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Olympische Spiele beendet – eine Bilanz

Die Spiele der XXXII. (neuzeitlichen) Olympiade sind Geschichte. Wir bringen einen Überblick über die wichtigsten Aspekte.

Tokio. Mit einem Jahr Verspätung gingen die Olympischen Sommerspiele 2020 am heutigen Sonntag zu Ende. Aufgrund der Corona-Pandemie waren sie im Vorjahr auf 2021 verschoben worden, behielten aber ihre offizielle Bezeichnung. Auch heuer war die Durchführung überaus umstritten, doch schließlich entschied man sich für eine Abhaltung, freilich ohne Zuschauer vor Ort sowie unter strenger Absonderung der Sportler – es waren rund 11.000 –, der Trainer, Wettkampfrichter, Helfer und Funktionäre. Trotzdem gab es im Olympia-Umfeld von 23. Juli bis 8. August in Summe 430 positive Tests in der vermeintlichen „Blase“. Darunter befanden sich auch einige infizierte Athleten, wie z.B. der deutsche Radfahrer Simon Geschke, der spanische Golfprofi Jon Rahm, der niederländische Tennisspieler Jean-Julien Rojer und das griechische Synchronschwimm-Team – sie mussten durchwegs in strenge Isolation in einem eigenen Quarantäne-Hotel. Währenddessen stiegen die Pandemiezahlen freilich in ganz Japan, die Haupt- und Olympiastadt Tokio erhielt sogar den Notstandstatus. Aber auch hier galt: The games must go on.

Kein Kamelrennen in Tokio

Auch abseits des SARS-CoV-2-Virus konnte „Tokio 2020“ ein paar Aufreger bieten, die nicht rein sportlicher Natur waren: Im Gewichtheben der Frauen trat eine neuseeländische Transgenderperson an, was gewiss weiterhin diskutiert werden wird. Im Modernen Fünfkampf sorgten eine deutsche Teilnehmerin und ihre Trainerin für Missmut, weil im Springreiten das Pferd etwas zu sehr die Gerte spüren musste – hier muss man aber wohl das Wettkampfformat mitverantwortlich machen und ändern. Für einen Rassismusskandal sorgte ein Coach der Radfahrer aus der BRD, der zwei Konkurrenten aus Eritrea und Algerien als „Kameltreiber“ bezeichnete – der Verbaltäter wurde nach Hause geschickt, der betroffene algerische Fahrer Lagab reagierte auf Twitter recht cool: Leider gebe es bei den Olympischen Spielen eben kein Kamelrennen, daher habe er zwangsläufig im Radrennen starten müssen. Und dann war da natürlich noch der Fall der weißrussischen Läuferin Timanowskaja, die angeblich „entführt“ werden sollte. Warum freilich ein nationales Olympisches Komitee eine Sportlerin, die den Start verweigert, nicht nach Hause schicken sollte, bleibt zwar offen, aber immerhin haben wir gelernt: Wenn es politisch und propagandistisch nützlich ist, dann ist sogar Polen bereit, Asylwerber aufzunehmen. Kurz vor Ende der Spiele sorgte noch das IOC für Verstimmung, weil es am 6. August offenbar gänzlich unmöglich war, die Wettkämpfe für das Gedenken an den Atombombenabwurf auf Hiroshima durch eine Schweigeminute kurz zu unterbrechen.

China rückt USA auf die Pelle

Abgesehen von diesen Angelegenheiten wurden durchaus auch sportliche Auseinandersetzungen betrieben. In 339 Bewerben wurden Gold‑, Silber und Bronzemedaillen vergeben. Der Medaillenspiegel entspricht an der Spitze nicht unerwartet globalen ökonomischen und politischen Machtverhältnissen: Die USA konnten sich zwar als Top-Nation behaupten (39xG, 41xS, 33xB), aber China ist bereits knapp dran (38xG, 32xS, 18xB). Dahinter folgen Japan – der Gastgeber strengt sich immer ein bisschen mehr an – sowie Großbritannien und Russland. Die BRD (10xG, 11xS, 16xB) hat sich gegenüber 2016 verschlechtert und kann nicht rundum zufrieden sein – nur mal so zum Vergleich: Die DDR gewann bei ihrem letzten Antreten in Seoul 1988 mehr als 100 Medaillen (37xG, 35xS, 30xB). Eine Steigerung gab es in Tokio abermals für das sozialistische Kuba (7xG, 3xS, 5xB), das an 14. Stelle des Medaillenspiegels gleich an die „Großmächte“ anschließt. Für Österreich muss man angesichts der jüngeren olympischen Misserfolge die errungenen sieben Medaillen (1xG, 1xS, 5xB) als Erfolg werten. Dass darunter aber bloß eine Goldene und gleich fünf Bronzene sind, ist weniger gut und bedeutet nur den 53. Platz im Nationenvergleich. Außerdem darf man anmerken, dass Länder mit ähnlichen allgemeinen Voraussetzungen wesentlich besser abgeschnitten haben, darunter etwa die Schweiz, Schweden oder Norwegen – und die Ausrede, Österreich sei eben mehr ein Wintersportland, kann bei diesen Vergleichen nicht gelten. Trotzdem soll man die österreichischen Erfolge durchaus würdigen, die Radfahrerin Anna Kiesenhofer sorgte mit ihrem Sieg im Straßenrennen sogar für eine der absoluten Top-Sensationen der Spiele von Tokio.

Fortsetzung in Paris und Peking

Wie geht es weiter? In Tokio sollen nun ab 25. August die Paralympics für Sportler mit körperlichen Handicaps durchgeführt werden – es bleibt zu hoffen, dass hierbei die Corona-Sicherheitsmaßnahmen noch ein wenig verbessert werden. Die olympische Fahne wird sodann an Paris weitergereicht, wo 2024, also bereits in drei Jahren, die nächsten regulären Sommerspiele stattfinden. Danach folgen 2028 Los Angeles und 2032 Brisbane. Noch davor, nämlich bereits im kommenden Jahr, stehen die nächsten Olympischen Winterspiele auf dem Programm. Der Austragungsort Peking wird dann die erste Stadt der Welt sein, die sowohl Sommer- (2008) als auch Winterspiele (2022) beherbergen konnte. Und das ÖOC darf im chinesischen Schnee auch wieder mit einer erheblich größeren Medaillenausbeute als im sommerlichen Japan rechnen.

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