Start Politik Rassismus in Tiroler Wirtschaftskammer

Rassismus in Tiroler Wirtschaftskammer

In Innsbruck machte der Wirtschaftskammerobmann somalische, türkische und jugoslawische Lokale für die steigende Zahl an Corona-Infektionen verantwortlich – nun musste er verdientermaßen zurücktreten.

Innsbruck. Karl Ischia, Handelsunternehmer und seit 2015 Bezirksobmann der Wirtschaftskammer Innsbruck-Stadt sowie Aufsichtsrat im Stadtmarketing, musste nun von seinen Funktionen zurücktreten. Im Zuge der jüngsten Corona-bedingten Vorverlegung der Sperrstunde in der westösterreichischen Gastronomie auf 22.00 Uhr hatte er ein Facebook-Posting rassistischen Inhalts abgesetzt. In diesem vertritt er die Ansicht, es hätten lediglich die „Somalier‑, Türken‑, Jugo-Clubs“ zugesperrt werden müssen, da nur in diesen „Infektionen nach Mitternacht stattgefunden“ hätten. Demgegenüber wären offenbar die nun betroffenen Hotels, Restaurants und Bars, die von migrationsfreien Tirolern geführt werden – und der WK-Obmann sieht sich anscheinend ohnedies nur für diese zuständig –, zu Unrecht zum Handkuss gekommen, da sie im Gegensatz zu von Migranten betriebenen und besuchten Lokalen für SARS-CoV-2-Schutzmaßnahmen sorgen würden.

Nachdem dieses hetzerische Posting rasch empörte Reaktionen hervorgerufen hatte, wurde es von Ischia wieder gelöscht, doch der Screenshot ist eine lästige Erfindung für ertappte Rassisten. Natürlich wollte sich der Innsbrucker Unternehmer des ÖVP-Wirtschaftsbundes darauf herausreden, falsch verstanden und fehlinterpretiert worden zu sein. Dies ließ WK-Landesobmann Christoph Walser nicht gelten – nach einer Aussprache bezeichnete er Ischias Äußerung als „inakzeptabel“ und „Diffamierung“, im Ergebnis folgte dessen sofortiger Rücktritt von seinen Ämtern. Der nun ehemalige WK-Funktionär hatte in der Vergangenheit bereits ein rigoroses Vorgehen gegen Obdachlose und Bettler in Innsbruck gefordert sowie verkehrsberuhigende Maßnahmen als „wirtschaftsschädlich“ abgelehnt – auch zuletzt während der Corona-Epidemie, als breitere Gehsteige besseres Abstandhalten ermöglichen sollten. Seine wenig menschenfreundliche Linie dürfte Herr Ischia nun also nur konsequent auf die fremdenfeindliche und rassistische Spitze getrieben haben.

Quelle: Tiroler Tageszeitung

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