Start Feuilleton Wissenschaft Corona-Risikogruppe Neandertaler

Corona-Risikogruppe Neandertaler

Jeder Seitensprung rächt sich irgendwann: Durch zwischenmenschliche Affären von Neandertaler und Homo sapiens vor zigtausenden Jahren erhöht sich bei manchen Jetztmenschen die Gefahr einer schweren CoViD-19-Erkrankung.

Stockholm. Es ist nun schon seit einigen Jahren bekannt, dass der Homo neanderthalensis vor ca. 40.000 Jahren nicht einfach ausgestorben und von der Erdoberfläche verschwunden ist – er hat Spuren hinterlassen, nicht nur fossile, sondern auch genetische, nämlich im Erbgut seines nächsten Verwandten, des Homo sapiens. Der moderne Mensch und der Neandertaler teilen sich nicht nur den gemeinsamen Vorfahren Homo erectus, sondern auch ein gewisses Erbgut. Die zeitweise Koexistenz der beiden Menschenarten in Europa und Teilen Asiens führte zwar nicht zu einer regelrechten Ver- und Durchmischung, wohl aber zu gelegentlicher sexueller Interaktion, was wiederum einen Genfluss bedingte. Kurz gesagt: Es steck ein kleines Bisschen vom Neandertaler in uns – 1,1 bis 1,4 Prozent der Chromosomen des Jetztmenschen tragen das Neandertaler-Genom (Afrikaner ausgenommen, da diese nachwirkenden Kreuzungen out-of-Africa stattfanden, vermutlich im Nahen Osten 65.000 bis 45.000 v.u.Z.). Die Tatsache des rudimentär erhaltenen Neandertalererbguts ist nicht nur einigermaßen kurios und einiges erklärend, sondern auch wissenschaftlich interessant. Und wie sich nun zeigt, hat sie auch einen relevanten Einfluss auf den Verlauf der CoViD-19-Pandemie.

Wissenschaftler des schwedischen Karolinska-Instituts, einer der angesehensten medizinischen Universitäten der Welt, kommen in einer neuen Studie zu dem Schluss, dass das Vorhandensein einer bestimmten Neandertaler-Genvariante beim Menschen zu schwereren Verläufen bei einer CoViD-19-Erkrankung führt. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die diese Genvariante geerbt haben, bei einer Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV‑2 künstlich beatmet werden müssen, ist etwa dreimal höher“, stellt Studienautor Hugo Zeberg fest. Wenn die fragliche Gengruppe auf Chromosom 3 vorhanden ist, so steigt das Risiko, nach einer Corona-Infektion zumindest im Krankenhaus, womöglich aber auch auf der Intensivstation zu landen (oder schlimmstenfalls nicht zu überleben), massiv an, eben um das Dreifache. Einstweilen können die Wissenschaftler jedoch lediglich diese signifikante Anfälligkeit nachweisen, nicht aber hinlänglich begründen – der Zusammenhang wird noch erforscht. Allerdings weiß man bereits, dass diese spezielle Genvariante in der Menschheit trotz Globalisierung und Migration geografisch sehr ungleich verteilt ist: In Südasien betrifft sie etwa die Hälfte der Bevölkerung, wobei Bangladesch mit 64 Prozent den Spitzenwert aufweist, während sie in Ostasien und Afrika so gut wie gar nicht vorkommt. In Europa gehören etwa 16 Prozent der Bevölkerung zur Neandertaler-Risikogruppe, die sich besonders vor einer etwaigen Infektion schützen sollte. Aber wer kennt schon seinen persönlichen Neandertaler-Anteil?

Quelle: ORF

- Advertisment -

MEIST GELESEN

Der Koch, der Dealer, der Maulwurf und ihre koreanischen Liebhaber

Das dänische Staatsfernsehen inszeniert eine Nordkorea-„Reality-Doku“, um die Unmoral der DVRK nachzuweisen – und gräbt dem Imperialismus selbst eine schmutzige Grube.

Warnstreik bei MAN in Steyr

Steyr. Am 15. Oktober startete der Warnstreik der Kolleginnen und Kollegen von MAN im oberösterreichischen Steyr. Der Streik wurde um 12.30 Uhr…

Tränengas gegen griechische Schüler

Athen. Die Koordination der Schülerinnen und Schüler in der griechischen Hauptstadt hat am 9. Oktober zu einer Kundgebung vor dem Bildungsministerium aufgerufen.…

Trauerfall in KPP: Kazimierz Jarzębowski verstorben

Warschau. Die Kommunistische Partei Polens (Komunistyczna Partia Polski, KPP) trauert um einen ihrer Aktivisten, der am 9. Oktober im Alter von 97…