Start Wei­te­re Res­sorts Kom­men­tar Sigi Mau­rer ist kei­ne Rebel­lin

Sigi Maurer ist keine Rebellin

Sigi Mau­rer droht der Kom­mu­nis­ti­schen Jugend mit Kla­ge. Damit offen­bart sie ein­mal mehr grü­nes Poli­tik­ver­ständ­nis.

Von Moša Mar­ko­vić, Redak­teur und Mit­glied der Par­tei der Arbeit

Wie die Kom­mu­nis­ti­sche Jugend Öster­reichs (KJÖ) am Mon­tag auf Face­book berich­te­te, droht Sig­rid „Sigi“ Mau­rer der Orga­ni­sa­ti­on mit einer Kla­ge. Die Klub­ob­frau der Grü­nen im Natio­nal­rat sieht ihre Urhe­ber­rech­te ver­letzt und fühlt sich falsch ver­stan­den wie zitiert. Was ist da eigent­lich pas­siert, dass die Klub­ob­frau einer Regie­rungs­par­tei sogar per­sön­lich tele­fo­nisch bei der klei­nen KJÖ vor­spricht?

Vor eini­gen Tagen hat die KJÖ auf ihrer Face­­book-Sei­­te die Poli­ti­ke­rin für einen Sager zu Pfand­lei­hen kri­ti­siert. Die müss­ten öff­nen, schließ­lich sei­en sie für „man­che Men­schen rele­vant“, um an Geld zu kom­men. Mau­rer schrieb das in einem mitt­ler­wei­le gelösch­ten Kom­men­tar zu einem Twi­t­­ter-Pos­­ting von Stan­dard-Redak­teur Mar­kus Sulz­ba­cher.

Die KJÖ hat damals wie heu­te das Zitat rich­tig wie­der­ge­ge­ben. Sie sieht in die­sem Sager die For­de­rung nach der Öff­nung von Pfand­lei­hen wäh­rend der Pan­de­mie, was ein „fata­les Ver­ständ­nis von Sozi­al­po­li­tik einer Funk­tio­nä­rin einer Regie­rungs­par­tei“ sei. Auf Face­book benutz­te die KJÖ ein Foto, das Sigi Mau­rer selbst vor Jah­ren auf Twit­ter gepos­tet hat­te. Genau für die­ses Foto droh­te sie eine Urhe­ber­rechts­kla­ge an. Die­se Dro­hung ist aber offen­sicht­lich nur ein Mit­tel, um das ver­meint­lich fal­sche Zitat zu ver­drän­gen, das ja durch meh­re­re Screen­shots und obi­gen Link belegt ist. Daher lösch­te die KJÖ zwar das Foto, wie­der­hol­te aber ihre Kri­tik.

Eh wie immer

Denn Mau­rer hat der KJÖ nicht wei­ter erklärt, wie das archi­vier­te Zitat rich­tig lau­te­te. Anschei­nend geht es nur dar­um, einer klei­nen, öffent­lich­keits­wirk­sa­men, aber finan­zi­ell schwa­chen Orga­ni­sa­ti­on das Wort zu ver­bie­ten. Schließ­lich ist eine Urhe­ber­rechts­kla­ge unter Umstän­den sehr teu­er.

Man­che mei­nen ent­ge­gen der KJÖ, die Klub­che­fin hät­te in ihrem Twi­t­­ter-Kom­­men­­tar gar nichts gefor­dert. Statt­des­sen hät­te die Abge­ord­ne­te ledig­lich die Funk­ti­on von Pfand­lei­hen dar­ge­stellt. Wie auch immer die­se Haar­spal­te­rei aus­fällt, in einem hat die KJÖ jeden­falls recht: Es offen­bart ein fata­les Ver­ständ­nis von Sozi­al­po­li­tik. Der Staat erklärt hier in Gestalt der Tiro­le­rin, dass Leu­te in der Coro­na­kri­se ihre Sachen ver­set­zen sol­len, anstatt dass er sich um ihre sozia­le Sicher­heit schert.

Die­ser dras­ti­sche Schritt, die juris­ti­sche Dro­hung, ver­wun­dert aber nicht wei­ter. Er zeigt nur das tief insti­tu­tio­na­lis­ti­sche Ver­ständ­nis von Poli­tik auf, das Grü­ne wider ihres basis­de­mo­kra­ti­schen Images hegen und pfle­gen. Als Juni­or­part­ner der ÖVP dele­gie­ren sie poli­ti­sche Debat­ten all­zu ger­ne an die Jus­tiz, um sie nicht laut füh­ren zu müs­sen. Der lin­ke Ex-Grü­­ne Franz Schandl nennt sie in einem Kom­men­tar für das Tage­buch nicht umsonst „Gläu­bi­ge der Macht“. In die­sem Glau­ben wird Sigi Mau­rer die KJÖ ange­ru­fen haben; einer güti­gen Lehn­her­rin gleich, die einen fre­chen Bau­ern zur Ord­nung ruft.

Als ÖH-Vor­­­si­t­­zen­­de ver­schlief Sigi Mau­rer die Audi­­max-Pro­­­tes­­te 2009 sehen­den Auges und enga­gier­te sich umso mehr im „Hoch­schul­dia­log“. Die­ses unver­bind­li­che Forum erstick­te die For­de­run­gen der Beset­ze­rin­nen und Beset­zer. Ihre eins­ti­ge Pose mit Wil­helm Moit­zi und Sebas­ti­an Kurz war ja auch eher ein lei­ses Foto als ein lau­ter Pro­test vorm Par­la­ment. Und ihre klei­ne Stör­ak­ti­on im Par­la­ment war auch nichts wei­ter als Show, brach­te ihr aber wegen des fol­gen­den Haus­ver­bots das Image einer Rebel­lin ein.

Dabei war und ist Sigi Mau­rer kei­ne Rebel­lin. Sie war und ist eh wie immer eine Gläu­bi­ge der Macht.

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