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Lawinen für kühles Bier

Im 19. Jahrhundert verdankten bayrische Biertrinker auch den Bergen im Salzburger Pinzgau ihr kühles Bier im Sommer. Bei Leogang wurde der von der Natur in Eis umgewandelte Lawinenschnee vom Birnhorn (2.634m) im 19. Jahrhundert abgebaut und in Massen nach München abtransportiert.

Der Lokalhistoriker Alois Schwaiger aus Leogang, eigentlich Physiker, hatte sich in seiner Pension der Lokalgeschichte gewidmet und sich auch mit den Arbeitern beschäftigt, die das Eis dort abbauten. In die Eisfelder wurden als erstes Längsrillen getrieben, anschließend wurde es gesprengt und in Blöcken ins Tal befördert. Von dort wurde es in Zügen nach München geliefert.

In München wurde das Eis von den großen Brauereien gekauft, die es nutzten, um ihre Bierkeller zu kühlen. Übereinandergestapelt in großen Blöcken ohne den Einfluss von Licht und den Zustrom warmer Luft, zerfließt Eis nur sehr langsam, sodass die Brauereien auch in warmen Sommern ihren Kunden und Gästen bis in den Herbst kühles Bier anbieten konnten.

140 Arbeiter waren damals damit beschäftigt, Eis aus dem Gletscher zu schneiden. Das Eis wurde über 1600 Meter lange Holzrutsche ins Tal transportiert, auf Pferdefuhrwerke verladen und zu einem eigens dafür eingerichteten Bahnhof in Leogang transportiert, der bis ins 20. Jahrhundert in Betrieb war. Im Winter waren die Arbeiter am Zeller See und haben dort Eis aus dem See geschnitten, das ebenfalls nach München gebracht wurde.

Ein Schlüsselfaktor für den wirtschaftlichen Erfolg dieser Unternehmung war der Bau der Eisenbahn im 19. Jahrhundert. Die Zugstrecke durch Teile der Salzburger Berge war 1875 fertiggestellt worden und brachte den entscheidenden Vorteil gegen über den Tauern oder dem Zillertal, die zwar größere Gletscher verfügten, aber über keine so gute Zuganbindung.

Mit der Umstellung auf elektrische Kühlsysteme der Brauereien in München um 1900 endete auch das Geschäft mit dem Gletschereis. Die Folge war, dass sich die Arbeiter neue Jobs suchen mussten.

In anderen Regionen wurden solche Kühlmethoden zum Teil noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts angewandt. Der ORF schreibt, dass die Literaturwissenschafterin Monika Damisch schreibt, dass in Bozen noch in den 50ern in Privathaushalten sogenannte Eiskästen in Verwendung waren. Bei den Biergroßhändlern konnten die Eisblöcke in Ledertaschen abgeholt werden, das Eis stammte aus der Ortler Gruppe.

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