HomeInternationalesKuba: Kirche wettert gegen Entwurf des neuen Familiengesetzes

Kuba: Kirche wettert gegen Entwurf des neuen Familiengesetzes

Ein neues Familiengesetz soll die Rechte von Kindern sowie von Opfern sexualisierter Gewalt stärken, es soll die gleichgeschlechtliche Ehe legalisieren und für homosexuelle Paare die Adoption ermöglichen. Die Regierung Kubas will damit „bestehende soziale Realitäten schützen“. Kirchliche Vertreter sprechen hingegen von einem „Ergebnis der Sünde“. 

Havanna. Die kubanische Regierung hat einen Entwurf für ein neues Familiengesetz veröffentlicht und bittet nun die Bevölkerung um eine Stellungnahme. Neben vielen weiteren weitreichenden Änderungen soll die Ehe künftig nicht nur verschieden geschlechtlichen Paaren offen stehen, sondern allen Paaren unabhängig von deren Geschlechtszuschreibung ermöglicht werden. Das neue Gesetz würde auch die Adoption durch Homosexuelle ermöglichen und den Weg für Leihmutterschaften ebnen.

Vertreter der Kirche lassen nicht lange darauf warten, um ihre Ablehnung zur neuen Gesetzesinitiative kundzutun. So erklärte Julio César Sánchez, Generalsekretär der Assemblies of God, dass solche Vereinigungen „das Ergebnis der Sünde [seien]. (…) Das Argument, dass sie legalisiert werden sollten, weil sie existieren, ist nicht stichhaltig“. Und fügte hinzu: „weil es auch Mord gibt. (…) Das bedeutet nicht, dass es gut ist.“ Auch darüber hinaus kritisierten kirchliche Akteure, vor allem auch evangelikale Gruppen, die geplanten Änderung des Gesetzes.

Das nun von der sozialistischen Regierung Kubas vorgeschlagene und von 30 Expertinnen und Experten ausgearbeitete Gesetz umfasst mehr als 480 Artikel. Es soll noch im Dezember den Gesetzgebern vorgelegt und möglicherweise nächstes Jahr einem Volksreferendum unterzogen werden. Die bereits erwähnte Zulassung homosexueller Ehen und die Ermöglichung von Adoption durch gleichgeschlechtliche Paare sind dabei nur ein Teil von vielen geplanten Änderungen. So sollen auch die Rechte der Großeltern formell ausgeweitet werden, Eheverträge zugelassen und im Falle einer Scheidung finanzielle Folgen für diejenigen haben, die geschlechtsspezifische Gewalt ausgeübt haben. Darüber hinaus könnten Eltern künftig entscheiden, ob der väterliche oder mütterliche Nachname Vorrang hat und die Kinder würden mit dem Heranwachsen schrittweise mehr Rechte erhalten.

Der kubanische Justizminister Oscar Silveira Martínez erklärte, dass das neue Gesetz „keine sozialen Realitäten konstruiert; es versucht, rechtliche Lösungen vorzusehen und die bestehenden sozialen Realitäten zu schützen“. Yamila González Ferrer, Vizepräsidentin der Nationalen Juristenvereinigung Kubas, betonte, dass das nun vorgeschlagene umfassende Familiengesetzbuch viel weiter gefasst sei als eine Zulassung der gleichgeschlechtlichen Ehe und erklärt hierzu: „Es schützt alle Ausdrucksformen der familiären Vielfalt und das Recht jeder Person, eine Familie im Einklang mit den Verfassungsprinzipien der Pluralität, der Integration und der Menschenwürde zu gründen.“

Quelle: Amerika21

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