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Gesundheitsschäden durch Waldbrände

London. In einem aktuellen Artikel geht die traditionsreiche britische Wochenzeitschrift Nature auf die gesundheitlichen Schäden ein, die durch Waldbrände entstehen. Eine Frage von hoher Aktualität angesichts der beginnenden Auswirkungen des Klimawandels, die im vergangenen Sommer europa- und weltweit verstärkt Waldbrände mit sich brachten. So auch in Österreich, wo an der Rax zwei Wochen lang Brände wüteten, die 115 Hektar Wald vernichteten und deren Bekämpfung alleine seitens der Feuerwehr 186.072 Einsatzstunden erforderte. 

Der Rauch verursacht im Körper unter anderem folgende Reaktionen: Das Stresshormon Cortisol wird ausgeschüttet, der Blutzuckerspiegel steigt, der Herzrhythmus wird instabiler, das Blut gerinnt schneller und die Lungenschleimhaut entzündet sich. 

Gerade die Feuerwehrleute am Einsatzort atmen, wie die Biostatistikerin Francesca Dominici zitiert wird, „nur noch eine giftige Suppe“. Aber selbst an Orten, die über 100 km vom Brand entfernt liegen, werden im Blut von Probanden auffällige Biomarker gefunden, die ein Zeichen für Immun- und Herz-Kreislauf-Funktionsstörungen sein können. 

Feinstaub schwächt das Immunsystem und verursacht Entzündungen. Dominici und ihre KollegInnen schätzen daher, dass die erhöhte Feinstaubbelastung aufgrund der Waldbrände in Washington, Kalifornien und Oregon im Jahr 2020 zu 19.700 zusätzliche Covid-19-Fälle und 750 Todesfälle geführt haben. Die Brände haben außerdem Tausende zusätzliche Krankenhauseinweisungen und Hunderte Todesfälle aufgrund von Herz- und Atemproblemen mit sich gebracht. 

In einem fragwürdigen Experiment wurden 25 neugeborene Makaken zehn Tage lang einer über den Richtlinien befindlichen Feinstaubbelastung ausgesetzt. Im Vergleich zu später geborenen Makaken hatten diese fortan ein versteiftes Lungengewebe – vermutlich, um eine reduzierte Atemfunktion auszugleichen. 

Eine Analyse von mehr als 65 Millionen Todesfällen in 43 Ländern ergab, dass die Sterblichkeit durch Lungenkrankheiten nach Waldbränden um 10 % höher ist als bei guter Luftqualität. Auch die Gesamtsterblichkeit steigt um einige Prozentpunkte, insbesondere durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine Schwierigkeit besteht jedoch darin, Vergleichspopulationen zu finden, die bei guter Luftqualität leben. Heutzutage atmen mehr als 90 % der Kinder weltweit Luft, die eine Feinstaubbelastung über den Richtlinien der WHO aufweist. 

Quelle: Nature

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