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Home Feuilleton Geschichte

Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939

18. September 2021
in Geschichte
Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939

Vor 85 Jahren, am 18. September 1936, wurden – nach einem Beschluss der Kommunistischen Internationale im vorangegangenen August – internationale Freiwilligenverbände zur Verteidigung der Spanischen Republik aufgestellt. Wir bringen aus diesem Anlass einen Beitrag von Tibor Zenker über die österreichische Beteiligung an den antifaschistischen Internationalen Brigaden.

„Für Spaniens und Österreichs Freiheit!“ – Österreicher im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939

Rund 1.400 Österreicher kämpften 1936–1939 im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der republikanischen, antifaschistischen Kräfte. Gemessen an der recht geringen Einwohnerzahl – Österreich hatte 1936 eine Bevölkerung von ca. 6,7 Millionen Menschen – stellte dies in Relation einen recht hohen Anteil dar.

Zahlen und Fakten

Von diesen 1.400 Freiwilligen aus Österreich, die in den Reihen der Internationalen Brigaden kämpften, waren über 70 Prozent Kommunisten, knapp zwölf Prozent Sozialdemokraten oder Sozialisten und etwa 18 Prozent parteilos. 256 österreichische Interbrigadisten – das sind rund 18 Prozent des Kontingents – fielen in Gefechten während des Krieges. 458 landeten nach Kriegsende in deutsch-faschistischen Konzentrationslagern, wo wiederum 84 den Tod fanden. Viele ehemalige österreichische Interbrigadisten, die sich befreien oder untertauchen konnten, kämpften bis 1945 in den Reihen des österreichischen antifaschistischen Widerstandes, v.a. unter den illegalen Kommunisten, in österreichischen und jugoslawischen Partisaneneinheiten, in der Roten Armee der Sowjetunion, manche auch in westalliierten Armeen der Anti-Hitler-Koalition, wobei wiederum manche im Kampf fielen, andere in den Händen der Gestapo oder SS ermordet wurden. Schlussendlich überlebten aber über 800 österreichische Interbrigadisten das Ende des Zweiten Weltkrieges. Da die meisten davon 1936–39 noch ziemlich jung waren, erlebten auch viele das Ende der faschistischen Diktatur in Spanien in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre. Der letzte überlebende österreichische Teilnehmer am Spanischen Bürgerkrieg starb 2014: Hans Landauer war 1937 mit 16 Jahren auch der jüngste unter den österreichischen Freiwilligen gewesen.

Etwa 140 Österreicher, darunter Monarchisten, Faschisten, bezahlte Söldner und notorische Kriminelle, kämpften im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Faschisten.

Vorgeschichte und Bedingungen

Die Tatsache, dass relativ viele Österreicher dem Aufruf der Kommunistischen Internationale vom Sommer 1936 folgten und sich zu den Internationalen Brigaden meldeten, hatte historische Gründe: Die österreichische Arbeiterklasse hatte seit 1918 gelernt, dass der Kampf gegen Kapitalismus, Reaktion und Faschismus bewaffnet geführt werden musste. Im Oktober 1918 wurde in Wien unter Leitung Egon Erwin Kischs die „Rote Garde“ gegründet, eine revolutionäre Militärorganisation mit bis zu 700 Mann, die der damals ebenfalls neu gegründeten Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) nahestand. Das Ziel der sozialistischen Revolution nach Vorbild der russischen Bolschewiki konnte damals jedoch nicht erreicht werden, was vor allem dem Verrat der konterrevolutionären Sozialdemokratischen Partei (SDAP, heute: SPÖ) an der Arbeiterklasse geschuldet war: Die Sozialdemokratie lähmte die große Streik- und Rätebewegung, kalmierte die revolutionäre Situation und lenkte die österreichische Revolution in bürgerlich-demokratische Bahnen. Damit rettete sie 1918/19 die österreichische Bourgeoisie vor dem Sozialismus, was einer bürgerlichen Partei damals bestimmt nicht mehr gelungen wäre. – Zur gleichen Zeit bewies die junge kommunistische Bewegung erstmals ihren proletarischen Internationalismus der Tat: Im März 1919 zogen 1.200 österreichische kommunistische Freiwillige unter Führung Leo Rothziegels nach Ungarn, um dort die Räterepublik militärisch zu verteidigen, erlitten jedoch eine Niederlage an der Seite ihrer ungarischen Genossen.

