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Oktoberstreik und Putschlüge

Auszug aus Helmut Zenkers zeithistorischem Roman „Kassbach oder Das allgemeine Interesse an Meerschweinchen“ (1974)

1950. Im September beginnen nach der Verlautbarung des vierten Lohn-Preis-Paktes die Arbeiter der Steyr-Werke zu streiken. Der Streik breitet sich rasch auf die niederösterreichischen, obersteiermärkischen und oberösterreichischen Betriebe und auf über 200 Betriebe in Wien aus. Dieser Streik wurde und wird als kommunistischer Putschversuch bezeichnet. Diese Lüge ist längst in Schullektüren zu finden. Kassbach hat ein selbstverständliches Interesse, dass an dieser Lüge nicht gerüttelt wird, obwohl er selbst nicht an sie glaubt. Für ihn bestehen die damaligen Ereignisse in der Erinnerung an ein einziges Erlebnis, das er gelegentlich schildert und als läppisch bezeichnet: Am Abend des 2. Oktober 1950 ist er in einem Ringwagen der Straßenbahn gesessen. Eine größere Gruppe von Arbeitern hat die Straßenbahn aufgehalten und den Beiwagen aus den Schienen geschoben. Dann sind die Arbeiter weiter (Richtung Parlament) gelaufen. Die Passagiere sind ausgestiegen, die männlichen Passagiere haben den Wagen wieder auf die Schienen gerückt. Die Straßenbahn konnte weiterfahren.

Walter und Erwin waren damals bereits im September in den vom Präsidenten der Bauarbeitergewerkschaft Franz Olah organisierten Schlägertrupps, die gezielt Aktionen gegen streikende Arbeiter durchführten. Kassbach ist überzeugt, dass es sich nur um einen ausgiebigen Streik gehandelt hat, der eine direkte Reaktion auf die Lohn-Preis-Pakte (auf die Wiedererrichtung der Bereicherungs- und Unterdrückungsprivilegien unter der Bezeichnung Wiederaufbau) gewesen ist. Seiner Meinung nach kann es sich niemals um einen Putschversuch gehandelt haben. So blöd sind sie nicht gewesen, sagt er noch heute im Kreis der Kameraden.

Kassbach erinnert sich noch an die Worte des damaligen Innenministers Helmer, der gesagt hat: Aus unwiderlegbaren Tatsachen ist es zu beweisen, dass es sich bei dem Ringen der letzten Tage und Wochen nicht um einen Lohnkampf gehandelt hat. Es ging um den Bestand der Republik.Von den unwiderlegbaren Tatsachen war später nie wieder die Rede. Geblieben ist die nützliche Putschlüge: das antikommunistische Standardargument, ein taugliches Instrument gegen außergewerkschaftliche Arbeiteraktivität, ein schlagendes Argument gegen jedes gemeinsame Auftreten von Sozialdemokraten und Kommunisten.

Quelle: kassbach​.info

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