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Aus für geplante Lithiummine in Serbien

Unter öffentlichem Druck sah sich die serbische Regierung gezwungen, die Bergbau-Genehmigungen für den Rio Tinto-Konzern zurückzunehmen. Das umweltschädliche Projekt bei Loznica ist damit vorerst gestoppt, aber nicht zwingend gestorben.

Belgrad. Das umstrittene Bergbauprojekt des britisch-australischen Rio Tinto-Konzerns in Westserbien ist vorerst Geschichte. In der Nähe der Stadt Loznica war 2004 ein immenses Lithiumvorkommen entdeckt worden, das bald entsprechende Begehrlichkeiten geweckt hatte. Schließlich bekam Rio Tinto den Zuschlag, mit einer Milliardeninvestition sollten ab 2026 jährlich ca. 60.000 Tonnen Lithiumcarbonat gefördert werden. Die nationalkonservative, aber überaus wirtschaftsliberale serbische Regierung der Fortschrittspartei (SNS), deren Vorsitzender Präsident Aleksandar Vučić ist, unterstützte das Projekt durch großzügige Genehmigungen und Gesetze, die den Abbau vor Ort möglichst begünstigen sollten.

Doch in der serbischen Bevölkerung regte sich unerwarteter Widerstand, der sich in den letzten Monaten zuspitzte. Mit Massenmobilisierungen wurde gegen die Pläne von Rio Tinto und der Regierung protestiert, wobei v.a. Umweltaktivisten beteiligt waren, aber auch die Neue Kommunistische Partei Jugoslawiens (NKPJ) sprach sich klar gegen die Vorhaben aus. Bei den Widerständen geht es einerseits um den Ausverkauf Serbiens an internationale Konzerne, vorrangig aber natürlich um den Umweltschutz: Die Förderung von Lithium ist mit erheblichen Schäden durch giftige Chemikalien verbunden, nicht zuletzt wurde seitens der Gegner die mögliche Kontaminierung des Grundwassers der Region im serbisch-bosnischen Grenzgebiet an der Drina befürchtet.

Nun sah sich die Regierung in Belgrad unter dem Druck der Bevölkerung zum Nachgeben gezwungen. Die Sondergenehmigungen für Rio Tinto wurden zurückgenommen, die Pläne für den Lithiumabbau müssen ad acta gelegt werden. Es bleibt jedoch abzuwarten, wie der betroffene Konzern reagiert, ebenso ist nicht undenkbar, dass die Vorhaben zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf den Tisch kommen: Im kommenden April werden in Serbien der Präsident und das Parlament gewählt, weswegen der nunmehrige Rückzieher auch eine vorübergehende Wahlkampfmaßnahme sein könnte, die nach dem Urnengang abermals revidiert wird.

Quelle: Der Standard

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