Am 15. Juli 1927 erlebte die Arbeiterklasse am eigenen Leibe die ganze Brutalität der bürgerlichen Staatsmacht und der faschistischen Bewegung, als im Zuge der „Julirevolte“ 84 Todesopfer und hunderte Verletzte auf den Straßen Wiens zurückblieben. Es wurde offenkundig, dass der Faschisierungsprozess nicht mit der Verhandlungs- und Kapitulationspolitik der sozialdemokratischen Parteiführung zu stoppen war, sondern nur im bewaffneten Widerstand – erstrecht nach der Ausschaltung des Parlaments durch die „christlichsozialen“ Austrofaschisten im März 1933.

Am 12. Februar 1934 schließlich erhoben sich revolutionäre Teile der Basis der sozialdemokratischen paramilitärischen Vereinigung, des „Republikanischen Schutzbundes“, zum bewaffneten Kampf gegen die Durchsetzung des Austrofaschismus, an dem sich auch die Kommunisten im Rahmen ihrer Möglichkeiten beteiligten, während die sozialdemokratische Parteiführung dieses Vorgehen ablehnte. Der kurze österreichische Bürgerkrieg endete mit dem Sieg der Faschisten und der Etablierung der vollständigen faschistischen Diktatur. Trotzdem hatte die österreichische Arbeiterklasse, die weltweit als erste dem Faschismus mit der Waffe in der Hand entgegengetreten war, militärische Fähigkeiten erlangt und erkannt, dass der bedingungslose Widerstandskampf gegen den Faschismus nur in den Reihen der Kommunistischen Internationale und ihrer Sektionen zu gewinnen war. Zu tausenden verließen die Arbeiter die Sozialdemokratie und traten in die – bereits seit 1933 illegale – KPÖ ein, die aufgrund ihrer erfolgreichen Bolschewisierung ab 1925/26 kampffähig blieb.

Unter diesen Vorbedingungen waren viele proletarische Österreicher mit militärischen Erfahrungen bereit, auch die Spanische Republik und die Volksfrontregierung in internationalistischer Solidarität zu verteidigen. Viele ehemalige „Schutzbündler“ – die meisten waren ja inzwischen von der Sozialdemokratie zur KPÖ übergetreten – meldeten sich als Freiwillige zu den Internationalen Brigaden. In Österreich organisierte die durch die austrofaschistische Diktatur verbotene und verfolgte KPÖ die Rekrutierung der Spanienkämpfer im Untergrund: Sie stattete die Freiwilligen mit (falschen) Papieren, Geld, Routen und Kontakten aus. Diese Tätigkeit wurde weiter erschwert, als im März 1938 Deutschland Österreich okkupierte und annektierte, womit auch das austrofaschistische Regime dem weitaus repressiveren NS-Regime wich. Viele Österreicher kamen 1936–38 jedoch auch aus dem Exil nach Spanien, insbesondere aus der UdSSR (über 200 Mann) und aus Tschechien. So oder so führten die Wege über die Schweiz nach Frankreich bzw. über den Umweg Skandinavien in die Reihen der Internationalen Brigaden in Spanien.

Einsätze der Österreicher

Die in Spanien eintreffenden Österreicher wurden von Herbst 1936 bis Juni 1937 zunächst vor allem im mehrheitlich deutschen Bataillon (Edgar André) der XI. Brigade eingesetzt, einige kämpften auch im Thälmann-Bataillon, das zwischenzeitlich der XII. Brigade zugeteilt war. Auch im Tschapajew-Bataillon der XIII. Brigade (Dabrowski) dienten vorerst einige Österreicher. In dieser Zeit waren die österreichischen Interbrigadisten beteiligt an der Verteidigung Madrids (ab Oktober 1936), bei den Kämpfen um Las Rozas (Januar 1937), an der Schlacht am Rio Jarama (6.–27. Februar 1937) sowie an der Schlacht von Guadalajara (8.–23. März 1937).

