Eisenstadt. In Ungarn und der Slowakei breitet sich derzeit die Maul- und Klauenseuche (MKS) aus, was auch in Österreich große Vorsicht auslöst. Um ein Übergreifen des hochansteckenden Virus auf heimische Bestände zu verhindern, werden nun im Burgenland erste Desinfektionsmaßnahmen an den Grenzübergängen zu Ungarn umgesetzt und vorübergehend 24 Grenzübergänge geschlossen. Auch in mehreren Bundesländern sind Veranstaltungen abgesagt und Streichelzoos gesperrt worden.
Seit Freitagabend sind Teile des Bundesheers im Einsatz, um an den Autobahngrenzübergängen Kittsee und Nickelsdorf Desinfektionsmaßnahmen durchzuführen. Unter anderem werden sogenannte „Seuchenteppiche“ ausgelegt, auf denen Fahrzeuge passieren, um mögliche Krankheitserreger nicht weiter zu verbreiten. Dies gab der Krisenstab des Landes Burgenland bekannt. Vorläufig bleiben 24 weitere Grenzübergänge geschlossen.
In Niederösterreich und Salzburg wurden Rinderschauen teils kurzfristig abgesagt. So findet die geplante Rinderschau Pielachtal nicht statt, wie der NÖ Genetik Rinderzuchtverband mitteilte. Auch eine Zuchtrinder-Versteigerung in Bergland (Bezirk Melk) fiel aus. Laut Veranstaltern wolle man so das Risiko vermeiden, dass bei einem positiven Fall sämtliche Betriebe als Kontaktbetriebe eingestuft würden.
Auch Besuchs- und Kontaktmöglichkeiten bei Klauentieren sind an einigen öffentlichen Einrichtungen stark beschränkt. In Schloss Hof (Bezirk Gänserndorf) wurden Streichelzoos abgeriegelt, zusätzliche Seuchenteppiche und Handdesinfektionsmittel stehen für Besucherinnen und Besucher bereit. Zudem sind manche Rad- und Gehwege rund um das Areal gesperrt. Ähnliche Maßnahmen gelten für den Tierpark Herberstein in der Steiermark, wo man vorsorglich den Streichelzoo schloss.
In Wien hält das beliebte Ausflugsziel Landgut Cobenzl vorerst seine Pforten geschlossen. Vorangemeldete Gruppen dürfen nur unter streng kontrollierten Bedingungen aufs Gelände. Man wolle vermeiden, dass Besuchende zu nahe an Rinder und andere Klauentiere herankommen, teilte der Betrieb mit.
In Salzburg stellt sich die Landesagrarbehörde laut Leiter Franz Moser bereits auf mögliche Desinfektions- und Schutzmaßnahmen ein, da künftig „längere Trockenphasen von Phasen mit starkem Regen abgelöst“ würden und in der bevorstehenden Oster-Reisezeit besonders viele Menschen unterwegs seien. Befürchtet wird, dass die Maul- und Klauenseuche über Personen oder Fahrzeuge eingeschleppt werden könnte. In Oberösterreich ist unter anderem der Streichelzoo im Zoo Schmiding gesperrt, während man in Innsbruck (Alpenzoo) und in Kärnten noch keine Restriktionen verfügt hat. Allerdings betonte der Alpenzoo, dass man vorbereitet sei, sollten behördliche Warnungen sich verschärfen.
Die Landwirtschaftskammer (LKÖ) appellierte, Reisende sollten derzeit von nicht notwendigen Fahrten in von MKS betroffene Gegenden Ungarns oder der Slowakei absehen. Ferner sei zu empfehlen, keine fremden Ställe zu betreten und generell Abstand von Klauentieren zu halten. Schon eine vermeintlich harmlose Begegnung könne ausreichen, um das Virus zu verschleppen.
Die österreichische Hagelversicherung hat wegen des erhöhten Risikos kurzfristig sämtliche Neuversicherungen von Tierbeständen eingestellt. Bestehende Versicherungen gelten zwar weiter, aber für Neukunden wird bis auf Weiteres kein Schutz angeboten. In einer Stellungnahme betonte man, dies sei eine vorübergehende Entscheidung, um in einer „akuten und außergewöhnlichen Gefährdungslage“ mögliche Risiken einschätzen zu können.
Quelle: ORF