und Wizz Air sind ja auch noch da – die Konkurrenz wiederum hat nämlich einen Ausbau in Schwechat angekündigt. Man könne nur mehr „festhalten, dass der Marktanteil der Lufthansa Group am Drehkreuz Wien immer kleiner wird“, so der dortige Betriebsrat, der in sozialpartnerschaftlicher Manier mehr die Außenwirkung des Unternehmens im Blick hat als die Befindlichkeiten der vor dem
Aus stehenden Belegschaft.

Hier wäre nun der Teil, in dem die geplanten Kampfmaßnahmen rekapituliert werden und die daraus entstehenden Möglichkeiten für das Personal, ihre Arbeitsstelle zu behalten. Leider konnten diesbezügliche Informationen nicht festgestellt werden.

Zwangsweise Umstationierung

Die Geschäftsführung hat indessen einem großen Teil der vom Abbau betroffenen Angestellten neue „Traumberufe“ in Aussicht gestellt – die Stellen würden aber eben an anderen Standorten besetzt werden. Im Klartext hieße das für gekündigte Personal ein Umzug nach Prag, wo man sich den dortigen Arbeitsverhältnissen anpassen müsste, was wesentlich tiefere Löhne bedeuten würde, oder eben nach Schweden, genaugenommen nach Stockholm. Ein Sprecher von Eurowings kommentierte hierzu: „Eurowings bietet seit einiger Zeit kein eigenes Programm in Wien an und Eurowings Europe hat daher alternative Beschäftigungsoptionen gesucht. Seit der Corona-Pandemie werden die in Wien stationierten Crews an anderen Standorten des Eurowings-Netzes eingesetzt.“ 

Die Führung ziehe deshalb „auch eine zwangsweise Umstationierung nach Palma oder in kleinem Rahmen nach Salzburg“ in Erwägung. Natürlich sei das Ziel des Unternehmens, so viele Arbeitsplätze als möglich zu retten und Perspektiven für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen. Dies haben bislang auch alle anderen Unternehmen großspurig nach außen kommuniziert, während oder nachdem die Beschäftigten bereits entlassen waren und die staatlichen Subventionen einfach in den riesigen Mäulern des Kapitals verschwanden. Der weitere Verbleib und das Schicksal der Angestellten von Eurowings bleibt also weiterhin ungewiss, nur Eurowings selbst sieht das locker: Die weitere Perspektive der Angestellten „umfasst Angebote an anderen Standorten. Wir sind dazu mit unseren Sozialpartnern im konstruktiven Dialog.“ Wenn man sich anschaut, was die nicht präsenten Gewerkschaften gerade in diesem Fall bereits verbrochen haben, klingt dieser zweite Satz aber eher wie eine Drohung als eine Aufmunterung.

Quellen: ORF/Aerotelegraph

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