Im Juni 1937 wurde ein eigenes österreichisches Bataillon aufgestellt, das in Anlehnung an die Februarkämpfe von 1934 den Namen „12. Februar“ tragen sollte und eine maximale Stärke von beinahe 1.200 Mann erreichte. Seine Kommandeure waren in dieser Reihenfolge Harry Hellfeld, Karl Bauer, Emil Reuter, Karl Rimbach, Adolf Reiner und Willy Benz, seine Polit-Kommissare Walter Knobloch, Leo Wurzel und Paul Steiner. Gemeinsam mit dem Edgar André‑, Thälmann- und Hans Beimler-Bataillon bildete das Bataillon „12. Februar“ die damals neu zusammengestellte XI. Brigade („Thälmann-Brigade“). Unter dem Decknamen Adolf Reiner fungierte der Österreicher Anton Dobritzhofer (1901–1977) von September 1938 bis Januar 1939 als letzter Kommandant der XI. Brigade, die sich in dieser Zeit freilich in formeller Auflösung befand. Seine wichtigsten Kampfeinsätze hatte das Bataillon „12. Februar“ im Rahmen der XI. Brigade zunächst bei der Schlacht von Brunete (6.–25. Juli 1937) und der Schlacht von Belchite (24. August bis 7. September 1937) sowie bei den Kämpfen um Teruel (erst ab 19. Januar 1938). Im März und April 1938 stellte man sich vergeblich der faschistischen Aragonoffensive entgegen, ab Juli war die XI. Brigade auch an der Ebroschlacht beteiligt – mit erheblichen Verlusten für das Bataillon „12. Februar“ –, ehe sie im September vorerst in Ruhestellung in Katalonien versetzt wurde. Am 3. Februar 1939 kam es zum letzten Gefecht des österreichischen Bataillons, als man während des Rückzugs in Richtung französische Grenze auf italienische Einheiten stieß.

Viele Freiwillige aus Österreich, darunter die meisten der insgesamt 25 Frauen, waren auch im medizinischen und Sanitätsdienst der republikanischen Kräfte aktiv. Einen recht hohen Bekanntheitsgrad erlangte der kommunistische Arzt und Journalist Fritz Jensen (eigentlich Friedrich Jerusalem), der im Rang eines Majors zunächst Chefarzt der XIII. Brigade, später der 42. spanischen Division war. 1939 konnte er über Frankreich und Großbritannien nach China fliehen, wo er in den von der Volksbefreiungsarmee bzw. der Kommunistischen Partei befreiten Gebieten bis 1948 eine medizinische Grundversorgung aufbaute. Jensen kam 1955 bei einem Bombenattentat der Kuomintang auf sein Flugzeug ums Leben, in das auch die CIA involviert war.

Bekannte Persönlichkeiten

Den formell höchsten Rang unter den Österreichern auf Seiten der Republik hatte Julius Deutsch (1884–1968) inne: Er war als General im republikanischen Verteidigungsministerium für die Küstensicherung zuständig. Real hatte er jedoch nur beratende Funktion und griff kaum wesentlich in den Kriegsverlauf ein. Tatsächlich hätte Deutsch aber über weitreichende militärische Organisationskenntnisse verfügt: 1918 bis 1920 hatte er als Staatssekretär der sozialdemokratischen Regierung die österreichische Volkswehr reorganisiert, ab 1923 – die Sozialdemokratische Partei war inzwischen in Opposition – hatte er den paramilitärischen antifaschistischen „Republikanischen Schutzbund“ aufgebaut, dem beachtliche 80.000 Mitglieder angehörten. Im Zuge der Niederlage im österreichischen Bürgerkrieg floh Deutsch in die Tschechoslowakei, 1936 ging er nach Spanien. 1939 konnte Deutsch über Frankreich in die USA gelangen. 1946 kehrte er nach Österreich zurück und übernahm die Leitung des SPÖ-Parteiverlages. Politisch trat er nicht mehr bedeutend in Erscheinung.

