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SPÖ und ÖVP am Futtertrog von Novomatic

Eine mutmaßliche Spendenliste des Glücksspielkonzerns offenbart hohe finanzielle Zuwendungen an Vereine mit engen politischen Verbindungen. Das Umfeld von SPÖ und ÖVP dürfte sich über Jahre hinweg über zigtausende Euro gefreut haben.

Heinz-Christian Straches vielfach zitierter Ibiza-Sager „Novomatic zahlt alle“ scheint sich immer mehr zu bewahrheiten. Insbesondere das Umfeld von SPÖ und ÖVP soll vom Glücksspielkonzern gut bedient worden sein, wie nun durch eine Spendenliste hervorgeht, die von ZIB2, „Profil“ und „Der Standard“ in Teilen veröffentlicht worden ist. Aber auch der mittlerweile verstorbene Kapitalist Niki Lauda und der Fußballverein Austria Wien sollen große Summen erhalten haben.

So soll Novomatic Sponsorings an Vereine verteilt haben, die teilweise über enge Verbindungen mit der Politik verfügen. So in etwa der ASV Draßburg, ein Fußballverein aus dem Burgenland, der von Novomatic zwischen 5.000 und 30.000 Euro jährlich erhalten haben soll. Präsident des Vereins war der ehemalige SPÖ-Klubobmann und Landesrat Christian Illedits. Auch ein weiterer Fußball-Verein mit besten Connections zur SPÖ, der FC Purkersdorf mit dem ehemaligen Bürgermeister und Innenminister Karl Schlögl (SPÖ), erhielt beträchtliche Summen. Ebenso der Verein „Puls – zur Bekämpfung des plötzlichen Herztodes“, initiiert durch den langjährigen Wiener Landtagspräsidenten Harry Kopietz, soll auf der Spendenliste Novomatics stehen. Sponsoring soll es zudem für „diverse Veranstaltungen im Nahbereich des roten Wien“ gegeben haben, heißt es in Medienberichten.

Den größten Fokus dürfte Novomatic aber mit ihren Zuwendungen auf Niederösterreich und damit vor allem auf das Umfeld der ÖVP gelegt haben. Bereits bekannt waren hier mutmaßliche Spenden für das Alois-Mock-Institut des ÖVP-Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka (ÖVP). Aber auch der Golfclub Föhrenwald dürfte sich über das großzügige Sponsoring des Glückspielkonzern Novomatic gefreut haben. Präsident ist der Wiener Neustädter Bürgermeister und Klubchef der ÖVP Niederösterreich Klaus Schneeberger. Beschenkt wurden auch ein Kunst- und ein Filmfestival in Wiener Neustadt, das ÖVP-nahe Raab-Institut, der ÖVP-Wirtschaftsbund Niederösterreich und der sozialdemokratische Wirtschaftsverband in dem Bundesland. Gelder sollen aber auch an den SPÖ-nahen Echo-Verlag geflossen sein, beispielsweise für die Ausrichtung des Wiener Maifests. Nicht weniger als 45.000 Euro sollen es hierfür zwischen 2016 und 2018 gewesen sein. Aber auch diverse Projekte des Echo-Verlags, wie „Christmas in Vienna“, „Eine Stadt, ein Buch“ und der „Österreichische Vorlesetag“, erhielten ca. 50.000 Euro.

Laut Informationen von „profil“ soll die Spendenliste von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in einem E‑Mail-Postfach eines Novomatic-Mitarbeiters gefunden worden sein. Sie liege auch dem laufenden parlamentarischen U‑Ausschuss vor. Novomatic droht indes mit einer Anzeige gegen unbekannt wegen „rechtswidriger Informationsweitergabe“ gegen Journalistinnen und Journalisten. Die Liste, die auf Basis einer “Sponsoring- und Spenden-Übersicht der Novomatic AG (NAG) und der Novomatic Gaming Industries GmbH (NGI) für die Jahre 2016 bis 2018“ recherchiert wurde, würde laut Angaben des Unternehmens Informationen beinhalten, „die wohl nur unter Verletzung rechtlicher Bestimmungen erlangt werden konnten“. Von einer direkten Einflussnahme auf Politikerinnen und Politikern im Zusammenhang mit den Sponsoringaktivitäten will Novomatic – wenig verwunderlich – nichts wissen und weist solche Vorwürfe zurück.

Quelle: ORF

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