HomeInternationalesItalienische Polizisten schlagen auf protestierende Schüler ein

Italienische Polizisten schlagen auf protestierende Schüler ein

Am vergangenen Freitag kam es in vielen Städten Italiens zu Schüler- und Studierendenmobilisierungen. Die Antwort der Polizeikräfte bestand aus purer Gewalt gegen die friedlich Demonstrierenden.

Rom/Turin. Mehr als 20 Demonstrationen wurden am 28. Jänner über ganz Italien verteilt abgehalten, um gerechten Forderungen von Schülerinnen, Schülern und Studierenden Aus- und Nachdruck zu verleihen. Mitten in diesem Kampf, sei es in organisatorischer oder aktivistischer Hinsicht, steht die Kommunistische Jugendfront (Fronte della Gioventù Comunista, FGC). Neben allgemeinen Forderungen zur Verbesserung des Schulsystems und der Lage der Schülerinnen, Schüler und Studierenden wurde v.a. der schockierende Tod des achtzehnjährigen Lorenzo Parelli thematisiert.

Lorenzo Parelli starb nämlich im Zuge der vom italienischen Schulsystem aufgezwungenen dualen Lehrmethode (der berüchtigten und verhassten alternanza scuola-lavoro). Diese sieht vor, dass Schülerinnen und Schüler während ihrer Oberschulzeit unbezahlte Praktika abzuleisten haben, um Unternehmen so billig wie möglich (gratis nämlich) Arbeitskraft zuzuführen. Die FGC betont jedoch auch, dass es neben der kostenlosen Ausbeutung der Arbeitskraft auch darum gehe, den Schülerinnen und Schülern (d.h. den Arbeiterinnen und Arbeitern von morgen) völlige Hingabe an das Ermessen der Unternehmen einzubläuen, und darum, sie auf ein Leben ohne Arbeitsrechte und ohne gewerkschaftlichen Rückhalt einzurichten. Hinzu kommt, dass die Unternehmen in Italien Sicherheitsvorkehrungen auf dem Arbeitsplatz besonders wenig Aufmerksamkeit schenken und täglich zwei bis vier Arbeiterinnen und Arbeiter morgens zur Arbeit gehen und abends nicht mehr zurückkommen. So kann es eben auch passieren, dass Schülerinnen und Schüler, die kaum 18 Jahre alt sind, eine Arbeit vom Schulsystem aufgezwungen bekommen, von der sie abends nicht lebend zurückkehren. So widerfuhr es Lorenzo Parelli, der in Udine gerade am letzten Tag seines unbezahlten Praktikums im Industriebetrieb Burimec von einem Stahlträger am Kopf erwischt wurde.

Unter Slogans, die an Lorenzo erinnerten und das duale Schulsystem anprangerten, gingen von Neapel bis Bozen tausende Menschen auf die Straße, die Schülerinnen und Schüler wurden dabei von klassenkämpferischen Basisgewerkschaften (Si Cobas, GKN) unterstützt.

Konzerninteressen mit dem Schlagstock verteidigt

Doch wo die Interessen der Konzernherren infragegestellt werden, sind die Schläge der Polizeikräfte vorprogrammiert. Während die bürgerlichen Medien sich auf die mühsame Wahl des italienischen Präsidenten fokussierten, blieben die Aufnahmen der zusammengeschlagenen Schülerinnen und Schüler unbeachtet. Die Situation spitzte sich in mehreren Städten zu, darunter etwa Mailand und Neapel. Besonders traf es jedoch die für ihre Rechte demonstrierenden Schülerinnen und Schüler in Turin. Die FGC veröffentlichte auf Facebook noch am selben Tag folgende Nachricht:

„In Turin griff die Polizei wiederholt Studenten an, die sich auf der Piazza Arbarello versammelt hatten, um gegen den Wechsel zwischen Schule und Beruf zu demonstrieren. Anlass war der Tod von Lorenzo Parelli, eines 18-jährigen Schülers, der letzte Woche während eines Praktikums ums Leben kam. Zwanzig Schüler wurden bei den Angriffen verletzt, mit denen die Polizei mehr als 500 Schüler daran hinderte, in einem Demonstrationszug zum Regionalschulamt zu ziehen.

