Pandemie

Der erste Schock
ist überwunden, schon
wittern die Verschlagenen
nur Chancen für Profit.
Die Euros rollen immer schneller
von unten nach ganz oben,
und der Ausnahmezustand ist
die neue Normalität.

Wir werden gewöhnt
an Scheu vor Nähe,
an Mauern nicht nur bei Grenzen,
an Getrenntheit von Liebsten.
Wir werden gewöhnt
ans tägliche Sterben,
und die Toten verwandeln sich
in harmlose Zahlen.

Ihr Röcheln gegen Ende
bleibt so ungehört
wie die Trauerklage
der Hinterbliebenen,
wie das Stöhnen
der Arbeitenden,
wie der Jammer
der Arbeitslosen.

Weithin hörbar hingegen sind
die Konflikte
der Herrschenden
untereinander,
in der steten Annahme,
die Werktätigen würden
ihnen weiterhin
dienen.

Die Herrschenden spielen
ihr grausames Spiel
und mischen die Karten
ein letztes Mal.
Sie gewöhnen uns dabei auch
an den Gedanken,
dass Pandemie heißt:
Üben für den Krieg.

Katharina Wegscheider

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