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FC Blau-Weiß Linz ehrt Widerstandskämpfer und Kommunisten Sepp Teufl

Der Stahlstadtklub erinnert an die Wurzeln des Vereins und gedenkt der Opfer des NS-Faschismus. Dabei hebt der FC Blau-Weiß Linz die Gruppe von Widerstandskämpfern rund um den Tabakarbeiter Josef („Sepp“) Teufl hervor und verweist auf eine Gedenktafel des KZ-Verbandes/VdA Oberösterreich.

Linz. Der Linzer Fußballklub FC Blau-Weiß Linz erinnerte am heutigen 27. Jänner, wie viele andere auch, an die unzähligen Opfer des Naziterrors. Auf der Homepage des Vereins heißt es hierzu: „Heute vor 77 Jahren wurde das KZ Auschwitz-Birkenau befreit. Die UNESCO und der World Jewish Congress machen seit 2017 unter dem Hashtag #WeRemember auf den Welttag des Holocausts aufmerksam. Auch Fußballklubs in aller Welt schließen sich diesem Gedenken an. Der FC Blau-Weiß Linz tut dies aus voller Überzeugung.“

Der Stahlstadtklub unterstreicht in seiner Aktion nicht nur die Wichtigkeit eines solchen antifaschistischen Bekenntnisses, sondern erklärt, dass die Wurzeln des Vereins, zurückgehend auf Eisen und Stahl beziehungsweise dem SV Tabakfabrik auch mit der Geschichte des deutschen Faschismus verbunden seien und dies sowohl auf Täter- als auch auf Opferseite der Fall gewesen sei. Und dabei hebt der FC Blau-Weiß Linz – und das ist auch das besondere an dieser Aktion – die Gruppe von Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern rund um den Tabakarbeiter Josef („Sepp“) Teufl hervor.

Sepp Teufl zählte zu den bekanntesten Kommunisten, die in der letzten Vergasungsaktion der Nazis im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen das Leben genommen wurde. Er war Mitglied des ZKs der Kommunistischen Partei und engagierte sich in der Linzer Tabakfabrik gewerkschaftlich. Teufl war Betriebsrat und bis zum Verbot der Gewerkschaften auch Vertrauensmann der Tabakarbeitergewerkschaft. Der Tabakarbeiter Sepp Teufl beteiligte sich aktiv an den Februarkämpfen und musste deswegen schon im Austrofaschismus wegen „kommunistischer Umtriebe“ und „staatsfeindlicher Handlungen“ eine sechsmonatige Haftstrafe absitzen. Während seiner Haft wurde er vom 12. Parteitag der KPÖ in Prag im September 1934 zum Mitglied des Zentralkomitees gewählt.

Am 9. September 1944 wurde Sepp Teufl von der Gestapo bei seinem Haus im Linzer Industriegebiet verhaftet. Erst im Dezember 1944 erfuhr seine Familie nach langer Ungewissheit, dass er sich im KZ Mauthausen befand. Noch am 30. März 1945 schrieb er seiner Familie in der Hoffnung, das Konzentrationslager überleben zu können: „Wenn die Ereignisse so forteilen wie gerade jetzt, so hoffe ich auf ein recht, recht baldiges Wiedersehen. Wir alle befinden uns hier in Höchstspannung und jeder malt schon die nahe Zukunft in den rosigsten Farben. Meine Rechnung geht jetzt bis 1. Mai“. Dies war der letzte Brief von ihm sein, der aus dem KZ Mauthausen geschmuggelt wurde. Am 29. April 1945 wurde Sepp Teufl in der Gaskammer ermordet.

Das von Sepp Teufls Tochter, Ingeborg Ertelt, verfasste Buch „Meine Rechnung geht bis Anfang Mai – Aus dem Leben des Widerstandskämpfers Sepp Teufl (1904 – 1945)“ (Hrsg. KZ-Verband/VdA OÖ, Verlag: Edition Geschichte der Heimat, Grünbach 2003, 117 Seiten, ISBN 3–902427-03–5) kann über pda@parteiderarbeit.at und office@kzverband-ooe.at bestellt werden.

Auch auf die Gedenktafel des KZ-Verbandes/VdA Oberösterreich, die an die ermordeten Tabakarbeiter erinnert und auf dem Gelände der heutigen Tabakfabrik Linz (TFL) in unmittelbarer Nähe zur Geschäftsstelle des Fußballklubs angebracht ist, verweist der Verein im Zusammenhang seiner #WeRemember-Aktion. Zugleich erwähnt der Linzer Fußballklub ein weiteres Mahnmal, das an die Opfer des NS-Faschismus gedenkt. Nämlich jenes, welches den Menschen gewidmet wurde, die im Arbeitserziehungslager Schörgenhub ums Leben kamen. Das antifaschistische Mahnmal befindet sich direkt am Zaun der blau-weißen Spielstätte in der Daimlerstraße.

Der Linzer Fußballverein schließt mit den Worten: „Wir sind es den Opfern schuldig historische Verantwortung zu zeigen und unseren Wurzeln und Werten verpflichtet mit klarer Stimme: ‚Nie wieder Krieg. Nie wieder Faschismus‘ auszurufen.“

Quelle: FC Blau-Weiß Linz

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