HomeFeuilletonGeschichteMassaker der israelischen Operationen Yoav und Hiram teilweise enthüllt

Massaker der israelischen Operationen Yoav und Hiram teilweise enthüllt

Aus den israelischen Staatsarchiven sind bisher unveröffentlichte Dokumente über die grausame Vertreibung von Palästinenserinnen und Palästinensern aus der Zeit der Nakba aufgetaucht.

Tel Aviv. Die israelische Tageszeitung Haaretz veröffentlichte vergangene Woche in Zusammenarbeit mit dem Akevot-Institut für israelisch-palästinensische Konfliktforschung erstmals einige Dokumente der israelischen Regierung über die von israelischen Soldaten im Jahr 1948 verübten Massaker an der palästinensischen Bevölkerung. Die Massaker fanden in einer Zeit statt, die man heute unter dem Begriff Nakba (Katastrophe) zusammenfasst, in deren Zuge sich Israel 77 Prozent des vormals palästinensischen Gebietes einverleibte und drei Viertel der palästinensischen Bevölkerung grausam vertrieben wurde – zwischen 1947 und 1949 waren 700.000–750.000 Menschen von einem Tag auf den anderen obdach- und heimatlos. Für viele Opfer stellte sich das Problem nach der Suche einer neuen Heimat nicht mehr – sie wurden in einem extrem ungleichen Kampf erschossen, in die Luft gesprengt oder erschlagen.

Systematische Vertreibung innerhalb von 30 Stunden

Unter dem Titel Verschlussdokumente enthüllen die Massaker an Palästinensern im Jahr 1948 – und was die israelischen Führer wussten stellt der Bericht zwei großangelegte Operationen der israelischen Armee im Oktober 1948 vor. Eine militärische Operation erfolgte im Süden, bekannt unter dem Namen Operation Yoav. Sie bereitete den Weg für das Vordringen in die Wüste Negev. Die zweite Operation erfolgte im Norden, genannt Operation Hiram. Innerhalb von knapp 30 Stunden griffen schwerbewaffnete israelische Soldaten Dutzende palästinensische Dörfer an und vertrieben zehntausende palästinensische Einwohnerinnen und Einwohner.

Knapp 120.000 Palästinenserinnen und Palästinenser, darunter ältere Menschen, Frauen und Kinder, lebten vorher in dem Gebiet. Nach dem organisierten Massaker blieben jedoch nur noch 30.000 Menschen übrig.

Die Zeitung Haaretz schreibt, dass sich die Mehrheit der palästinensischen Bevölkerung gar nicht an den Kämpfen beteiligt hat: „In weniger als drei Tagen hatte die IDF [Israelische Verteidigungsstreitkräfte] Galiläa erobert und ihre Reichweite auf die Dörfer im Südlibanon ausgedehnt. Die überwältigende Mehrheit von ihnen hat sich nicht an den Kämpfen beteiligt.“

Der Fall Al-Burj

Die Berichte brachten auch Fakten über bisher unbekannte Massaker ans Licht. Diese fanden in den Dörfern Al-Reineh, nördlich von Nazareth, Meron und Al-Burj statt. Vor der Operation Hiram wurde das Dorf Al-Burj, das heute als Modi’in Illit bekannt ist und zu einer ultra-orthodoxe Siedlung im besetzten Westjordanland geworden ist, im Juli 1948 überfallen und geplündert. Einem im Yad-Yaari-Archiv gefundenen Dokument zufolge blieben allein vier ältere Personen im Dorf zurück: „Hajj Ibrahim, der in der Militärküche geholfen hat, eine kranke ältere Frau und ein weiterer älterer Mann und eine ältere Frau“. Haji Ibrahim überlebte durch Glück auch die nachfolgende Terroraktion der israelischen Soldaten. Acht Tage nach der Razzia der Besatzungstruppen wurde Ibrahim von einem israelischen Soldaten zum Gemüsesammeln geschickt, um ihn von den geplanten Gräueltaten fernzuhalten:

„Die anderen drei wurden in ein isoliertes Haus gebracht. Anschließend wurde eine Panzerabwehrgranate verschossen. Da die Granate ihr Ziel verfehlte, wurden sechs Handgranaten in das Haus geworfen. Sie töteten einen älteren Mann und eine Frau, und die andere ältere Frau wurde erschossen“, heißt es im veröffentlichten Dokument. Doch Ibrahims Glück währte nicht lange:

„Später zündeten sie das Haus an und verbrannten die drei Leichen. Als Hajj Ibrahim mit seinem Wächter zurückkehrte, wurde ihm mitgeteilt, dass die anderen drei ins Krankenhaus nach Ramallah gebracht worden wären. Offensichtlich glaubte er die Geschichte nicht und einige Stunden später wurde auch er mit vier Kugeln umgebracht“, heißt es in dem Dokument weiter.

Die freigegebenen Dokumente enthalten auch Einzelheiten über das Massaker von Hula im Libanon und das entvölkerte palästinensische Dorf Deir Yassin. Obwohl der Bericht sehr ausführlich ist, weist die Zeitung darauf hin, dass viele weitere Details unbekannt bleiben. Viele Zeuginnen und Zeugen der israelischen Massaker an der palästinensischen Zivilbevölkerung bleiben weiterhin für immer ungehört.

Quelle: Palestine Chronicle

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