HomeInternationalesIsraels Fahne am Kanzleramt: "Entwürdigung der palästinensischen Opfer"

Israels Fahne am Kanzleramt: „Entwürdigung der palästinensischen Opfer“

Wien. Das Hissen der israelischen Fahne auf dem Dach des Bundeskanzleramtes und des Außenministeriums in Wien sorgt weiterhin für heftige Kritik. „Das bedeutet zu negieren, dass der Anlass ja die Evakuierung von arabischen Wohnungen in Ostjerusalem war. Dies hat die Palästinenser beunruhigt, was die Hamas dann ausgenutzt hat. Wenn man als Österreich dann Israels Fahne aufhängt, akzeptiert man auch die Kriegshandlungen Israels. Man würdigt damit zwar zu Recht die israelischen Opfer, entwürdigt aber die palästinensischen Opfer. Indirekt akzeptiert man damit schlussendlich auch den Angriff auf das Medienzentrum in Gaza am Samstag, auch wenn man die Fahne vorher schon aufgezogen hat“, sagt etwa der Politologe Heinz Gärtner im Interview mit der Tageszeitung „Der Standard“. Diese Aktion bedeute auch eine Abkehr von der Zweistaatenlösung, die Bundeskanzler Bruno Kreisky als erster Staatsmann in der UNO vorgeschlagen hatte. Auch in zukünftigen Konflikten würde das Image Österreichs als Vermittler leiden.

Der iranische Außenminister Mohammad Javad Zarif sagte einen für vergangenen Samstag geplanten Besuch in Wien ab, in Österreich selbst werden Kurz und Schallenberg heftig aus allen politischen Lagern außer der ÖVP für ihren undurchdachten Aktionismus kritisiert. Bundeskanzler Kurz, der sich in der Öffentlichkeit gerne mit seiner Nähe zum israelischen Noch-Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu brüstet, dürfte der Freundschaftsdienst für seinen mehrfach der Korruption angeklagten Kumpel wichtiger sein als die Reputation unseres Landes auf der Weltbühne. Für ihn selbst bietet die Debatte eine gute Ablenkung von den gegen ihn laufenden Untersuchungen der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wegen Falschaussage im Ibiza-Untersuchungsausschuss. „Man müsste sich schämen, würde man diese österreichische Regierung noch ernst nehmen“, schrieb PdA-Vorsitzender Tibor Zenker vor ein paar Tagen in einem Kommentar.

Die Zerstörungswut der israelischen Militärmaschinerie geht unterdessen mit voller Wucht weiter. Am Samstag wurde in Gaza-Stadt ein Hochhaus zerstört, in dem auch die Vertreter internationaler Medien untergebracht sind. Auch die Hamas schießt ihre selbstgebastelten Raketen weiterhin auf israelisches Staatsgebiet. Die Zahl der Toten und Verletzten – vor allem auf Seiten der Palästinenser – steigt weiter. Wie schon in vorangegangenen Militäraktionen dieser Art kommt es der israelischen Armee, einer der hochgerüstetsten der Welt, offenbar darauf an, möglichst viel Wohnraum und Infrastruktur im Gazastreifen zu zerstören.

Quelle: Der Standard/orf​.at

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