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Geldvermögen steigt – Vermögensgleichheit sinkt

Bereits 2019 ist das globale Geldvermögen um 9,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, wie der aktuelle Global Wealth Report der Allianz zeigt. Somit wurde das stärkste Wachstum seit 2005 erzielt. Auslöser dafür waren die Zentralbanken, die dazu übergingen, offensiver als noch zuvor Geld in den Kreislauf der Wirtschaft zu bringen. Angesichts der geldpolitischen Hilfspakete, die in Reaktion auf die Corona-Pandemie aufgelegt wurden, werden die Vermögen 2020 wohl weiterhin wachsen, wenn auch weniger stark als noch im Vorjahr. Der Anstieg in den ersten beiden Quartalen beträgt bereits 1,5 Prozent.

Vermögensungleichheit steigt

Doch bei all diesen positiv klingenden Nachrichten muss hervorgehoben werden, dass die Vermögensungleichheit durch derartige Trends nicht bekämpft, sondern beschleunigt wird. Die geldpolitischen Hilfspakete konzentrieren sich auf Banken, sodass sie Konzernen mehr und billigere Kredite vergeben können. Gleichzeitig sorgen Null- und Negativzinssätze dafür, dass Vermögensbildung über Zinserträge verhindert wird, so Ludovic Subran, Chefökonom der Allianz. Das trifft vor allem die Besitzer kleinerer Vermögen, da für sie eine Investition in beispielsweise Aktien oder Immobilien zu teuer oder riskant ist, und die Bank somit als einzige Anlageoption überbleibt.

Dieser Trend zur wachsenden Ungleichheit zeigt sich am offensichtlichsten in seinem globalen Ausmaß: 2016 war das Netto-Geldvermögen pro Kopf in Industrieländern 19-mal höher als in Schwellenländern, 2019 ist dieses Gefälle auf das 22-fache angestiegen. Der Global Wealth Report zeigt außerdem, dass beinahe die Hälfte des weltweiten Geldvermögens in Nordamerika zu finden ist, weitere 21 Prozent alleine in Westeuropa. Das reichste Prozent der Weltbevölkerung verfügt über 44 Prozent des gesamten Geldvermögens, sein Anteil ist seit der Jahrtausendwende stetig gewachsen.

Das Geld, welches im Umlauf ist, wird also immer mehr, aber es erreicht nur einen kleinen Teil der Weltbevölkerung, nämlich vornehmlich das europäische und US-amerikanische Industrie- und Finanzkapital, während die große Mehrheit der Menschen arm bleibt oder noch ärmer wird.

Arbeiterklasse erleidet Einkommensverluste

Mit den oben genannten Entwicklungen gehen außerdem Einkommenseinbrüche von ArbeiterInnen aus der ganzen Welt einher. Zwischen Jänner und September 2020 ist die Summe der weltweiten Löhne gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 um 10,7 Prozent, in absoluten Zahlen 3,5 Billionen Dollar, gesunken, berichtet die Internationale Arbeitsorganisation ILO am 23. September in Genf. Auch bei dieser Entwicklung seien Schwellen- und Entwicklungsländer noch stärker betroffen, so Guy Ryder, Generaldirektor der ILO. Ärmere Staaten konnten sich weniger Maßnahmen leisten, um Lohneinbrüche zu verhindern. Doch dass auch in Österreich trotz der staatlichen Finanzhilfen für Konzerne, etliche Menschen Einkommensrückgänge erleiden mussten und gar gefeuert wurden, zeigen etliche Beispiele.

Quelle: ORF/Allianz

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