Mauthausen. Eine Serie schockierender Überfälle auf homosexuelle Männer erschütterte zuletzt die Öffentlichkeit, nun dürfte es im oberösterreichischen Mühlviertel zu ähnlichen Vorfällen gekommen sein. Zwei Männer aus dem Bezirk Perg, 20 und 22 Jahre alt, sollen gezielt Personen über eine Dating-App in eine Falle gelockt haben, um sie anschließend auszurauben. Ein Opfer musste Geld abheben und sein Mobiltelefon abgeben. Die mutmaßlichen Täter standen den Opfern jeweils mit einer Luftdruck- bzw. CO2-Pistole und einem Schlagstock gegenüber. Aktuell befinden sich beide Verdächtigen in Untersuchungshaft in Linz.
Übereinstimmenden Aussagen zufolge suchten die zwei Tatverdächtigen ihre Opfer über eine App, die vor allem von homo- und bisexuellen Nutzern verwendet wird. Unter dem Vorwand eines nächtlichen Treffens in Mauthausen oder Langenstein (Bezirk Perg) bewegten sie ihre ahnungslosen Opfer dazu, an abgelegene Orte zu kommen. Dort warteten die Beschuldigten – vermummt mit Sturmhauben – bereits mit Gasdruckpistole, Schlagstock und Klappmesser. Zumindest in einem Fall gelang es ihnen, einen 25-Jährigen zu zwingen, Bargeld am Bankomaten abzuheben und das Smartphone herauszugeben.
Noch in derselben Nacht versuchten sie zwei weitere Männern im Alter von 25 und 26 Jahren zu überfallen. Diesmal zerstachen sie die Autoreifen ihrer Opfer, gingen aber leer aus. Da sich einer der Geschädigten das Kennzeichen des Autos einprägen konnte, leitete das die polizeiliche Fahndung ein. Nur kurze Zeit später spürte die Polizei das betreffende Fahrzeug auf – darin fanden sich eine Sturmhaube, eine Gasdruckpistole und ein Klappmesser. Die beiden Verdächtigen wurden festgenommen.
Nach Angaben der Polizei und übereinstimmender Medienberichte soll es Hinweise geben, dass die zwei Beschuldigten sich an Meldungen über sogenannte „Hate Crimes“ gegenüber Homosexuellen orientiert haben könnten. Die Staatsanwaltschaft Linz spricht davon, dass man sich durch solche Fälle „animiert gefühlt“ habe, Ähnliches umzusetzen. Als angebliches Motiv brachten die Verdächtigen auch diesmal vor, sie hätten ein „Problem mit Pädophilen“ – wie in den bisherigen Fällen waren die Opfer der Gewalt jedoch nachweislich keine Pädophilen. Nach Angaben der Ermittlungsbehörden handelt es sich mutmaßlich um ein Ablenkungsmanöver, das eigentliche Ziel sei Raub gewesen. Während sie einige Taten teilweise zugeben, behaupten sie im Fall des mutmaßlichen Raubüberfalls, das Geld sei freiwillig überreicht worden – was das Opfer deutlich bestreitet. Ob die Vorgänge wirklich unpolitisch sind oder ob hier seitens der Behörden versucht wird, diese Taten als weniger politisch zu klassifizieren, lässt sich nach heutigem Stand nicht abschließend beantworten.
Den Männern werden derzeit jedenfalls schwerer Raub und diverse Sachbeschädigungen zur Last gelegt. Die Polizei wertet weitere Spuren aus, darunter auch Chatverläufe aus der Dating-App. Dass die Täter gezielt mit Waffen und Vermummung auftauchten, legt eine sorgfältige Vorbereitung nahe. Wie das Landeskriminalamt weiter mitteilt, ist eine Ausweitung der Anklagepunkte nicht ausgeschlossen, falls sich Verdachtsmomente auf Hassverbrechen erhärten sollten.
Polizeistellen und Beratungsorganisationen raten allen Nutzerinnen und Nutzern von Online-Dating-Angeboten, bei Treffen vorsichtig zu sein, Ort und Zeit sorgsam zu wählen und möglichst Vertrauenspersonen über das geplante Treffen zu informieren. Bei Verdachtsmomenten – etwa wenn Druck ausgeübt oder ein ungewöhnlicher Treffpunkt vorgeschlagen wird – lohnt es sich, das Gespräch abzubrechen oder eine Begleitperson mitzunehmen.
Quelle: ORF