HomeInternationalesLebensmittelpreise: G7 gießen Öl ins Feuer

Lebensmittelpreise: G7 gießen Öl ins Feuer

Die Gruppe marktgläubiger Industrienationen ist entsetzt über die Entscheidung Indiens, die Weizenausfuhr zu stoppen. Für sie steht unumschränkter Handel über allem – wie bei der großen Hungersnot in Irland als eine Million Menschen starben, während Lebensmittelexporte weiterliefen.

Prompt und mit erhobenem Zeigefinger reagierten die sieben (einstmals) wirtschaftlich bedeutendsten Nationen der Welt auf den überraschenden Exportstopp Indiens für Weizen. Das Land antwortet mit diesem Schritt auf gestiegene Weltmarktpreise und verschlechterte Ernteaussichten. Für beides sind die G7 in Form von Spekulation, Anheizen von kriegerischen Konflikten und ihren Beitrag zum Klimawandel zu großen Teilen mitverantwortlich – aber aus neoliberaler Ideologie heraus liegt die Schuld natürlich ausschließlich bei jenen, die die heiligen Gesetze des Freihandels antasten.

Dabei würden Exporte die Erntemengen natürlich nicht um ein Weizenkorn erhöhen – aber die gestiegenen Weltmarktpreise machen eine Ausfuhr für viele Großhändler lukrativ und damit interessanter als die Bedienung der lokalen Nachfrage. Bereits jetzt herrscht an vielen Orten Hungersnot. Indien ist zwar ein großer Produzent von Weizen, aber selbst auch großer Verbraucher – der indische Anteil am Welthandel war bisher durchaus überschaubar.

Die USA, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und die USA sind mitnichten die sieben größten Volkswirtschaften der Welt – dazu würden China und Indien zählen, die aber nun über Preispolitik und Freihandel belehrt werden sollen. Dabei zeigt ein Blick in die Geschichte, dass Freihandel gerade in Krisenzeiten keinesfalls die Versorgung der Massen sicherstellen kann. In Irland starben in den 1840er-Jahren über eine Million Menschen, 12 Prozent der Gesamtbevölkerung, an Hunger. Zwei Millionen mussten auswandern. Das lag nur auf den ersten Blick an der Kartoffelfäule. Wirtschaftsliberalismus und Laissez-faire-Ideologie sorgten dafür, dass aus dem hungernden Land sogar größere Lebensmittelausfuhren stattfanden, da die Weltmarktpreise gestiegen waren. Das ist wohl die Blaupause der G7 für Indien.

Quellen: Junge Welt, Global Times, Die Presse

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