Der prominenteste kommunistische Politiker unter den österreichischen Spanienkämpfern war Franz Honner (1893–1964), der 1927 erstmals in das Zentralkomitee der KPÖ gewählt worden war. 1935 verbrachte er vier Monate im austrofaschistischen Konzentrationslager Wöllersdorf, aus dem er ausbrechen konnte. Er kam 1937 aus Moskau nach Spanien, wo er maßgeblich an der Gründung des österreichischen Bataillons „12. Februar“ beteiligt war. 1944 baute er mit Friedl Fürnberg und anderen das „1. Österreichische Freiheitsbataillon“ im Rahmen der jugoslawischen Partisanenarmee auf. In der antifaschistischen provisorischen österreichischen Regierung wurde Honner im April 1945 zunächst für acht Monate Innenminister. Bis 1959 fungierte er als Parlamentsabgeordneter der KPÖ und gehörte bis zu seinem Tod ihrem Zentralkomitee und Politbüro an.

Weitere bekannte Kommunisten, die als Interbrigadisten im Spanieneinsatz waren, sind unter anderen Max Bair (1917–2000) und Max Stern (1903–1980), deren Biografien kurz exemplarisch angerissen werden sollen:

Max Bair, ein katholisch erzogener Bauer aus Tirol, kam 1937 nach Spanien, wo er Mitglied der KPÖ und Sergeant im Bataillon „12. Februar“ wurde. Im Zuge eines Lazarettaufenthalts Bairs nach einer Verwundung schrieb Egon Erwin Kisch die Reportage „Die drei Kühe“ über Bair, wodurch dieser einige Bekanntheit erlangte. 1938/39 kam Bair über Frankreich in die UdSSR. Im Oktober 1944 übernahm er das Kommando über das 1. Österreichische Freiheitsbataillon in Slowenien, wurde bei einem Attentat jedoch abermals schwer verletzt. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges übernahm er die Leitung der KPÖ in Tirol, 1949 wurde vom US-Geheimdienst in Salzburg gekidnappt und fast ein Jahr in einem Geheimgefängnis interniert. Nach seiner Freilassung ging Bair 1950 in die DDR und arbeitete dort in der Staatlichen Plankommission.

Max Stern, Arbeiter aus Wien und schon in jungen Jahren verlässliches Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes und der KPÖ, kam Anfang 1937 über Tschechien und Frankreich nach Spanien. Im Rang eines Sergeants war er Mitarbeiter des Militärischen Informationsdienstes (SIM) der republikanischen Kräfte. Nach der Niederlage gelangte er nach Aufenthalt in französischen Internierungslagern schließlich über die Schweiz und Italien nach Jugoslawien, wo er maßgeblich an der Gründung des 2. Österreichischen Freiheitsbataillons beteiligt war und mit diesem im Mai 1945 nach Wien zurückkehrte. Dort war er in verschiedenen Funktionen für die Pressearbeit der KPÖ verantwortlich und gehörte 1957–1965 dem Zentralkomitee an, ehe er 1973 die Leitung des Parteiarchivs übernahm.

Nachwirkung und Bedeutung

Angesichts der Niederlage der republikanischen Kräfte im Spanischen Bürgerkrieg hatte ein Großteil der österreichischen Kämpfer die Grenze nach Frankreich überschritten, nur wenige gerieten in Gefangenschaft der spanischen Faschisten. Einigen gelang die weitere Flucht in die Sowjetunion, nach Großbritannien oder Skandinavien, manche konnten auch in Frankreich untertauchen. Rund 450 Österreicher landeten gemeinsam mit tausenden anderen Interbrigadisten direkt im französischen Internierungslager von Gurs, nördlich der Pyrenäen. Nach der Niederlage Frankreichs gegen Deutschland und Etablierung des Vichy-Regimes wurden die Österreicher als angebliche „deutsche Reichsbürger“ repatriiert und 1941 geschlossen ins KZ Dachau überstellt, wo etwa ein Fünftel ums Leben kam. Der größere Teil jedoch erlebte dort nach vier weiteren Jahren Lagerhaft das Ende des Zweiten Weltkrieges.