Die Geschehnisse in Turin sind umso schwerwiegender, da sie mit den Ereignissen vom Sonntag, den 23. [Jänner] in Rom zusammenhängen, bei denen ebenfalls Studenten bei der zum Pantheon einberufenen Demonstration verletzt wurden.

Die Regierung verteidigt die kostenlose Jugendarbeit mit Schlagstöcken. Dies ist eine sehr ernste Angelegenheit. Dies ist das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass die Köpfe von Schülern zertrümmert wurden, die nur gegen den Wechsel zwischen Schule und Beruf sowie für einen gleichaltrigen Jungen demonstrieren wollten, der in einer Fabrik starb, während er in der Schule hätte sein sollen. Wir sind mit einer unhaltbaren Einschränkung des demokratischen Raums konfrontiert.

Wir appellieren an alle Studierenden, die sich mobilisieren, an die kämpferischen Gewerkschaften und an alle, die sich mit den Studierenden solidarisieren wollen: Lasst uns nicht aufhören zu kämpfen und lasst uns zeigen, dass wir bei den nächsten Demonstrationen, die heute Nachmittag beginnen, noch zahlreicher sein werden. Dieser repressive Angriff auf die Studenten darf uns nicht gleichgültig lassen, wir müssen sie auf der Straße unterstützen und Widerstand leisten.“

Die veröffentlichten Fotos zeigen klar und deutlich, wie Polizisten in voller Montur mit Schlagstöcken auf protestierende, unbewaffnete Schülerinnen und Schüler mit voller Wucht draufschlagen, ohne auf Alter noch Geschlecht der Protestierenden zu achten.

Der FGC lässt sich nicht aufhalten

Erst später wurde bekannt, dass allein in Turin rund 40 Schülerinnen und Schüler bei den im Grunde friedlich ausgerichteten Protesten verletzt wurden, zehn davon mussten wegen ihrer Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Es ist ein klares Zeichen, das der italienische Staat an alle Schüler und Studierenden aussendet: Wer sich gegen unbezahlte Arbeit auflehnt, wird mir nichts dir nichts krankenhausreif geschlagen. Es sind die Konzerninteressen selbst, die, über Leichen gehend, unter allen Umständen verteidigt werden müssen.

Die FGC kündigte als Reaktion auf die äußerst brutale Behandlung der Polizeikräfte für kommenden Freitag weitere Demonstrationen an:

„Wir lassen uns nicht durch Schlagstöcke zum Schweigen bringen! In Turin sind die Schüler nach den polizeilichen Angriffen vom Freitag noch entschlossener, sich gegen das System der alternierenden Lehre zu mobilisieren und das Recht zu erkämpfen, in der Stadt zu demonstrieren. Die Gewalt, mit der die Turiner Polizei vorgegangen ist, ist unglaublich: 40 Studenten wurden verletzt, zehn von ihnen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Wir reagieren darauf, indem wir einen Gang zulegen – wir lassen uns nicht einschüchtern, diesen Freitag werden die Studenten wieder auf die Straße gegen den Wechsel von Schule und Arbeit gehen, der den Tod von Lorenzo im Alter von 18 Jahren verursacht hat. Die ‚orangefarbene Zone‘, ein Vorwand des Polizeipräsidiums, um auf dem Platz die Demonstrationsfreiheit einzufordern, ist nur ein Feigenblatt, hinter dem sich eine klar definierte politische Entscheidung verbirgt, um diejenigen zu treffen, die wirklich kämpfen. Es ist kein Zufall, dass die No-Vax-Demonstrationen nicht die gleiche Behandlung erfahren, denn nur diejenigen, die gegen Gratisarbeit und Ausbeutung kämpfen, haben Anspruch auf diese Behandlung. Wir werden keinen Schritt zurückgehen, für Lorenzo!“

Quelle: FGC/FGC/FGC

BILDQUELLEFGC
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