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Riesenotter lebt doch noch

In Argentinien ist der Riesenflussotter wieder aufgetaucht, obwohl er dort eigentlich seit den 1980er Jahren ausgestorben ist – das hat ihm wohl niemand gesagt.

Buenos Aires. Es gibt auch gute Nachrichten – diesmal aus dem Nordosten Argentiniens: Der Riesenotter ist wieder da! Das ist insofern bemerkenswert, als die bis zu zwei Meter lange südamerikanische Otterart hier eigentlich als ausgestorben galt – und das schon seit fast 40 Jahren. Nun gibt es aber die überraschende Wiederauferstehung von Pteronura brasiliensis. Vergangene Woche wurde im Berjemo-Fluss ein Exemplar gesichtet, weswegen der bisherige Status vorsichtig zu revidieren ist. Bei der argentinischen Stiftung für Renaturierung ist man jedenfalls begeistert: Die Riesenotter hätten nämlich eine wichtige regulierende Bedeutung für das Ökosystem, weswegen man 2018 ein Wiederansiedelungsprojekt gestartet hätte, erzählt Direktor Sebastián Di Martino. Doch die nunmehrige Sichtung hat damit noch nichts zu tun: Das Tier ist „von alleine“ wieder aufgetaucht. Entweder ist es aus dem nördlich gelegenen Paraguay eingewandert, oder es handelt sich um den Vertreter einer seit Jahrzehnten übersehenen Restpopulation, wobei letzteres eher unwahrscheinlich ist.

Denn der südamerikanische Riesenotter ist – etwa im Gegensatz zum wesentlich kleineren europäischen Fischotter – überaus gesellig und braucht einen Familienverband: Die Jagd wird in Gruppen systematisch organisiert und durchgeführt, bis zu 20 Tiere leben zusammen. Daher ist im argentinischen Fall eher mit einem verirrten Einzelgänger zu rechnen. Das Ziel der Wiederansiedelung ist demgegenüber ein größeres: Aufgrund der Zerstörung der Lebensräume und rücksichtsloser Tötungen haben sich die seltenen Riesenotterpopulationen in den brasilianischen Regenwald zurückgezogen, an die Flusssysteme des Amazonas und des Orinoco (daneben gibt es Zuchtbemühungen in Zoos). Rund um den viel weiter südlich gelegenen Rio de la Plata bzw. dessen Zuflüsse hingegen, zwischen Uruguay und Argentinien, gab es eigentlich keine Vorkommen mehr. Von daher kann man die plötzliche Wiederauferstehung als erfreulichen Einzelfall und als Ansporn nehmen, doch bis die Riesenotter in Argentinien tatsächlich wieder heimisch werden, ist noch viel Arbeit nötig – und aktives menschliches Zutun. Der Mensch hat viel Aufwand bei der Ausrottung anderer Lebewesen betrieben – nun sollte er ebenso viel Energie in den Arten- und Naturschutz investieren.

Quelle: ORF

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