HomeFeuilletonWissenschaftHälfte der Haifischarten bedroht

Hälfte der Haifischarten bedroht

In den Ozeanen steht jeder zweiten Haiart das Wasser bis zum Hals. Das liegt nicht nur an der Zerstörung des Lebensraumes, sondern auch am Handel mit Haiflossen, der mit brutalen Fangmethoden verbunden ist.

Washington/Berlin. Die Tierschutzorganisation „International Fund for Animal Welfare“ (IFAW) weist in einem aktuellen Studienbericht darauf hin, dass 50 Prozent aller Haifischarten der Welt in ihrer weiteren Existenz bedroht sind. Der eine Grund hierfür ist natürlich die fortschreitende Zerstörung des maritimen Lebensraumes durch den Menschen, in Form der Verschmutzung und Vermüllung der Meere, des industriellen Fischfangs und von Offshore-Förderprojekten.

Der IFAW benennt jedoch einen weiteren, direkteren Aspekt, der nicht zu unterschätzen ist, nämlich den Handel mit Haifleisch und ‑flossen. Diesem fallen jedes Jahr mehr als 100 Millionen Haie zum Opfer. In den vergangen 50 Jahren sind die Haupopulationen der offenen See um rund 70 Prozent zurückgegangen. Bei 20 Prozent der untersuchten Riffe musste das funktionelle Aussterben der Populationen festgestellt werden, was die jeweiligen Ökosysteme insgesamt aus dem Gleichgewicht bringt und gänzlich zu zerstören droht.

Der Handel mit Fleisch und Flossen von Haifischen gilt im Allgemeinen als asiatische Erscheinung, als bekannte Drehscheiben fungieren Hongkong, Singapur und Taiwan. Der IFAW weist jedoch darauf hin, dass auch die Europäische Union daran nicht unschuldig ist: In den Jahren 2003 bis 2020 kamen 28 Prozent der Flossenlieferungen für die genannten Marktplätze aus EU-Staaten, wobei Spanien eine Vorreiterrolle einnimmt. Zuletzt, 2020, waren es sogar 45 Prozent. In absoluten Zahlen spricht man von über 10.000 Tonnen pro Jahr.

Der IFAW fordert ein Ende des unregulierten Handels und eine Ausweitung der Schutzmaßnahmen. Von jenen Arten, deren Flossen gehandelt werden, sind 70 Prozent gefährdet, aber nur 25 Prozent vom Washingtoner Artenschutzübereinkommen erfasst. Darüber hinaus darf man die Haibejagung zum Zweck des Flossenhandels auch methodisch in Frage stellen: Den gefangenen Fischen werden oft nur die Flossen abgeschnitten, danach werden sie wie Abfall entsorgt oder wieder ins Meer geworfen, wo sie qualvoll verenden. Dieses rücksichtslose Tierleid dürfte wohl die beste Haifischflossensuppe nicht wert sein.

Quelle: Der Standard

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