HomeFeuilleton"Menstruierende Personen", was soll das sein?

„Menstruierende Personen“, was soll das sein?

Wird diese neue Begrifflichkeit weitergedacht, dann gehören viele Frauen nicht dazu. Nicht alle Frauen menstruieren, und das kann vielfältige Gründe haben, so zum Beispiel die Wechseljahre, die operative Entfernung der Gebärmutter, Stress, Krankheit und vieles mehr. 

Washinton. Die bekannte Vertreterin des nicht ganz so rechten Flügels (von links zu sprechen, wäre vermessen) der US-amerikanischen Demokratischen Partei, Alexandra Ocasio-Cortez, die auch Mitglied des Repräsentantenhauses ist, hat den Begriff kürzlich in einem Fernsehinterview verwendet: „Menstruierende Personen“. Ein Begriff, der für Kontroversen und für Verwirrung sorgt, auch in Europa.

Die Verwendung dieses Begriffs, so erfährt man schnell mit ein wenig Recherche, soll sicherstellen, dass auch Menschen, die sich selbst als Männer, oder als nicht-binär definieren, aber weibliche Geschlechtsmerkmale besitzen, und ihren Körper nicht durch die Einnahme von Hormonen oder eine Operation verändern wollen, mit gemeint sind. Der Begriff ist also inklusiv gemeint und soll nicht nur Frauen bezeichnen.

Begriff schließt viele Frauen aus

Wird diese neue Begrifflichkeit weitergedacht, dann gehören viele Frauen nicht dazu. Nicht alle Frauen menstruieren, und das kann vielfältige Gründe haben, so zum Beispiel die Wechseljahre, die operative Entfernung der Gebärmutter, Stress, Krankheit und vieles mehr.

Es wird also ein Begriff geschaffen, der nicht als Bezeichnung für alle Frauen geeignet ist, sondern für einen Teil der Frauen und einen ganz kleinen Teil von Frauen, die sich als nicht-binäres (also eindeutig Mann oder Frau) Geschlecht oder als Männer definieren. Im selben Interview verwendet Ocazio-Cortez einmal den Begriff „menstruierende Personen“ und ein andermal den Begriff „Frauen“, obwohl das nachweislich nicht ident sein kann, was wohl zeigt, dass bei ihr selbst noch Verwirrung über die neue Begrifflichkeit besteht.

Es ist zu vermuten, dass sich die allermeisten Menschen auch weiterhin entweder als Männer oder als Frauen im Sinne ihres biologischen Geschlechts definieren, ganz unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung. Und im Kapitalismus wird die besondere Ausbeutung und Benachteiligung der Frauen auch kein Ende finden, indem sich diese nicht als solche definieren.

Kampf um Gleichberechtigung ist Klassenkampf

Die Frauenbewegung proletarischer Ausprägung, die Seite an Seite mit den Männern für eine Überwindung der kapitalistische Gesellschaft kämpft, hat sich also nicht überlebt, sondern ist auch heutzutage sehr wichtig und notwendig. Das Aufzeigen von geschlechtsspezifischen Ungleichheiten in der Bezahlung, im Beruf, in der Aufteilung der Haushaltsführung und Kindererziehung ist Teil des Klassenkampfes. Kampf um Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist Klassenkampf.

Neue Begriffe, die Menschen über die Menstruation definieren, scheinen auf den ersten Blick eine Inklusion zu sein. In Wahrheit dienen sie aber der Verschleierung der Geschlechterverhältnisse als Klassenverhältnisse. 

„Klassismus“ oder Klassen?

Der liberale Mainstream, zu dem auch der progressivere Flügel der US-amerikanischen Demokraten zählt, erfindet gerne neue Begriffe, um die wahren Verhältnisse zu verschleiern. Ein weiterer solcher ist „Klassismus“. Damit wird gerne snobistisches oder herablassendes Verhalten von Reichen gegenüber niedrigeren sozialen Schichten beschrieben. Auch dieser Begriff schrammt an der kapitalistischen Wirklichkeit vorbei, und entspricht in etwa den Vorstellungen von Klassenkampf, die sich auf den oder die Reichen als unsympathische Person fokussiert. Dabei ist es unwichtig, ob sich Reiche als Mäzene, als Wohltäter oder als Zyniker verhalten. Entscheidend ist: Reichtum ist ab einer gewissen Größenordnung Diebstahl an der Gesellschaft, ganz egal, wem er gehört. Er entzieht uns allen Geld, das allen gehören und mit dem sinnvolles getan werden könnte. Die Enteignung der Reichen ist daher keine Frage der Sympathie oder Antipathie, auch wenn sich manche Reiche in der Öffentlichkeit als ganz besondere „Ungustln“ präsentieren.

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