HomeKlassenkampfAmazon-Lieferanten in Österreich haben schlechte Arbeitsbedingungen

Amazon-Lieferanten in Österreich haben schlechte Arbeitsbedingungen

Wien. Eine Studie von Forscherinnen der Wirtschaftsuniversität zeigte, dass die Arbeitsbedingungen von Amazon-Zustellern auch in Österreich nicht gut sind. Der Onlineriese ist bekannt für schlechte Arbeitsbedingungen, Gewerkschaftsfeindlichkeit und liefert einen Skandal nach dem anderen, während der Gründer reicher und reicher wird.

Subunternehmen als System der Überausbeutung

In ihrer Studie „Systemrelevant, aber unsichtbar: Arbeitsbedingungen migrantischer und geflüchteter Amazon-Zusteller*innen während der COVID-19-Pandemie“ weisen die Forscherinnen nach, dass die untersuchten Beschäftigten unter besonders schlechten Bedingungen arbeiten müssen. In der vorliegenden, österreichweiten ersten Studie zu ihren Arbeitsbedingungen konnte insbesondere das System der Subunternehmen als zentral für die Ausbeutung der finanziellen und migrationsbedingten Drucksituation von Lieferantinnen und Lieferanten identifiziert werden. Sie sind nämlich bei mehreren dutzend Subunternehmerin in der Liederbranche angestellt und nicht direkt beim Onlineriesen. Anders aus beispielsweise am Bau muss hier das auslagernde Unternehmen keine Verantwortung oder gar Haftung für die Arbeitsbedingungen bei den Subunternehmen übernehme.

Im Oktober 2018 gründete Amazon das erste österreichische Verteilerzentrum, 2020 wurde ein zweites und kürzlich nahm das dritte Verteilerzentrum seinen Betrieb auf Laut eigener Angaben beschäftigt das Unternehmen den WU-Forscherinnen zufolge zurzeit rund 500 Beschäftigte in seinen Logistikfirmen. „In den letzten Monaten geriet Amazon mehrmals unter den Verdacht, Schwarzarbeit zu verschleiern, was schließlich im Februar 2020 zu einer polizeilichen Razzia im Verteilerzentrum in Niederösterreich führte. Die Polizei bestätige, dass mehrere Zusteller*innen falsch gemeldet gewesen seien, und stellte insgesamt 724 Verstöße gegen das Arbeitsgesetz fest, die meisten davon gegen das Sozialversicherungsgesetz (Pühringer, 2021).“ (S. 8).

Unbezahlte Überstunden, keine Krankenstände

Es gibt im Zusammenhang mit den Praktiken von Amazon in Österreich Medienberichte über psychische und physische Erkrankungen als Folge der
Arbeitsbelastung, die Rede ist unter anderem von Knieproblemen und stressbedingten Gewichtsverlust. In der Studie berichten die Zustellerinnen und Zusteller von130 und 150 Paketen, die täglich zugestellt werden müssen im Regelbetrieb Corona und die Weihnachtszeit erhöhen die Zahl noch einmal. 

Gleichzeitig werden laut der Interviewten die Überstunden nicht der nur verspätet gezahlt, hierzu heißt es: „Wir bekommen keine Überstunden. Wir haben ein fixes Gehalt. Aber es steht nicht in unserem Vertrag, dass wir zwar ein fixes Gehalt haben, aber keine fixen Arbeitszeiten. In der Realität ist es aber so.“

Ein andere hielt den Forscherinnen gegenüber fest: „Diese Firmen halten sich einfach nicht an die gesetzlichen Regeln. Sie nützen die Mitarbeiter aus. Es gibt kein Urlaubs- oder Weihnachtsgeld für uns. Überstunden werden nicht ausbezahlt.“ Andere Kollegen berichteten davon, dass im Falle von Krankenständen mit Kündigung gedroht würde.

Weiter wird von einer „Verschleierung der Art der Arbeit und der Arbeitsbedingungen (Arbeitsverhältnisse, die de facto von den im Vertrag vermerkten Regelungen abweichen oder nicht vom Arbeitgeber respektiert werden), regelmäßiges Drohen mit Sanktionen (bis hin zu Abschiebung bei prekärem Aufenthaltsstatus) im Fall von Beschwerden, Vorenthalten von Löhnen oder Lohnbestandteilen für geleistete Überstunden, Lohnkürzungs- und Kündigungsdrohungen, psychologischer Druck und mehr“ im Rahmen der Studie berichtet.

Quelle: Kohlenberger, Judith; Zilinskaite, Milda; Hajro, Aida; Vafiadis, Irini; Bikic, Sabina (2021): Systemrelevant, aber unsichtbar: Arbeitsbedingungen migrantischer und geflüchteter Amazon-Zusteller*innen während der COVID-19-Pandemie. Materialien zu Wirtschaft und Gesellschaft Nr. 228 Working Paper-Reihe der AK Wien.


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