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Home-Schooling verursacht Bildungslücken

Auch in Kärnten melden Nachhilfeinstitute eine größere Nachfrage und verzeichnen drastische Bildungs- und Wissenslücken bei von einem Jahr Home-Schooling betroffenen Kindern und Jugendlichen.

Klagenfurt/Villach. Nach den ersten Schularbeiten dieses Semesters verzeichnen Nachhilfeinstitute in Kärnten große Wissens- und, allgemeiner gesprochen, Bildungslücken bei Schülerinnen und Schülern. Zurückzuführen seien sie vor allen Dingen auf das vergangene Jahr im Home-Schooling, das sich im Zuge der Coronavirus-Pandemie ausgebreitet hat. Bei manchen Schülern bestehe ein sehr gravierenden Nachholbedarf. Vor allem in Mitleidenschaft gezogen sehen Nachhilfeinstitute Schülerinnen und Schüler, die entweder von einem Schulwechsel betroffen sind (d.h. Wechsel von einer Schule in die andere, aber auch Wechsel von der Volksschule zur Unterstufe und analog Wechsel von der Unterstufe in die Oberstufe) oder überhaupt Schulanfängerinnen und ‑anfänger sind. Kinder, die etwa erst eingeschult werden, sehen sich von Anfang an ihrer schulischen Laufbahn mit den Problemen der Krise und Distance-Learning konfrontiert und haben bis dato ihre Lehrerinnen und Lehrer live nicht wirklich kennengelernt. Die Verantwortung für Schulbildung wird immer mehr auf den dafür unvorbereiteten Privathaushalt verlagert, was auch seine negativen Resultate zeigt.

Notwendigkeit von Nachhilfe wächst

Wolfgang Lindner von der Schülerhilfe Villach und St. Veit berichtet von gestiegenen Anfragen: „Wir haben jetzt gemerkt durch die Rückkehr in den Präsenzunterricht an den Schulen, dass verstärkt Anfragen kommen. Das zieht sich über alle Standorte hinweg.“ Lindner sprach außerdem davon, dass viele die Perspektive verloren hätten.

Astrid Bergmann, Zuständige für das Lernquadrat Klagenfurt spricht von einem riesigen Aufholbedarf bei vielen Schülerinnen und Schülern: „Jetzt im Moment hab ich sehr viele Schüler weil einfach mittlerweile die ganze Situation schon ein Jahr lang andauert und die Lücken und der Aufholbedarf riesig ist.“ Sie geht davon aus, dass man beim Lernstoff mindestens ein Jahr zurückgehen müsse, damit Schüler, die den Anschluss verloren haben, wieder integriert werden könnten. Nicht nur laste bereits jetzt ein großer Druck auf Schülerinnen und Schüler, mit dem Tempo des Lernstoffs mitzuhalten, sondern der Druck würde auch mit der Zeit immer größer.

Tendenz nicht neu

Dadurch, dass die Verantwortung für Bildungs- und Wissensvermittlung immer mehr in den privaten Bereich verlagert wird, der sich um Arbeit und Reproduktionsarbeit (hiervon sind v.a. Mütter betroffen) zugleich kümmern muss, verstärkt sich die Nachfrage nach Nachhilfeunterricht. Diese Tendenz ist nicht neu, im Juni letzten Jahres berichtete die ZdA vom Nachhilfeanstieg in Tirol: „Eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer Tirol zeigt, dass jeder dritte Schüler Nachhilfe in Anspruch nimmt. Das sind mit 24.000 Schülerinnen und Schülern somit 7.000 mehr als im Vorjahr. Alleine in Tirol wurden 6 Millionen Euro für Nachhilfe ausgegeben, pro Nachhilfeschüler sind dies 460 Euro. Der Betrag pro Schülerin und Schüler scheint durch Corona gesunken zu sein.“ Dabei wird Bildung in Österreich weiterhin vererbt, d.h. Schul- und Bildungserfolg hängen besonders stark von der Herkunft ab, die dafür zuständig ist, ausreichend ökonomische Ressourcen für die Schulbildung des Kindes vorzuweisen.

Die Vorteile wiegen die Nachteile nicht auf

Von Nachhilfeinstituten in Kärnten wird, neben den vielen Nachteilen des Home-Schoolings, jedoch hervorgehoben, dass sich im Kontext der Pandemie auch „positive Entwicklungsschritte und neue Kompetenzen für Kinder und Jugendliche“ ergeben hätten, so etwa gesteigerte Disziplin, Zeitmanagement und Selbstorganisation bei Kindern. Aber auch diese Errungenschaften sind im Grunde sehr kritisch zu betrachten, wenn man bedenkt, dass durch Prozesse der Bildungsökonomisierung Kinder, Jugendliche und Studierende nicht zum Zweck von Allgemeinbildung und Wissensvermittlung ausgebildet werden, sondern darum, so bald als möglich für das Kapital bereitwillig, unkritisch und produktiv zu sein. So äußern sich die positiven Entwicklungsschritte wie Selbstorganisation und Zeitmanagement vor allem positiv für den zukünftigen Arbeitgeber, Bildung und Wissen spielen dabei eine nachgeordnete Rolle. Wenn Kindern immer weniger Bildung zugeführt wird, so ist das eben ihre Sache – ein Mangel an Selbstorganisation.

Quelle: ORF

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