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Virusgefahr unten am Fluss

Im Schatten der CoViD-19-Epidemie grassiert in Wien derzeit ein weiteres tödliches Virus. Es trägt den Namen RHDV und dezimiert die wildlebende Kaninchenpopulation an der Donau.

Wien. Wer in der österreichischen Bundeshauptstadt gelegentlich am rechten Donaustrand zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs ist, hat sie vermutlich schon einmal gesehen: Wiens freilebende, zahlenmäßig gut dreistellige Kaninchenkolonie, die sich in den vergangenen Jahrzehnten zwischen Handelskai und Flussufer angesiedelt hat. Völlig unbekümmert hoppeln sie in aller Ruhe neben entenfütternden Spaziergängern und Radfahrern umher, ihre Erdbauten haben sie in unmittelbarer Nähe in die großzügigen Grünflächen, bei den Bäumen und Büschen, gegraben. Nahrung gibt es genug und der typische Wiener Großstadtmensch stellt keine Gefahr dar: Im Gegensatz zur österreichischen Landbevölkerung betätigt er sich kaum als Jäger und hat für befellte Tiere bisweilen sogar weitaus mehr Sympathie übrig als für seine Mitmenschen. Trotzdem ist das urbane Kaninchenidyll bedroht, nämlich durch einen unsichtbaren Feind, der im Jahr 2020 in ähnlicher Form auch der Menschheit auflauert: eine hochinfektiöse Viruserkrankung könnte die Kaninchen nun massiv dezimieren.

Infektionsrisiko und Epidemiegefahr

RHDV heißt das Virus, was für „Rabbit Haemorrhagic Disease Virus“ steht. Es geht, nicht unähnlich zu Ebola, also um eine hämorrhagische Krankheit. Bei ihrem Ausbruch kommt es zu einer Störung der Blutgerinnung, Blutungen in allen Geweben und insbesondere in den Atemwegen, im Magen und Darm. Leberentzündungen, Fibrosen und zentralnervöse Krämpfe tun ihr Übriges. Binnen 48 Stunden nach einer Inkubationszeit von einem bis drei Tagen führt die Erkrankung in aller Regel zum Tod. Und hoch ansteckend ist die Seuche allemal: Kaninchen stehen bekanntlich auf zwischentierischen Kontakt und halten nichts von Abstandsregeln, was Neuinfektionen natürlich begünstigt. RHD gilt veterinärmedizinisch als unheilbar, jedoch wurde ein Impfstoff entwickelt, der allerdings für Hauskaninchen gedacht ist – nicht für freilebende Artgenossen. Die Epidemie kehrt in der Handelskai-Kolonie halbwegs regelmäßig wieder, zuletzt gab es 2016 einen großen Ausbruch mit 130 Todesopfern. Nun, im Jahr 2020, droht abermals eine große Welle. Das Magistratische Veterinäramt sowie der Forstschutz der Gemeinde Wien beobachten die Situation jedenfalls aufmerksam. Für Menschen besteht übrigens keine Gefahr: Bislang wurde noch nie eine Zoonose, d.h. ein Überspringen des RHDV vom Tier zum Homo sapiens beobachtet. Bleibt zu hoffen, dass dies auch etwaigen Mutationen nicht gelingt – und dass die Kaninchenseuche generell nicht zur dystopischen Allegorie für die Zukunft der Menschheit wird.

Quelle: ORF

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