HomeFeuilletonGeschichteVor 1.220 Jahren: Abul Abbas in Aachen

Vor 1.220 Jahren: Abul Abbas in Aachen

Am 20. Juli des Jahres 802 ging’s im frühmittelalterlichen Aachen hoch her: Kaiser Karl der Große empfing endlich wieder jene diplomatische Delegation, die er im Vorjahr nach Bagdad entsandt hatte. Die Gruppe unter der Führung des jüdischen Kaufmannes Isaak von Narbonne kehrte jedoch nicht nur mit den besten Grüßen vom arabischen Abbasiden-Hof zurück, sondern Kalif Harun ar-Raschid hatte ihr auch ein besonderes Geschenk mit auf den langen Weg über Palästina und Italien zurück ins Frankenreich gegeben: Ein ausgewachsener Indischer Elefant ging in den Besitz Karls des Großen über.

Das tonnenschwere und meterhohe exotische Rüsseltier sorgte freilich für erhebliches Aufsehen, als es plötzlich vor der kaiserlichen Residenz stand und dort einzog. Der Elefant hörte (oder auch nicht) auf den Namen Abul Abbas – eine Reminiszenz des Abbasiden-Kalifen an den Dynastiebegründer Abu l‑Abbas as-Saffah. Mit dem Eintreffen in Aachen wurde der asiatische Dickhäuter zum ersten namentlich bekannten und urkundlich belegten Elefanten nördlich der Alpen (wenn man Hannibals Überquerung derselben nicht gelten lässt) und gewissermaßen zum ersten Gattungsvertreter der Elephantidae im germanisch-deutschen Europa seit dem Aussterben des Mammuts.

Karl der Große soll jedenfalls begeistert gewesen sein: Er führte Abul Abbas in weiterer Folge oft mit seinem Tross mit, sozusagen als lebende Machtinsignie – schließlich war er nun der einzige europäische Herrscher mit seinem eigenen Elefanten, und da verblasst selbst die von Papst Leo III. zwei Jahre zuvor verliehene Kaiserkrone. Fraglich ist allerdings, wie artgerecht das Tier gehalten wurde, jedoch dürfte es eine Legende sein, dass der Elefant von Karl gegen die aufmüpfigen Friesen als Kriegswaffe eingesetzt worden wäre.

Man weiß zwar nicht, wie alt Abul Abbas bei seiner Ankunft in Aachen war, doch dürften die beschwerlichen Reisen und die harten abendländischen Winter sein Leben nicht unbedingt verlängert haben. Normalerweise kann ein Indischer Elefant (Elephas maximus indicus) über 40 Jahre alt werden, doch dem Geschenk des Kalifen waren nur acht Jahre in Europa beschieden. Im Jahr 810 ist Abul Abbas – angeblich nach einer anstrengenden Rheinüberquerung – verendet. Der trauernde Kaiser überlebte sein imposantes Lieblingshaustier lediglich um vier Jahre.

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