HomePolitikBilanzskandal mit Folgen – und Profiteuren

Bilanzskandal mit Folgen – und Profiteuren

Weitreichende Folgen hat die behördliche Schließung der Commerzialbank Mattersburg sowohl für etliche Firmen als auch Gemeinden der Region. Die Zukunft des Fußball-Bundesligisten sieht düster aus.

Mattersburg. Vor einigen Tagen flog die Bilanzfälschung bei der Commerzialbank Mattersburg auf, die Folgen sind derzeit noch immer nicht abzuschätzen. Sicher scheint jedenfalls, dass die Einlagensicherung für die Verluste der Kunden bis zu einer Höhe von 100.000 Euro einspringt. Die Einlagensicherung AUSTRIA Ges.m.b.H finanzieren alle Banken über Pflichtbeiträge (ausgenommen die Erste Bank und Sparkasse, die in eine eigene Sicherungseinrichtung einzahlen) – die Kosten dafür werden von den Banken natürlich indirekt an die Kunden weitergegeben. Die Kunden der nun geschlossenen Bank müssen jetzt rasch neue Konten eröffnen, damit ihr Gehalt und die Entschädigung überwiesen werden können. Sparer bis 100.000 Euro dürften also mit bürokratischem Aufwand davonkommen.

Bei der Commerzialbank Mattersburg verlieren nun mehrere Unternehmen und auch Gemeinden und Sparer mit einem Vermögen über 100.000 Euro ihr Geld. So ist etwa die Arbeitergemeinde Hirm betroffen. Ob auch die Gemeinde Krensdorf – deren ehemaliger ÖVP-Bürgermeister Josef Giefing Aufsichtsratsvorsitzender der Bank ist – dort ein Konto hat, ist noch unklar. Neben Konzert-Kapitalist Ewald Tatar, Organisator des Nova Rock Festivals, hat auch die Energie Burgenland, die sich im Besitz des Landes befindet, Millionen durch den Bilanzskandal verloren. Die fünf Millionen muss der Energieversorger nun wohl abschreiben.

Bundesligist ist Pleite

Negative Konsequenzen hat der Bilanzskandal auch für die SV Mattersburg, der Fußballverein erhält laut Insider-Informationen etwa 80 Prozent seiner Finanzmittel vom Hauptsponsor Commerzialbank Mattersburg. Zweitgrößter Sponsor ist der Dachdecker-Betrieb Zimmermann, deren Chef Ernst Zimmermann im Aufsichtsrat der Bank saß und dessen Firmenvermögen auch bei der Bank liegen soll. Der SVM drohen damit ein schwieriges Lizenzierungsverfahren der Bundesliga und schlimmstenfalls der Zwangsabstieg aus der ersten Leistungsklasse, entsprechend dringend sucht man beim besten Fußballverein im Burgenland nach neuen Sponsoren.

Die Commerzialbank Mattersburg wurde aus der Raiffeisenbank herausgelöst, beteiligt sind daran zahlreiche Unternehmer aus der Region, die teilweise auch im Vorstand vertreten sind. Vorstandsvorsitzender Martin Pucher trat inzwischen von seiner Funktion zurück und erstattete Selbstanzeige, was bei einem möglichen Prozess wohl strafmildernd wirken soll. Der ehemalige Präsident der SV Mattersburg sowie der österreichischen Fußball-Bundesliga gilt als gesundheitlich angeschlagen, weshalb er womöglich als haftunfähig gelten könnte. Pucher ist bei mehreren Unternehmen als Gesellschafter tätig und hält zahlreiche Vermögensbeteiligungen.

Wie der Bilanzbetrug so lange unendeckt bleiben konnte, ist derzeit Gegenstand von Ermittlungen. Dabei wurden auch Hausdurchsuchungen durchgeführt, Pucher wurde bereits einvernommen und befindet sich auf freiem Fuß. Inwiefern er in die dubiosen Vorgänge, die schließlich zum Lizenzentzug führten, involviert war und wer die Mittäter sind, ist nach heutigem Stand noch unklar. Dass der Vorstandsvorsitzende an den illegalen Vorgängen in der Commerzialbank Mattersburg unbeteiligt war, darf allerdings angezweifelt werden. Dennoch gilt die Unschuldsvermutung.

Wirecard auf burgenländisch

In den Büchern der Bank schienen Gelder auf, die es nie gegeben haben dürfte – ähnlich wie beim Fall Wirecard, nur in einer kleineren, burgenländischen Größenordnung. In beiden Fällen scheint jedenfalls unumstritten: Vom Bilanzbetrug muss jemand profitiert haben. Die Schuldfrage wird von einem Gericht zu klären sein. Augenscheinlich wird bei den kriminellen Machenschaften, sowohl in der 7.000-Einwohner-Gemeinde als auch beim bis zum Auffliegen stärksten Unternehmen des deutschen Aktien-Leitindex DAX, wie recht Bertolt Brecht doch hatte: „Bankraub ist eine Unternehmung von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank.“

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