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Aufstand in Machu Picchu

Im Hochland von Peru protestiert die indigene Bevölkerung seit über einer Woche gegen privatkapitalistische Eisenbahngesellschaften. Die ohnedies krisengeschüttelte Regierung in Lima sorgt sich um den Tourismus und greift gegen die Erben Túpac Amarus brutal durch.

Cusco. In den südperuanischen Anden kam es in den vergangenen Tagen zu Polizeiübergriffen gegenüber demonstrierenden Bewohnern der Kleinstädte Machu Picchu-Pueblo (Aguas Calientes) und Ollantaytambo. Seit über einer Woche protestieren die Menschen gegen die privaten Bahngesellschaften Peru Rail und Inca Rail, die über die Strecke zwischen der Regionalhauptstadt Cusco und Machu Picchu verfügen. Hinter den Unternehmen stehen einheimische Oligarchen gemeinsam mit britischen Eigentümern, die aus dem historischen „Orient Express“-Konsortium hervorgegangen sind und ihren Gesellschaftssitz inzwischen steuerschonend auf den Bermuda-Inseln angesiedelt haben. Die Privatkapitalisten haben naturgemäß wenig Interesse an einer funktionierenden Transportinfrastruktur für die peruanische Bevölkerung, die in der fraglichen Gegend fast vollständig aus sozial benachteiligten, Quechua-sprechenden indigenen Gruppen besteht – für die Unternehmer zählt freilich nur zu lukrierende Profit, weswegen sie ausschließlich auf den Touristentransport orientieren.

Die einheimische Bevölkerung rund um Machu Picchu fordert im Zuge ihrer Proteste nun niedrigere Ticketpreise und bessere Zugverbindungen gemäß ihren Interessen. Die peruanische Staatsmacht hat in Komplizenschaft mit den privaten Bahngesellschaften dafür kein Verständnis: Sie griff die Kundgebungen gewaltsam an, räumte die Schienenblockaden und riegelte die Gegend ab: Die oberhalb der Städte in 2.400 Metern Höhe befindlichen Inka-Ruinen von Machu Picchu, die wichtigste Touristenattraktion Perus, wurden gesperrt – angeblich, damit harmlose Touristen nicht etwa durch „gewaltbereite Demonstranten“ zu Schaden kämen, in Wirklichkeit zu dem Zweck, dass niemand sehen soll, wie die indigene Bevölkerung mit brutalen Methoden im Interesse der Oligarchie und des ausländischen Monopolkapitals unterdrückt wird. Die Repression hat seit Jahrhunderten System, seit die spanischen Konquistadoren um Francisco Pizarro 1532 das Inkareich erobert haben, und auch die Unabhängigkeit Perus von Spanien 1821 änderte daran letztlich nur die formellen Bedingungen. Über 60 Prozent der peruanischen Bevölkerung gehören indigenen Gruppen an, doch die politische und ökonomische Herrschaft wird faktisch vom reichen Teil der weißen Minderheit ausgeübt.

Quelle: Der Standard

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