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„Zu Gast im eigenen Stadion“

Innsbruck. Mit „Zu Gast im eigenen Stadion“ übertitelt Tivoli Nord Innsbruck, der offizielle Auftritt der organisierten Fanszene des Fußballvereins FC Wacker Innsbruck, eine Stellungnahme zur aktuellen Situation im Tivoli Stadion. Die Fanszene hatte in letzter Zeit immer wieder auf der Tribüne mittels Spruchbändern auf die schwierige Situation mit den Betreibern des Stadions, der Olympiaworld Innsbruck, hingewiesen. In einer Erklärung haben die Fans jetzt ausführlicher erläutert, welche Probleme es gibt, und ihre Sicht der Dinge dargelegt.

Bereits seit vielen Jahren gibt es Schwierigkeiten mit der Olympiaworld Innsbruck. Die Vertreter von Tivoli Nord berichten, dass ihnen bereits vor Jahren von der Olympiaworld ein Lagerraum für ihre Materialien genommen wurde, außerdem wurde mit dem Wacker-Zelt eine Möglichkeit gestrichen, vor und nach den Spielen zu feiern. Als Alternative erhielt die Fanszene einen grünen Container. Vom Catering bei den Spielen bräuchte man gar nicht erst anzufangen, diese bewegt sich den Fans zufolge seit Jahren auf einem Niveau, dass man lieber vor und nach den Spielen konsumiert als im Stadion. Auch das führte zu Konflikten mit den Stadionbetreibern, da im Container Bier eingekühlt wurde und an Spieltagen gegen Spenden an Fans abgegeben wurde, was der Olympiaworld freilich nicht passte. 2020 wurde schließlich der Mietvertrag für den Container von Seiten der Olympiaworld gekündigt, bei einem Gesprächstermin mit den Betreibern erfolgte aber immerhin eine Zusage, dass er genutzt werden könnte, bis die Olympiaworld einen alternativen Lagerplatz zur Verfügung stellt. Zukünftig sollte immer der direkte Kommunikationsweg beschritten werden.

Spruchband der Fans beim Spiel gegen Lafnitz am 6. August. (Bildquelle: Tivoli Nord Innsbruck)

Von Seiten der Betreiber wurde die Lage danach jedoch erneut eskaliert, der Anlass war das Heimspiel gegen Austria Klagenfurt Ende April dieses Jahres. Bei diesem erleuchteten Feuerwerkskörper kurzzeitig den Nachthimmel, einer davon entzündete ein Stück Stoff am Stadiondach. Die Betreiber forderten als Konsequenz die Fanclubs dazu auf, den Container zu räumen, und stellten die Kommunikation mit ihnen ein. Für die Fans hat dies nicht nur große Bedeutung, weil ihnen nun ein Treffpunkt in Stadionnähe fehlt, sondern es stellt auch eine „unzumutbare Vorverurteilung und pauschale Kriminalisierung der Fanclubmitglieder“ dar. „Ohne jeglicher Beweise, geschweige denn gerichtlicher Verurteilungen, wurde eine Verbindung zu möglichen Straftaten kreiert, nur ums uns auch noch die letzten Überbleibsel im Stadionumfeld zu nehmen“, schreibt Tivoli Nord in der Stellungnahme. Gespräche werden von den Betreibern verweigert und zuletzt wurde man sogar bei einem Innsbrucker Fanclubmitglied mittels Anwalt und Unterlassungserklärung vorstellig, und zwar wegen der Banner bei verschiedenen Spielen. Tivoli Nord Innsbruck schreibt dazu, dass ihnen eine „solche Drohung … in der ganzen Geschichte der Innsbrucker Fanszene noch nicht untergekommen“ wäre, und hält fest: „Die Meinungsfreiheit endet nicht an den Toren des Tivoli Stadions, auch wenn es einige gerne so hätten.“

Die Olympiaworld Innsbruck ist der Betreiber mehrerer Sportstätten in Innsbruck, darunter auch das besagte Tivoli Stadion, und befindet sich in der Hand des Landes Tirol und der Stadt Innsbruck. Der FC Wacker Innsbruck hat als Mieter, der für jedes ausgetragene Spiel im Tivoli Stadion Miete bezahlen muss, keinen Einfluss auf die Situation. Die Fanszene kritisiert in diesem Zusammenhang auch, dass immer wieder Steuergelder, die als Sportförderung an den FC Wacker Innsbruck und andere Sortvereine gezahlt werden, über die Miete ohne Umschweife bei der Olympiaworld landen. Die Olympiaworld selbst hatte in der Vergangenheit immer wieder größere finanzielle Probleme. Tivoli Nord schreibt dazu: „Viele ‚Rettungspakete‘, die unser Verein im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte von der Politik erhielt und medial groß breitgetreten wurden, flossen direkt zurück in die Olympiaworld.“ 

Quelle: Tivoli Nord Innsbruck

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