Für hunderte andere ehemalige österreichische Interbrigadisten, die den französischen Behörden und den spanischen und deutschen Faschisten entkommen konnten, ging der antifaschistische Kampf unmittelbar weiter: Wie sie nach der Niederlage im österreichischen Bürgerkrieg 1934 den Kampf 1936 in Spanien fortsetzten, suchten sie nach der erneuten Niederlage wiederum Anschluss an den Widerstand. Sie wurden in Deutschland, Frankreich und insbesondere natürlich im besetzten Österreich im Untergrund aktiv, reihten sich in den kommunistischen Widerstand ein. Sie kämpften in der Illegalität und als Partisanen für die Befreiung Österreichs vom Hitler-Faschismus und deutscher Fremdherrschaft. Dieser eigene Beitrag der österreichischen Kommunisten zur Befreiung ihres Landes, wenngleich global betrachtet bescheiden, war Voraussetzung dafür, dass 1945 Österreich wieder als unabhängiger und demokratischer Staat erstehen konnte, denn dies war eine Bedingung der „Moskauer Deklaration“ der Anti-Hitler-Koalition von 1943. Dass die Kommunisten die Hauptkraft des österreichischen Widerstandes bildeten, bleibt ein unauslöschliches historisches Verdienst, wie auch der Einsatz der österreichischen Interbrigadisten in Spanien. Vom Moskauer Exil aus, in dem sich KPÖ-Vorsitzender Johann Koplenig befand, bereitete die KPÖ ab Sommer 1944 auch die Aufstellung von fünf Österreichischen Freiheitsbataillonen vor, von denen drei im Rahmen der Volksbefreiungsarmee und Partisanenverbände Jugoslawiens (NOV i POJ) v.a. in Slowenien und Kärnten tätig wurden und denen einige ehemalige Interbrigadisten angehörten. Die massive, opferreiche Hauptlast bei der Befreiung Österreichs 1945 trugen jedoch zweifellos die Rote Armee und die Völker der Sowjetunion, in geringerem Maße die Streitkräfte der USA und Großbritanniens.

Der Einsatz der österreichischen Arbeiterklasse beim Aufstandsversuch im Februar 1934, im Widerstand gegen den Austrofaschismus 1934–1938, gegen den deutschen Hitler-Faschismus 1938–1945 sowie im Spanischen Bürgerkrieg 1936–1939 hatte sie auch viele Opfer gekostet. Etwa 2.700 Österreicher – die meisten davon Kommunisten – wurden als Widerstandkämpfer vom Hitler-Regime verhaftet, verurteilt und hingerichtet, 32.000 starben in Konzentrationslagern und Gestapo-Gefängnissen, rund 15.000 fielen in Kampfhandlungen. Damit kam beinahe die Hälfte der 100.000 Österreicher, die im politischen und militärischen antifaschistischen Widerstand 1933/34–1945 aktiv wurden, ums Leben. Trotzdem wurde die KPÖ widersprüchlicher Weise unter diesen schwierigen Bedingungen der Illegalität und der Verfolgung zu einer Partei mit Masseneinfluss. Hatte sie 1933 lediglich 5.000 Mitglieder, so stieg diese Zahl nach dem 12. Februar 1934 schlagartig auf 20.000 und unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg auf bis zu 150.000. Das Ziel der KPÖ, 1945 eine volksdemokratisch-sozialistische Umwälzung herbeizuführen, scheiterte jedoch am Antikommunismus der Sozialdemokratie: Anstatt die Einheits- und Volksfontpolitik nutzbar zu machen, verständigte sie sich stattdessen mit den ehemaligen „christlichsozialen“ Austrofaschisten, die sich damals in der „Volkspartei“ (ÖVP) neu aufstellten, auf einen kapitalistischen, antisozialistischen und antisowjetischen Weg und verriet abermals die österreichische Arbeiterklasse und deren antifaschistische Kämpfer.

