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Norwegische Handballerinnen verweigern Bikinihöschen und werden bestraft

Weil sich die Spielerinnen des norwegischen EM-Teams der Beachhandballerinnen weigerten, weiterhin in knappen Bikinis anzutreten, kassierten sie eine Geldstrafe wegen unangemessener Kleidung.

Warna. Wenngleich die Internationale Handballföderation (IHF) hofft, dass der Bewerb bald ins Programm der Olympischen Spiele aufgenommen wird, so ist Beachhandball trotzdem eine ausgesprochene Randsportart. Gegenüber dem dominierenden Hallenhandball wirkt die Sache auch ziemlich bemüht, denn natürlich ist es nicht möglich, auf einem Sandboden einen Ball aufzuprellen. Daher wird also der Ball beim Spiel nur per Wurf gepasst und gerollt (!), was doch seltsam wirkt. Aber egal: Die IHF und der europäische Verband EHF bemühen sich um eine Vermarktung, nachdem sich beim überaus spektakulären Beachvolleyball ja auch publikumswirksame und lukrative Events organisieren lassen. Und ein Teil dieser Vermarktung besteht in den Bekleidungsvorschriften für weibliche Teams: Beachhandballerinnen müssen nämlich einen Bikini tragen, freilich mit einem Sport-Oberteil, also einer Art bauchfreiem Tank Top. Der Bikini-Unterteil ist jedoch deutlich reglementierter, es muss eine eher schmale Panty-Variante sein, enganliegend und mit einer Seitenbreite von maximal zehn Zentimetern. Shorts – wie sie die Männer oder die Hallenhandballerinnen tragen – sind den Frauen verboten. Es muss möglichst viel Haut gezeigt werden.

Zu „lange“ Hosen ziehen Strafe nach sich

Bei der heurigen Europameisterschaft der Beachhandballerinnen im bulgarischen Warna am Schwarzmeerstrand hatten die norwegischen Spielerinnen nun genug von diesem sexistischen Unsinn, den sie laut eigener Aussage als nicht nur unpraktisch, sondern auch erniedrigend empfinden. Am vergangenen Wochenende traten sie im Match um die Bronzemedaille gegen Spanien mit etwas längeren, halbwegs richtigen Hosen an – nicht einmal mit normalen Sport-Shorts, wie sie die Männer tragen, sondern immer noch mit einer hautengen „Hot Pants“-ähnlichen Variante. Aber für die EM-Disziplinarkommission war das schon zu viel: Wegen „unsachgemäßer Kleidung“, die gegen die IHF-Regeln verstößt, wurde der norwegische Handballverband mit einer Geldstrafe von 1.500 Euro belegt, denn alle Teams müssen sich an die Bekleidungsvorschriften halten und gefälligst in Bikinihöschen antreten. Auf norwegischer Seite vertritt man freilich die berechtigte Ansicht, dass es eine freie Wahl geben müsse und keine Sportlerinnen zum Bikinitragen gezwungen werden dürfen. Mit der nunmehrigen Sanktion haben sich die EHF-Funktionäre ein ordentliches Eigentor geschossen, das hoffentlich nicht ohne Folgen bleiben wird. Norwegen hat bereits einen Antrag auf Regeländerung gestellt, worüber in absehbarer Zeit zu entscheiden ist, und EHF und IHF wären gut beraten, ihren frauenkörpervermarktenden und sexualisierenden Standpunkt zu revidieren.

In rein sportlicher Hinsicht mussten die Norwegerinnen jedoch eine Niederlage hinnehmen, Spanien gewann das kleine Finale der EM mit 2:0‑Sätzen. Im Endspiel kürten sich die deutschen Beachhandballerinnen, ebenfalls mit 2:0, gegen Kroatien zu den neuen Europameisterinnen. Bei den Männern, die zur gleichen Zeit und am gleichen Ort in Shirts und Shorts um den EM-Titel spielten, setzte sich Dänemark vor Kroatien und Russland durch. Österreich war bei beiden Turnieren nicht vertreten.

Quelle: Der Standard

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