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Fußball-EM: Rassismus in Ungarn, Pride in Bayern

Auch die Europameisterschaft der Fußballer ist politisch und Ausdruck von Verhältnissen: In Ungarn wird rassistisch gepöbelt, die UEFA interessierte sich zunächst aber mehr für deutsche LGBT-Botschaften.

Budapest/München. In der mit rund 60.000 Menschen vollbesetzten Budapester Puskás-Arena kam es am vergangenen Samstag zum EM-Gruppenspiel zwischen Gastgeber Ungarn und Weltmeister Frankreich. Die einheimischen „Fans“ hatten bereits im freundschaftlichen Vorbereitungsmatch gegen Irland das antirassistische BLM-Bekenntnis der Gäste ausgebuht und ausgepfiffen, wie wir berichteten. Dies ließ schon im Vorfeld Trauriges erwarten, und nun muss man feststellen: Leider hat eine relevante Zahl der ungarischen Zuseher tatsächlich auch bei der Europameisterschaft die schlimmsten Befürchtungen erfüllt: Die dunkelhäutigen französischen Spieler Kanté, Mbappé und Pogba wurden bei annähernd jeder Ballberührung mit „Affenlauten“ bedacht, denn für diese ungarischen Rassisten sind Menschen mit afrikanischen Vorfahren eben auf einer Stufe mit Primaten aus dem Dschungel angesiedelt.

Rassismus-Dschungel in Budapest

Freilich sagen diese „U‑u-u!“-Laute der Ungarn mehr über sie selbst aus als auch nur irgendwie über die genannten Topstars aus Frankreich: Gäbe es in Ungarn ein besseres Bildungssystem, so wüssten diese Rassisten vielleicht, dass ausnahmslos die gesamte Menschheit aus Afrika stammt – auch die stolzen Magyaren, trotz ihres asiatischen Umweges. Und wäre nicht ein Großteil der ungarischen Politik auf Migranten- und Ausländerfeindlichkeit, Diskriminierung von Minderheiten und einem grotesken nationalistischen Chauvinismus aufgebaut, könnte die Stimmung im Land vielleicht auch eine andere sein. Nun, man wird sehen, was der europäische Fußballverband UEFA unternimmt: In Budapest soll am kommenden Mittwoch noch das Gruppenspiel zwischen Frankreich und Portugal stattfinden – und am Sonntag in einer Woche das Achtelfinale zwischen den Niederlanden und einem Gruppendritten: durchwegs Partien mit vielen dunkelhäutigen Akteuren. Sollte man die eigenen Antirassismus- und „Respekt“-Kampagnen ernst meinen, so müsste die UEFA Konsequenzen ziehen.

Manuel Neuer mit Regenbogen-Binde

Ermittlungen nahm die UEFA jedoch vorerst in einem anderen Fall „politischer Äußerung“ auf: DFB-Teamkapitän und Torwart Manuel Neuer trug in den bisherigen beiden Münchener Spielen der BRD (0:1 gegen Frankreich, 4:2 gegen Portugal) eine Kapitänsschleife in Regenbogenfarben, im Pride-Monat Juni freilich ein Zeichen gegen LGBT-Diskriminierung. Zum Glück war’s der UEFA dann im Zuge der Untersuchung doch zu blöd, daraus einen Problemfall zu machen: Grundsätzlich müssen die Einheitsschleifen der UEFA getragen werden, doch Neuers Regenbogen-Binde sei „eine gute Sache“. Am kommenden Mittwoch trifft Neuer mit der deutschen Elf in München zum abschließenden Gruppenspiel auf – Ungarn. Wie passend. Offenbar gibt es Überlegungen, die durch Lichteffekte farblich unterschiedlich leuchtende Außenhülle des FCB-Stadions diesmal in den Regenbogenfarben erscheinen zu lassen, quasi als besonderen Gruß an Ungarn, wo kürzlich ein Anti-LGBT-Gesetz beschlossen wurde. So oder so: Wir wollen hier entschiedenermaßen mal auf einen deutschen Sieg hoffen – und sowas sagt man in Österreich wahrlich selten und keinesfalls leichtfertig.

Quelle: FAZ / FAZ

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