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W. I. Lenin: Der 1. Mai

Gastautor: Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924), russischer Revolutionär und marxistischer Theoretiker, Begründer der bolschewistischen Partei, der Kommunistischen Internationale und der Sowjetunion, 1917–1924 Vorsitzender des Rats der Volkskommissare der RSFSR bzw. der UdSSR; der vorliegende, von uns gekürzte Text wurde zuerst im April 1904 als Flugblatt veröffentlicht.

Genossen, Arbeiter! Es naht der Tag des 1. Mai, an dem die Arbeiter aller Länder ihr Erwachen zum bewussten Leben, ihre Vereinigung im Kampf gegen jede Bedrückung und jede Knechtung des Menschen durch den Menschen, im Kampf für die Befreiung der Millionen Werktätiger von Hunger, Elend und Erniedrigung feiern. Zwei Welten stehen in diesem gewaltigen Kampf einander gegenüber: die Welt des Kapitals und die Welt der Arbeit, die Welt der Ausbeutung und Versklavung und die Welt der Brüderlichkeit und der Freiheit.

Auf der einen Seite – ein Häuflein reicher Räuber. Sie haben Millionen Dessjatinen des Grund und Bodens an sich gerissen, haben Fabriken und Betriebe, Werkzeuge und Maschinen in ihr Privateigentum verwandelt. Sie haben die Regierung und das Heer gezwungen, ihre Diener, die treuen Wächter des von ihnen angehäuften Reichtums zu sein.

Auf der anderen Seite – Millionen Enterbter. Sie müssen sich bei den Reichen die Erlaubnis erbitten, für sie arbeiten zu dürfen. Sie schaffen durch ihre Arbeit alle Reichtümer, selber aber plagen sie sich ihr ganzes Leben lang für ein Stückchen Brot ab; sie betteln um Arbeit, wie um ein Almosen, schädigen ihre Kraft und ihre Gesundheit durch unerträgliche Arbeit, hungern in armseligen Dorfhütten, in den Kellern und in den Dachstuben der großen Städte.

Und nun haben diese Enterbten und Werktätigen den Reichen und Ausbeutern den Krieg erklärt. Die Arbeiter aller Länder kämpfen für die Befreiung der Arbeit von der Lohnsklaverei, von Elend und Not. Sie kämpfen für einen Aufbau der Gesellschaft, bei dem die durch gemeinsame Arbeit erzeugten Reichtümer allen Werktätigen und nicht einem Häuflein Reicher zugute kämen. Sie wollen die Verwandlung des Grund und Bodens, der Fabriken, der Betriebe, der Maschinen in das Gemeingut aller Werktätigen erkämpfen. Sie wollen, dass es keine Reichen und keine Armen gebe, dass die Früchte der Arbeit denen zufallen, die arbeiten, dass alle Errungenschaften des menschlichen Geistes, alle Verbesserungen in der Arbeit das Leben des Arbeitenden erleichtern und nicht als Werkzeug zur Unterdrückung der Arbeiter dienen.

Der gewaltige Kampf der Arbeit gegen das Kapital hat den Arbeitern aller Länder gewaltige Opfer gekostet. Viel Blut haben sie bei der Verteidigung ihres Rechts auf ein besseres Leben und auf die wirkliche Freiheit vergossen. Nicht zu zählen sind die Verfolgungen, denen die Regierungen die Kämpfer für die Sache der Arbeiter aussetzen. Aber das Bündnis der Arbeiter der ganzen Welt wächst und erstarkt – allen Verfolgungen zum Trotz. Die Arbeiter schließen sich immer fester in sozialistischen Parteien zusammen. Die Zahl der Anhänger der sozialistischen Parteien steigt auf Millionen, und Schritt um Schritt schreiten sie unbeirrt vorwärts, dem vollständigen Sieg über die Klasse der Kapitalisten und Ausbeuter entgegen. (…)

Genossen, Arbeiter! Lasst uns darum mit verzehnfachter Tatkraft den nahenden entschiedenen Kampf vorbereiten! Mögen sich die Reihen der sozialdemokratischen Proletarier fester zusammenschließen! Möge ihre Propaganda immer breitere Schichten erfassen! Möge die Agitation für die Forderungen der Arbeiter immer kühner erschallen! Möge der Feiertag des 1. Mai uns Tausende neuer Kämpfer zuführen und unsere Kräfte für den gewaltigen Kampf um die Freiheit des ganzen Volkes, um die Befreiung aller Werktätigen vom Joch des Kapitals verdoppeln!

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