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Südamerikas Flachlandtapir vor dem Aussterben

Der bis zu 250 Kilogramm schwere und über zwei Meter lange Flachlandtapir ist das größte autochthone Landsäugetier Südamerikas. Infolge des menschlichen Raubbaus an der Natur droht ihm jedoch die Ausrottung.

Porto Alegre. Eine in der Zeitschrift „Neotropical Biology and Conservation“ veröffentlichte Studie präsentierte aktuelle Untersuchungsergebnisse zur Bedrohungslage des Flachlandtapirs (Tapirus terrestris). Das Resultat war erwartbar: Die größte südamerikanische Tapirart, die in den Wäldern und in Ebenen östlich der Anden lebt, steht vor dem Aussterben. Lediglich in 1,78 Prozent des ursprünglichen Lebensraumes in Brasilien, Paraguay und Argentinien seien noch Populationen verbreitet, stellten die Wissenschaftler fest. In Ecuador, Kolumbien und Venezuela sind gar keine mehr zu finden. Bei der Anzahl der verbliebenen Exemplare ist man auf Schätzungen angewiesen – und diese reichen im negativsten Szenario von 2.600 bis knapp 16.000 unter optimistischeren Annahmen. Angesichts der dünnen Populationsdichte, der isolierten Gebiete und der langen Tragezeit stellen diese Zahlen so oder so das Überleben des Flachlandtapirs massiv in Frage. In genetischer und demografischer Hinsicht dürften lediglich drei bis 14 der 48 bekannten Populationen die nächsten Jahrzehnte überstehen.

Dass es so weit gekommen ist, ist freilich nicht den natürlichen Feinden wie Jaguar, Puma oder Krokodilen geschuldet, sondern dem Menschen. Waldrodungen, Plantagenerweiterungen sowie industrielle, Bergbau- und Bauprojekte engen den Lebensraum der Tapire nicht nur kontinuierlich ein, sondern trennen die Populationen auch voneinander, wodurch der notwendige Austausch erschwert wird. Auch das Nahrungsangebot – Flachlandtapire sind reine Pflanzenfresser – wird reduziert, weswegen sich die Tiere mitunter von selbst in die Nähe der Menschen und somit in Gefahr begeben müssen – mit fatalen Folgen: Zwar ist die wirtschaftlich begründete Bejagung des Flachlandtapirs zurückgegangen, doch im Bereich von Plantagen werden hungernde Exemplare oft als Schädlinge erschossen. Und so steht zu befürchten, dass der Flachlandtapir ebenso wie seine näheren lateinamerikanischen Verwandten – der Bergtapir und der Mittelamerikanische Tapir – im Laufe dieses Jahrhunderts aus der wilden Fauna verschwinden könnte und bestenfalls noch in Zoos anzutreffen sein wird.

Quelle: Der Standard

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