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Neue Shoa-Gedenkstätte in Wien

Am Wiener Alsergrund wird zum mahnenden Datum des 9. November mit der „Namensmauer“ ein neues Denkmal für die jüdischen Opfer des NS-Faschismus eröffnet.

Wien. Zum 83. Jahrestag der Novemberpogrome von 1938 wird in Wien eine neue Gedenkstätte für die jüdischen Opfer des NS-Faschismus eröffnet. Nach etwa 15 Monaten Bauzeit kommt es am heutigen Dienstag zur Enthüllung der so genannten „Namensmauer“ im Ostarrichi-Park zwischen Nationalbank und Altem AKH. Auf einer Reihe von Gedenksteinen sind die Namen von 64.500 jüdischen Österreicherinnen und Österreichern eingraviert, die von 1938 bis 1945 von den Nazis ermordet wurden. Rund 20 Jahre hat sich der heute 91-jährige Initiator Kurt Yakov Tutter, selbst Holocaust-Überlebender, für die Errichtung des Mahnmals eingesetzt, bis Gemeinde Wien und Republik Österreich dem Ansinnen entsprachen und es ermöglichten. Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) war damit betraut, die Namen und zugehörigen Daten zusammenzustellen, die ab nun sehr direkt an die Opfer erinnern.

Allerdings gab und gibt es auch Misstöne um das Projekt. Tutter selbst ist etwa mit dem Standort nicht gänzlich glücklich, er hätte sich einen Platz in der Nähe des Parlaments gewünscht, wo das Mahnmal potenziell mehr politisches Gewicht gehabt hätte. Einige Historiker sind der Ansicht, dass einerseits eine Namensmauer keine zeitgemäße Form mehr sei, andererseits kritisieren manche die Reduzierung auf Opfer der Nürnberger Rassengesetze, während andere Opfergruppen ausgeklammert seien. Zudem wurde bekannt, dass bei den Errichtungsarbeiten auch eine Baufirma beauftragt worden war, die während der NS-Zeit von der Zwangsarbeit ungarischer Juden profitiert hatte – die heutigen Eigentümer gaben an, davon nichts gewusst zu haben.

Das Wichtigste ist aber wohl, dass es diese neue Erinnerungsstätte nun gibt. Dass es sich „nur“ um ein Shoa-Mahnmal handelt – und nicht um eines gegenüber allen Verbrechen des NS-Faschismus –, ist gewiss kein wirkliches Gegenargument, denn der Genozid an der jüdischen Bevölkerung Österreichs und großer Teile Europas ist zweifellos zentral. Das Gedenken an andere Opfer, darunter politisch Verfolgte, Widerstandskämpfer, Roma, Homosexuelle oder Menschen mit Behinderung, wird dadurch ja keineswegs geschmälert, wenngleich es hier durchaus z.T. einer forcierten Aufarbeitung und auch Sichtbarmachung bedarf. Dass den Verbrechen des Faschismus, aber auch dem diese befördernden Antisemitismus in Wien ein neues Mahnmal entgegengestellt wird, dient dem historischen und antifaschistischen Bewusstsein in der Gesellschaft.

Quelle: Wiener Zeitung

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