Dokumentation und Erinnerung

Die „offizielle“ österreichische Geschichtsschreibung, ob bürgerlich oder sozialdemokratisch, hatte zunächst wenig Interesse an einer historischen Aufarbeitung der österreichischen Beteiligung am Spanischen Bürgerkrieg, wie sie generell den antifaschistischen Widerstand der Kommunisten lieber totschweigen wollte. Wenn überhaupt, so beschäftigte man sich vornehmlich mit angeblichen „stalinistischen Verbrechen“ und „sowjetischer Einmischung“ in Spanien, die man der Komintern, der KPdSU und überhaupt der kommunistischen Weltbewegung anlasten wollte.

Die ersten Arbeiten zum Thema der österreichischen Interbrigadisten im Spanischen Bürgerkrieg erschienen daher im Umfeld der KPÖ: Max Stern, Josef Gradl (1914–1989) und Bruno Furch (1913–2000), alle drei selbst ehemalige Interbrigadisten, legten entsprechende Publikationen vor. Gradl erstellte zudem eine erste Namensliste, die alle Freiwilligen aus Österreich erfassen sollte. Diese kam 1981 zunächst auf eine Zahl von über 1.800 Personen, nach der Streichung von Doppelnennungen, Decknamen, falschen nationalen Zuordnungen und sonstigen Unklarheiten blieben 1.575 Namen übrig. Auf Basis dieser Vorarbeiten und aufgrund umfassender eigener Recherchen ab 1984 im Rahmen des „Dokumentationsarchivs des österreichischen Widerstandes“ (DÖW) in österreichischen, spanischen, deutschen und russischen Archiven legte Hans Landauer (1921–2014), ebenfalls ehemaliger Interbrigadist, schließlich biografische Notizen von exakt 1.386 Personen vor, die mit Sicherheit in Spanien gekämpft hatten. Dieses Lexikon der österreichischen Interbrigadisten – 2003 erstmals gedruckt erschienen – wurde seither weiter bearbeitet und aktualisiert und liegt mittlerweile auch online auf den Internetseiten des DÖW vor: Das Online-Archiv umfasst inzwischen an die 1.400 Namen von Josef Adler (1900–1942, KZ Auschwitz) bis Josef Zwonarich (1914–1942, KZ Groß-Rosen). 2008 publizierten zudem Lisl Rizy und Willi Weinert einen dokumentarischen Band über österreichische Kommunisten im Spanischen Bürgerkrieg, der eindrucksvolle Einsichten bietet. 2015 veröffentlichte Jakob Matscheko ein Buch über jene Österreicher, die im Spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Faschisten kämpften.

Seit März 1988 erinnert am Wiener Zentralfriedhof ein steinernes Denkmal an die österreichischen Interbrigadisten im Spanischen Bürgerkrieg. Im Geiste des Internationalismus und Antifaschismus steht darauf geschrieben: „Für Spaniens und Österreichs Freiheit 1936–1939“.

Quelle: Tibor Zenker: Por la libertad de España y Austria! Los Austriacos durante la Guerra Civil Española 1936–1939. In: Varios Autores: Bajo una sola bandera – Las Brigadas Internacionales y el internacionalismo proletario. Ediciones Tinta Roja, Madrid 2020, ISBN 978–84-122751–0‑0; deutsche Version und Kürzungen in Verantwortung der Partei der Arbeit Österreichs (PdA).

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Bildquelle: DÖW via KZ-Verband/VdA
Schlagworte: AntifaschismusBataillon 12. FebruarFrancoInternationale BrigadenKommunistische InternationaleÖsterreichPutschRepublikSpanischer BürgerkriegThälmann-BrigadeVolksfront

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