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China lässt die Sonne scheinen

In der Volksrepublik China hat es die Forschung ermöglicht, punktuell das Wetter zu optimieren. Dies garantierte u.a. eine sonnige 100-Jahr-Feier der Kommunistischen Partei.

Peking. „Die Sonne scheint, der Himmel lacht – das hat die Partei gemacht!“ – Was in der DDR nicht ganz so ernst gemeint war, trifft in der Volksrepublik China tatsächlich zu. Wie Wissenschaftler der Universität Peking bekanntgaben, hat man in der chinesischen Hauptstadt im vergangenen Sommer erfolgreich das Wetter beeinflusst. Am 1. Juli 2021, als am Tiananmen-Platz eine große öffentliche Feier zum 100-jährigen Bestehen der Kommunistischen Partei Chinas stattfinden sollte, lautete die meteorologische Prognose auf Regen. Nicht schön für eine so wichtige Veranstaltung mit zigtausenden Besuchern. Daher schritten die zuständigen Behörden ein und sorgten für besseres Wetter.

Und zwar griff man zur Methode der so genannten „Wolkenimpfung“. Dabei werden sich nähernde oder bereits vorhandene Regenwolken mit Chemikalien – vornehmlich Silberiodid – behandelt, womit künstliche Kristallisationskeime geschaffen werden. Diese „Impfung“ ist allerdings weniger spektakulär, als es klingt, denn es ist schlichtweg ein Flugzeug, das die verwendeten Mittel versprüht. Die erhaltene Reaktion ist jene, dass es früher zu regnen beginnt, als es ansonsten der Fall gewesen wäre, d.h. man lässt die Wolken „abregnen“. Tut man dies rechtzeitig, so erhält man danach für den relevanten Zeitpunkt sodann nicht nur Niederschlagsfreiheit, sondern im Idealfall auch einen wolkenfreien, strahlend blauen Himmel – so geschehen am 1. Juli dieses Jahres in Peking: Die 100-Jahr-Feier der KPCh war ein trockenes, sonniges und erfolgreiches Event, was dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt in der VR China zu verdanken war.

Tatsächlich ist die Methode hierbei nicht zum ersten Mal in China zur Anwendung gekommen. Bereits im Sommer 2008 erhielt man auf dieselbe Weise eine witterungsmäßig ungestörte Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele von Peking. Die westimperialistischen Feinde Chinas beeilen sich angesichts der erfolgreichen „Wolkenimpfung“ natürlich, solcherart „Manipulationen“ zu kritisieren, denn sie seien nicht ausreichend erforscht und potenziell mit gefährlichen Folgen verbunden – nun ja, es rächt sich wieder einmal, wenn man notorisch wissenschaftsfeindlich ist sowie Wetter und Klima nicht auseinanderhalten kann. Zudem darf man anmerken, dass die „Wettermanipulation“ auch in Nordamerika und Europa nicht ungewöhnlich ist: Gerade im deutschsprachigen Alpenraum versucht man seit langem, mit Hagelkanonen und ‑raketen, die mit Silberiodid-Aceton munitioniert sind, die Landwirtschaft vor Unwettern zu schützen – nur eben weniger erfolgreich als in China.

Quelle: ORF

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