Die Schweizer Bank UBS gibt sich Mühe, die Superreichen in einem strahlenden Licht zu präsentieren: Milliardäre als Wohltäter, die eine „neue industrielle Revolution“ vorantreiben und mehr Wert für die Gesellschaft als für sich selbst schaffen. Es wird vollkommen ignoriert, wer im Kapitalismus den Reichtum durch seine Arbeit schafft. Doch die Fakten, die dieselbe Bank liefert, erzählen eine weitere systementtarnende Geschichte: Das Vermögen der Milliardäre hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, während die soziale Ungleichheit weltweit weiter zunimmt.
Im April 2024 gab es laut UBS 2.682 Milliardäre, 50 Prozent mehr als noch 2015. Ihr Gesamtvermögen wuchs in diesem Zeitraum um saftige 121 Prozent auf 14 Billionen US-Dollar. Besonders Tech-Milliardäre verbuchten spektakuläre Gewinne: Ihr Vermögen verdreifachte sich auf 2,4 Billionen US-Dollar, gestützt durch Trends wie künstliche Intelligenz, Fintech und Robotik. Die Industrie-Milliardäre legten aber ebenfalls kräftig zu, ihr Reichtum stieg von 480 Milliarden auf 1,3 Billionen US-Dollar.
Diese Explosion des Vermögens zeigt die ganze Pervertierung des kapitalistischen Systems: Während in vielen Ländern die Lebenshaltungskosten steigen, öffentliche Infrastrukturen bröckeln und Arbeiterinnen und Arbeiter um gerechte Löhne kämpfen und verlieren, wachsen die Vermögen der Superreichen in astronomischen Dimensionen. Die Märkte, die sie dominieren, profitieren von Krisen, Kriegen und technologischen Umbrüchen, ohne dass sie die Verantwortung für die sozialen und ökologischen Folgen ihres Handelns übernehmen.
Die Milliardäre selbst reagieren pragmatisch: Sie suchen sichere Häfen für ihr Vermögen, investieren in Gold, Immobilien und Aktien aus stabilen Industrieländern – immer mit Blick auf maximale Gewinne. Seit der Coronapandemie haben viele von ihnen ihren Wohnsitz verlegt, angelockt von steuerlichen Vorteilen und stabilen politischen Verhältnissen. Länder wie die Schweiz, Singapur oder die Vereinigten Arabischen Emirate profitieren (?) vom Zuzug der Reichen. Doch was bringt dieser Reichtum den Gesellschaften, die diese „Krösusse“ aufnehmen? Kaum etwas, außer steigenden Immobilienpreisen und einer zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich.
Die Erzählung von den „wohltätigen Milliardären“, die der Welt angeblich Gutes tun, ist nicht nur absurd, sondern auch gefährlich. Sie lenkt davon ab, dass es sich um ein System handelt, das Reichtum in den Händen weniger konzentriert und für die Mehrheit bestenfalls Brotkrumen übrig lässt. Der Kapitalismus feiert sich selbst, während er die Gesellschaft immer tiefer spaltet.
QUelle: jugne Welt