Start Feuilleton Wissenschaft Gorilla Winston übersteht Corona-Erkrankung

Gorilla Winston übersteht Corona-Erkrankung

Die erfolgreiche CoViD-19-Behandlung eines Gorillas in Südkalifornien zeigt: Ob Menschenaffe oder US-Präsident – synthetische Antikörper können helfen.

San Diego. Stolze 48 Jahre zählt der Westliche Flachlandgorilla Winston. Er ist gegenwärtig der älteste Gorilla in einer zoologischen Einrichtung, denn er lebt seit 1984 im Zoo Safari Park (früher: Wild Animal Park) von San Diego, Kalifornien. Somit gehört Winston freilich auch zur Corona-Risikogruppe, zumal diverse Vorerkrankungen hinzukommen. Vor zwei Wochen wurden dann die Gorillas im Safari Park tatsächlich positiv auf das SARS-CoV-2-Virus getestet, wobei das alte Alphamännchen auch schwerere Symptome aufwies. Die Ansteckung dürfte über einen Tierpfleger erfolgt sein, somit – nicht unironisch – eine Anthropozoonose darstellen, also eine infektionelle Übertragung von Mensch zu Tier. Bislang geht man im Allgemeinen davon aus, dass der Ursprung der Corona-Pandemie auf dem umgekehrten Vorgang, einer Zooanthroponose, beruht.

Antikörper aus dem Labor

Die gute Nachricht ist: Winston ist über dem Berg, nachdem er erfolgreich mit Herzmedikamenten und Antibiotika behandelt wurde, aber auch mit synthetischen Antikörpern. Diese werden im Labor hergestellt und sollen bei akut erkrankten Patienten eine unmittelbare und eben „artifizielle“ Immunreaktion hervorrufen – im Gegensatz zu gängigen Impfungen, die ja vorbeugend wirken sollen, wird der Vorgang also beschleunigt und muss nicht erst vom Körper „erlernt“ werden. Diese Methode ist – auch abseits von Corona – seit einigen Jahren ein hoffnungsvoller Ansatz in der Forschung gegenüber viralen und bakteriellen Infektionskrankheiten, jedoch noch nicht umfassend erprobt, weswegen auch manche Risiken bezüglich der Aufnahme in den Zellen impliziert sind.

Menschenversuch rettet Tierleben

Was die CoViD-19-Behandlung betrifft – für die es eine Ausnahmegenehmigung brauchte –, war der Gorilla Winston allerdings nicht das erste Versuchskaninchen. Bereits Anfang Oktober des Vorjahres wurde im Militärkrankenhaus von Bethesda, Maryland, ein prominenterer Patient mit synthetischen Antikörpern behandelt, nämlich der damals amtierende US-Präsident Donald Trump. Und dieser war in der Tat erstaunlich rasch wieder gesund (zumindest physisch). Natürlich war’s nicht exakt derselbe Wirkstoff, doch das präsidentielle Experiment bahnte immerhin indirekt der erfolgreichen Anwendung bei Affen den Weg. Insofern hatte Trump also doch noch einen Nutzen – und Winston kann am 20. Februar seinen 49. Geburtstag feiern.

Quelle: Die Presse

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