HomeInternationalesRaketenangriff auf Tschernihiw: Nur keine Recherche

Raketenangriff auf Tschernihiw: Nur keine Recherche

Der ORF und mit ihm die ganzen Leitmedien des Landes sind – was die Ukraine betrifft – sehr oft direkte Lautsprecher der dortigen Kriegspropaganda. Die einseitige Berichterstattung zum Raketenangriff auf Tschernihiw zeigt dies erneut.

Tschernihiw/Kiew/Wien. „Eine Rakete sei mitten im Zentrum der Stadt, wo sich eine Universität und ein Theater befinden, eingeschlagen“, berichtet ORF​.at unter Berufung auf ukrainische Quellen über einen Angriff auf das Zentrum der Stadt Tschernihiw. Die Zahl der Verletzten dürfte die Zahl 100 überschritten haben, bis Sonntagvormittag waren sieben Tote zu beklagen.

Im ganzen ORF-Bericht findet sich kein Hinweis auf den Grund des russischen Angriffs. So bleibt stehen: Die Russen haben an einem Samstagvormittag eine Rakete ins Zentrum der ukrainischen Stadt Tschernihiw geschossen, um möglichst viele Zivilisten zu treffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach wieder einmal von einem „Terroranschlag“.

Tatsächlich herrscht in der angegriffenen Stadt Empörung nicht so sehr über den russischen Angriff, sondern vor allem über die Personen, die das Ziel für die russische Rakete organisiert hatten. 

Angriff galt einem Treffen von Drohnenherstellern, Ausbildnern und Militärs

Wie sich später herausstellte, könnte das Ziel der russischen Rakete eine Veranstaltung über Kampfdrohnen gewesen sein, die im Zentrum der Stadt stattfand. Verschiedene etwas regierungskritischere ukrainische Online-Zeitungen, darunter auch „Strana News“, berichten, dass zum Zeitpunkt des russischen Raketenangriffs eine Konferenz von Ingenieuren, Militärs und Freiwilligen in der Luftaufklärung stattfand.

Als Beleg zitiert Strana News unter anderem Maria Berlinskaya. Berlinskaya hat sich nach dem Putsch 2014 freiwillig zum Militärdienst im Bürgerkrieg im Osten der Ukraine gemeldet. Sie war als Drohnen-Pilotin bei der Luftaufklärung im Einsatz. Nach ihrer Rückkehr von der Front gründete sie eine Schule für die Ausbildung von ukrainischen Freiwilligen in der Luftaufklärung durch den Einsatz von Drohnen. Außerdem soll Berlinskaya sich auf die Vermittlung von Drohnenlieferungen an die Streitkräfte der Ukraine spezialisiert haben. Vor einigen Wochen wurde sie als eine von drei möglichen Kandidatinnen gehandelt, die den jetzigen Verteidigungsminister Oleksij Resnikow in seiner Funktion beerben könnten, falls dieser, wie Gerüchte besagen, abgelöst wird.

Es handelte sich um eine geschlossene Veranstaltung mit 200 handverlesenen und überprüften Anwesenden. Dass trotz der Geheimhaltung die russische Armee von dem Treffen erfahren hat, ist jetzt Gegenstand von Untersuchungen der ukrainischen Sicherheitsdienste. Möglicherweise sind Informationen über das Treffen im Vorfeld online gestellt worden. Organisiert wurde das Treffen von Berlinskayas Schule für Drohnenpiloten.

Tschernihiw war seit Monaten kaum von russischen Luftangriffen betroffen, obwohl die Stadt nur 70 Kilometer von der russischen Grenze entfernt ist. Maria Berlinskaya wird in Kommentaren zur Veranstaltung als „dumme Ziege“ und als „Mörderin“ bezeichnet, die Veranstalter als „Idioten“ und „Mörder“, weil sie dieses militärische Treffen in der Innenstadt veranstaltet hatten.

Damit ist klar, dass das Theater auch ein militärisches Ziel war. Das wird man aber im ORF und in den anderen Leitmedien nicht lesen können. Es steht ja auch nicht in ukrainischen Propagandaberichten, sondern nur in ein wenig regierungskritischeren ukrainischen Medien, die zu studieren man offensichtlich auch nicht der Mühe wert findet.

Quellen: Pravda/Strana/ORF

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