HomeInternationalesQuerfront-Spektakel – Faschistische Partei Forza Nuova aufgelöst

Querfront-Spektakel – Faschistische Partei Forza Nuova aufgelöst

Die italienische faschistische Partei Forza Nuova löst sich zugunsten einer größeren rechten Partei auf, die als Sammelbecken für alle Querfrontler in Italien fungieren soll. Das italienische Beispiel zeigt, in welche Richtung die Corona-Proteste gehen.

Italien. Zwei zusammenhängende politische Neuigkeiten des rechten bis faschistischen italienischen Spektrums lassen aufhorchen: Das ist einerseits die Auflösung der faschistischen Partei Forza Nuova (Neue Kraft), die es bereits seit 1997 gibt. Sie hat es in der näheren Vergangenheit v.a. durch xenophobe, homophobe, antisemitische und antikommunistische Aktionen in die Schlagzeilen geschafft. Ihre Auflösung soll nun dazu dienen, auf Basis der Corona-Proteste von Corona-Leugnern (in Italien werden sie unter dem Begriff der Negationisten subsumiert), Verschwörungstheoretikern und anderen Feinden der Wissenschaft eine größere und weitläufigere Bewegung zu erschaffen. Geplant ist eine Sammelbewegung, die nach mehreren Seiten offen sein soll und die sich bereits jetzt als die rechtmäßige Regierung Italiens proklamiert.

Zusammenfluss rechter Kräfte aus verschiedenen Parteien

Und hier kommen wir zum zweiten Punkt: Die Gründung der neuen Partei Italia Libera (Freies Italien), die nicht nur vom Vorsitzenden von Forza Nuova, sondern auch von Carlo Taormina (früher: Forza Italia, dann M5S), der zuletzt von 2016–2019 Mitglied des Movimentop 5 Stelle gewesen ist, angekündigt wird:

„Die revolutionäre Regierung von Italia Libera wurde ins Leben gerufen und ist nun bereit, den Platz der aktuellen Regierung einzunehmen, die die Italiener mit einer Gesundheitsdiktatur und mit einer Magistratur, die weit davon entfernt ist, volksnah zu sein, unterdrückt,“ so Taormina.

Die Partei soll eine Koalition sein, die für frühere 5‑Sterne-Aktivisten, Mitglieder und Funktionäre von Forza Nuova und, wie vom Forza Nuova-Vorsitzenden Roberto Fiore extra betont wird, auch für „Kommunisten, die es ernst meinen,“ offen sein soll. Laut Taormina wiederum setze Italia Libera auf zivilem Ungehorsam, nicht aber auf Gewalt. Aktuell werden Gespräche mit dem Kunstkritiker und Bürgermeister von Sutri, Vittorio Sgarbi, geführt, der dem Projekt nicht abgeneigt zu sein scheint, jedoch noch keine fixe Zusage gegeben hat. Sgarbi ist bekannt für kontroverse und reaktionäre Meinungsbekundungen. Zuletzt erregte er Aufsehen, indem er in einer Parlamentssitzung von Sicherheitskräften hinausgetragen werden musste, nachdem er unaufhörlich und lauthals eine (ebenfalls rechte) Politikerin beschimpft hat. 

Außerirdischen-Korrespondent Pappalardo auch dabei?

