Start Internationales Mit gutem Beispiel voran: Gewerkschaftliche Organisierung der türkischen Musikarbeiter

Mit gutem Beispiel voran: Gewerkschaftliche Organisierung der türkischen Musikarbeiter

Es ist bekannt, dass Kolleginnen und Kollegen, die sich im Kulturbereich verdingen, dies vielfach schon vor der Krise unter prekären Bedingungen taten. Diese Situation hat sich mit den Lockdowns weiter verschärft. Während es hierzulande zwar Proteste seitens der Kulturschaffenden gibt, gibt es kaum bis wenig Initiativen, diese seitens der Gewerkschaft im Kampf für ihre Rechte zu organisieren. 

Türkische Einheitsgewerkschaft richtet sich an Musikschaffende

Die türkische Einheitsgewerkschaft geht nun einen anderen Weg: Sie wendet sich an Musikarbeiterinnen und ‑arbeiter und ruft diese dazu auf, sich gegen Unsicherheit, unregistrierte Arbeit, Desorganisation und schlechte Arbeitsbedingungen in der Branche zusammenzuschließen. Im Aufruf heißt es: „Wir sind seit Monaten mit einer tödlichen Pandemie konfrontiert, und alle Kolleginnen und Kollegen in der Musikbranche sind seit Monaten arbeitslos! Die Situation, in der wir uns befinden, wird von Tag zu Tag schlimmer. Infolge der schlechten Arbeitsbedingungen und der Vernachlässigung, die in diesem Bereich seit Jahren fast normal geworden sind, können die Arbeiter des Musiksektors nicht von den Rechten profitieren, die anderen Arbeitern gewährt werden, und sie haben auch keine finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten.“

Die Gewerkschaft macht darauf aufmerksam, das viele Kolleginnen und Kollegen in diesem Bereich nicht krankenversichert seien, da sie in Scheinselbstständigkeit und undokumentierter Arbeit vielfach von sozialen Sicherungssystemen ausgeschlossen sind. Für Arbeiterinnen und Arbeiter der Musikindustrie sei dies teilweise beunruhigender als die Krankheit selbst.

Die Gewerkschaft hält in ihrem Aufruf gegenüber allen Musikern, Roadies, Tontechnikern und alle anderen Beschäftigten der Musikindustrie, fest:

„Ihr seid seit Jahren die Stimme der Orte und Projekte gewesen; ihr habt die Musik zum Publikum gebracht. Aber es gab immer auch andere, die sich daran erfreuten. Bei der kleinsten Krise wurdet ihr zum Schweigen gebracht, ausrangiert, ignoriert und vor die Tür gesetzt. Und mit der Pandemie wird deutlich, dass die Musikschaffenden weder eine gesetzliche Grundlage für ihren Beruf haben noch eine Organisation, um dafür zu kämpfen.

Es ist genug! Wir müssen jetzt insgesamt diese Nicht-Versicherung in der Musikindustrie, die unregistrierte Arbeit, die Desorganisation und Einsamkeit sowie die schlechten Arbeitsbedingungen, die alle Angestellten der Musikindustrie seit Jahren ertragen müssen, beenden. Der Weg dorthin führt über Einigkeit, Organisation und Solidarität. Die Gewerkschaft, nach der ihr euch in der Musikindustrie seit Jahren gesehnt haben, die türkische Einheitsgewerkschaft, ist jetzt auf dem Weg in die Musikindustrie!

Unregistrierte Beschäftigung wird nicht länger das ‚Normale‘ der Musikarbeiter sein. Wir werden nicht zulassen, dass irgendeines unserer Mitglieder ohne Sicherheit und Versicherung arbeitet. Es wird nicht länger akzeptiert werden, dass die Musikarbeiter die ersten sind, die ihre Arbeitsplätze verlieren. Ihre rechtmäßigen Löhne werden nicht länger den Bossen und Zwischenhändlern überlassen werden. Wir werden gemeinsam für die Sicherung von Lohnzahlungen und versicherter Arbeit kämpfen.“

Quelle: Sol International News

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