HomeKlassenkampfHohe Heizkosten: 94.000 Wohnungen bleiben kalt

Hohe Heizkosten: 94.000 Wohnungen bleiben kalt

Hundertausende Menschen in Österreich haben nicht genug Geld, um ihre Wohnräumlichkeiten zu heizen – eine schändliche Situation, die dem Kapitalismus geschuldet ist.

Wien. Rund 94.000 Wohnungen und Häuser bleiben in Österreich ungeheizt, wie die Statistik Austria erhoben hat – das sind immerhin 2,4 Prozent der heimischen Haushalte. Umgelegt auf durchschnittliche Haushaltsgrößen bedeutet dies, dass über 210.000 Menschen in kalten Räumlichkeiten leben und schlafen. Es ist einigermaßen beschämend – um nicht zusagen: skandalös – für ein angeblich „reiches“ Land, dass es nicht in der Lage ist, allen Menschen und Familien eine sichere Grundversorgung zu ermöglichen. Doch eine solche Garantie würde freilich den Prinzipien des Kapitalismus widersprechen, für den immer nur die maximale Ausbeutung der Arbeiterklasse und des Volkes sowie der maximale Profit zählen. Dass hierbei Menschen vor die Hunde gehen, interessiert weder die Energiekonzerne noch die herrschende Politik: Wenn manche Menschen einfach zu arm sind, um sich Gas, Strom, Heizöl oder sonstige Energieträger zu leisten, dann sind sie selber schuld.

In Wirklichkeit haben Armut und Unterversorgung natürlich System. Wenn größtmögliche Unternehmensgewinne lukriert werden sollen, dann muss man die Preise hochtreiben und den Arbeitenden limitierte Löhne zahlen – und gleichzeitig immer einen gewissen Anteil der Bevölkerung in Arbeitslosigkeit halten, um generell Druck auf die Arbeiterklasse auszuüben. Jene Haushalte, die sich die Heizkosten nicht leisten können, verfügen laut Statistik Austria im Schnitt über ein Jahreseinkommen von nicht ganz 19.000 Euro – dies liegt deutlich unter dem Medianeinkommen von 40.000 Euro, das freilich durch Besserverdienende, Reiche und kapitalistische Unternehmer statistisch nach oben gezogen wird (wenngleich im geringeren Maß als der „Durchschnittslohn“): Es ist also weniger als die Hälfte des mittleren Lohnniveaus, was für 210.000 Menschen nicht mehr reicht, um die Wohnung zu heizen. Solcherart Ungleichheit kommt nicht von irgendwo, sondern ist beabsichtigt – und hat dann eben entsprechende soziale Folgen wie kalte Wohnungen. Die Statistik Austria spricht von „Energiearmut“, treffender für dieses Armutszeugnis des Kapitalismus wäre der Begriff Schweinerei.

Die weiteren Folgen der kapitalistischen Krise werden die sozialen, finanziellen und existenziellen Sorgen für viele betroffene Menschen und Familien noch verstärken, die dann auch Probleme haben werden, ihre Mietkosten oder auch nur eine anständige Lebensmittelversorgung zu bestreiten. Die Problematik der Heizkosten wird in den nächsten Monaten natürlich abgemildert, da die Sommermonate bevorstehen, doch spätestens im Herbst und v.a. im Winter wird die Sache abermals akut werden – und zwar vermutlich für mehr als 94.000 österreichische Haushalte. Wenn ein System derartig grundlegend nicht in der Lage und nicht willens ist, allen Menschen sichere und würdige Lebensbedingungen zu ermöglichen, dann muss man es wohl als gescheitert und menschenfeindlich ansehen. Dass im 21. Jahrhundert Menschen in Österreich in ihren Wohnungen frieren und kein Warmwasser haben, ist gelinde gesagt wahrlich nicht zeitgemäß – und der Kapitalismus ist es dementsprechend auch nicht.

Quelle: ORF

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