Laut Fiore sei aber noch eine dritte Bewegung mit im Bunde, nämlich die recht breit aufgestellte der sog. Orange-Westen von Antonio Pappalardo. Bei Pappalardo handelt es sich um einen hochdekorierten Carabiniere, der es für kurze Zeit unter der Regierung Ciampi zum Ministerialdirektor geschafft hat. Bereits im Februar 2019 gründete er die Partei/Bewegung der Orange-Westen, mehr oder weniger in Anlehnung an die französischen Gelbwesten, jedoch mit klarer populistischer, verschwörungstheoretischer Ausrichtung und mit Schlagworten, die sich gegen 5G, den Euro, gegen Impfungen usw. richteten. Erst im Mai 2020 wurde ihnen von den Medien durch das Initiieren größerer Corona-Proteste mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Der Carabinieri-General Pappalardo selbst ist übrigens, abgesehen von den vorher genannten Marotten, der felsenfesten Überzeugung, am 6. Februar 2000 bei einem Abendspaziergang mit seiner Frau auf einen zwei Meter hohen Außerirdischen gestoßen zu sein, der ursprünglich vom Planeten Ummo stammt. Dieser habe ihm eine Erzählung ausgehändigt, die er selbst geschrieben hat, um sie auf der Erde veröffentlichen zu lassen. So entstand 2010 Pappalardo´s Roman L´Utopia dell´ Ummita. Die Utopie der Ummiten besteht im Kampf gegen die Konstituierung einer neuen Weltordnung und im Glück der Souveränität der Völker.Auch 20 Jahre nach dem angeblichen Vorfall bleibt Pappalardo bei seiner Geschichte, seine Frau hingegen erinnert sich an kein abendliches Zusammentreffen mit dem Alien namens Walet Humm. Dies wiederum nimmt Pappalardo zum Anlass, sich in seiner Auffassung zu bestätigen, die Botschaft der Aliens sei nur für ihn bestimmt gewesen.

ANPI kritisiert

Der noch in seinem Amt frische Vorsitzende der Nationalen Vereinigung der Partisanen Italiens (ANPI) Gianfranco Pagliarulo zeigt sich empört über die populistische Phraseologie von Fiore und Konsorten: „Es ist wirklich lustig, dass diejenigen, die die Gesundheitsdiktatur anprangern, Leute sind, die ein Loblied auf die Zeit des Faschismus singen. Sie sollten anfangen, die wirkliche Diktatur anzuprangern, die in unserem Land von 1922 bis 1944 existierte.“ Er fügt hinzu:

„Italia Libera scheint mir ein Versuch von Forza Nuova zu sein, nach der Verantwortung ihrer Leute, angefangen bei ihrem römischen Anführer Giuliano Castellino, bei den Vorfällen der letzten Monate im Zuge der Demonstrationen, wieder an Glaubwürdigkeit zu gewinnen. Es handelt sich dabei um eine Auffrischung der Bewegung der extremen Rechten mit ein paar weiteren Namen und um den Versuch, einen gewissen Konsens um Persönlichkeiten zu erreichen, die keine besondere Anziehungskraft in der öffentlichen Meinung haben, verbunden mit einer stark irrationalistischen Tendenz, die der Wissenschaft und der Vernunft jeden Wert abspricht, ebenso wie die No-Vax-Bewegung, und nicht ernsthaft in Betracht gezogen werden sollten.“

Die Richtung ist vorgegeben

Die aggressivere Stoßrichtung der Corona-Proteste, ihr gelebter Irrationalismus und ihre dezidiert antikommunistische und volksfeindliche Ausrichtung ist nicht nur in Italien in den letzten Monaten spürbarer geworden. Der Schachzug von Forza Nuova, sich aufzulösen, um in einem breiteren Bündnis aufzugehen, zeigt deutlich, dass die Corona-Proteste einen fruchtbaren Boden darstellen, in denen die kleinen faschistischen Sprösslinge wachsen und gedeihen können. Von der 5‑Sterne-Bewegung enttäuschte reaktionäre Elemente weichen noch mehr als zuvor nach rechts aus und bieten dem Faschismus die Hand. Gekämpft wird vorgeblich um Freiheit und Demokratie. Doch ist dies die Freiheit und Demokratie der Herrschenden, nicht die des Proletariats und der unterdrückten Volksschichten. Gekämpft wird nicht gegen die weitere Privatisierung des öffentlichen Gesundheitswesens, sondern gegen eine vermeintliche Gesundheitsdiktatur. Taormina, Fiore, Sgarbi und Pappalardo sind die Gesichter dieser Bewegung, gleichzeitig sind sie aber nichts als die Abziehbilder der Confindustria, die genau diesen Umgang mit der Pandemie forciert hat.

Quelle: Adnkronos/Repubblica

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