Tullnerfeld. Im niederösterreichischen Tullnerfeld herrscht erneut Verunsicherung: Bei den jüngsten Regenfällen stiegen die Pegel der Perschling deutlich an, was die Menschen nach den Hochwassererfahrungen im Vorjahr alarmierte. Vor allem in den Gemeinden entlang des Unterlaufs fühlen sich viele Bewohnerinnen und Bewohner alleingelassen – denn der Umbau des seit Jahrzehnten sanierungsbedürftigen Perschlingdamms kommt nur schrittweise voran.
Die aufgeweichten Böden und die kräftigen Niederschläge führten im Bezirk Tulln vorsorglich zu einem Hochwasser-Voralarm. Der 28 Jahre alte Damm, dessen Mängel offenbar seit langem bekannt sein sollen, wurde zwar an den Bruchstellen notdürftig repariert, doch die umfassende Sanierung ist noch nicht umgesetzt. Im flussaufwärts gelegenen Böheimkirchen (Bezirk St. Pölten) drückte das Hochwasser am Wochenende Abwässer aus den Kanälen in einige Keller. Offenbar verstopfen Gesteinsreste in den Kanalrohren den Abfluss, was die Sache verschlimmert. Eine Reinigung soll zwar erfolgen, aber nicht vor Jahresende – für einige Betroffene unverständlich.
Nach Einschätzung von Martin Angelmaier, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft beim Land Niederösterreich, werden solche Szenarien künftig häufiger: Längere Trockenphasen gefolgt von starkem Regen überlasten kleinere Flüsse wie die Perschling. Damit das Wasser besser versickert, plädiert Angelmaier dafür, Äcker das ganze Jahr zu begrünen und im Siedlungsraum mehr Entsiegelungsflächen zu schaffen.
Der Perschlingdamm, der im Vorjahr an mehreren Stellen nachgegeben hatte, soll umfassend erneuert werden. Laut Rudolf Friewald, Obmann des Wasserverbandes Perschling-Unterlauf, laufen jedoch immer noch Untersuchungen, um den Boden zu prüfen und mögliche Kriegsmittel aufzufinden. Während das Projekt behördlich genehmigt und finanziell abgesichert ist, könne der Baustart erst dann erfolgen, wenn die Detailplanung vollständig vorliegt.
Wenn alles nach Plan verläuft, soll die Ausschreibung für die Bauarbeiten im Herbst starten. Bis Ende 2027 könnte der erste Sanierungsabschnitt – von der Donau bis nach Atzenbrugg – abgeschlossen sein. Anschließend sollen die anderen Bereiche folgen.
Quelle: ORF