Erlösung für Lionel Messi: Argentinien gewinnt Copa América

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Im Endspiel um die Südamerikameisterschaft der Fußballnationalteams bezwingen Messis Argentinier Neymars Brasilianer und feiern den ersten großen Triumph seit langem.

Rio de Janeiro. Es geht ja doch: Im Finale der südamerikanischen Fußballmeisterschaft Copa América holt Lionel Messi endlich seinen ersten großen internationalen Titel mit der argentinischen Nationalmannschaft. Am gestrigen Samstag (Ortszeit) besiegte La Albiceleste im Endspiel Gastgeber und Titelverteidiger Brasilien mit 1:0. PSG-Stürmer Ángel Di María erzielte das entscheidende Tor in der 22. Minute, als er nach einem langen Pass und haarscharf nicht im Abseits startend den herauseilenden brasilianischen Torhüter Ederson kunstfertig überheben konnte. Davor und danach war eigentlich die Seleção tendenziell zwar nicht unbedingt die bessere, aber zumindest die spielbestimmende Mannschaft – und freilich auch der leichte Favorit gewesen. Aber die Brasilianer konnten ihre optische und auch statistisch belegbare Überlegenheit nicht in Tore umsetzen: Einmal landete der Ball im argentinischen Gehäuse, doch der vermeintliche Torschütze Richarlison war im Abseits gestanden und der Treffer zählte nicht (52.); einige Male konnte sich auch Torwart Emiliano Martínez bei brasilianischen Schüssen auszeichnen.

Wenig Glanzlichter in aufgeheizter Stimmung

Die Begegnung der beiden besten südamerikanischen Nationalteams markierte freilich eine Art „Traumfinale“ der Copa América 2021: Auf dieses finale Duell hatte alles hingewiesen und jeder hingefiebert. Tatsächlich meisterten die beiden Kontrahenten die Gruppenphase recht souverän, danach wurde es ein wenig knapper. Brasilien mühte sich zumindest ergebnistechnisch mit zwei 1:0‑Siegen über Chile und das Überraschungsteam Peru über das Viertel- und Semifinale, Argentinien überwand den Halbfinalgegner Kolumbien überhaupt erst im Elfmeterschießen (die Kolumbianer sicherten sich im „kleinen Finale“ mit einem 3:2 gegen Peru übrigens Platz 3). Schlussendlich konnte das Endspiel die hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen: Teilweise ein zerfahrenes Match, viele kleine und ein paar größere Fouls, gleich neun gelbe Karten, ausgiebig Trashtalk, einige Rangeleien – und Brasiliens Superstar Neymar verbrachte traditioneller Weise wieder viel Zeit auf dem Rasen liegend bzw. sich dort krümmend, auch wenn manchmal kein Foul vorangegangen war. Auf der argentinischen Seite war Messi nicht ganz fit angetreten, was sich dem spielerischen Glanz der Partie auch nicht als zuträglich erwies. Zudem fanden sich Pandemie-bedingt im legendären und riesigen Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro nur knapp 5.000 Fans ein, was zwar trotzdem eine laute, aber letztlich traurige Kulisse darstellte. Ob die Durchführung des Turniers unter Corona-Bedingungen überhaupt eine gute Idee ist, war und bleibt umstritten.

Erster großer Titel für Messi mit Argentinien

Aber egal: Am Ende stand der 15. Copa América-Triumph der Albiceleste, wodurch sie mit Rekordsieger Uruguay gleichzog. Damit ging eine argentinische Durstrecke von 28 Jahren zu Ende, denn seit 1993 hatte man die südamerikanische Kontinentalmeisterschaft nicht mehr gewonnen. Und auch Lionel Messis persönliche Leidenszeit ist vorbei: Mit dem FC Barcelona ist er zehnfacher spanischer Meister und vierfacher Sieger der UEFA Champions League, mehrfacher Weltfußballer, aber für einen großen Titel mit dem Nationalteam hatte es bislang in der Karriere des mittlerweile 34-jährigen, mutmaßlich besten Fußballspielers der Gegenwart (Sorry, CR7!) nicht gereicht – 2014 verlor Argentinien des WM-Finale, zuletzt mehrmals das Endspiel um die Copa América, und der Olympiasieg von 2008 zählt im Weltfußball freilich wenig. Insofern kann Messi, der gemeinsam mit Neymar zum besten Spieler des heurigen Turniers gewählt wurde, befreit in den Urlaub gehen. In diesem wird er sich jedoch auch Gedanken über seine Zukunft machen müssen: Der Vertrag in Barcelona ist vor wenigen Tagen ausgelaufen, Messi kann ablösefrei wechseln – oder bei den Katalanen einen Folgevertrag aushandeln. Es bleibt also spannend, auch abseits des Spielfeldes.

Quelle: ORF